Prozess um den „Puppa-Räuber“ geht in die 3. Runde

Kleve..  Auch am dritten Prozesstag schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen. Dem 45-jährigen Mann türkischer Herkunft, der aktuell wegen besonders schweren Raubes eine achtjährige Haftstrafe in der JVA Geldern verbüßt, muss sich erneut vor Gericht verantworten. Drei Straftaten werden ihm vorgeworfen: Im Oktober 2010 soll er mithilfe eines Schraubendrehers eine Autofahrerin überfallen haben; im Dezember 2010 überfiel er einen Rewe, bedrohte eine Kassiererin und erbeutete Bargeld; im August 2011 brach er in ein Einfamilienhaus an der Querallee ein, bedrohte das dort wohnende Ehepaar, sprühte dem Ehemann Reizspray ins Gesicht und versuchte Wertgegenstände zu stehlen.

Zahlreiche Zeugen gaben am gestrigen Prozesstag ihre Aussage zu Protokoll. Darunter die Verkäuferin des Überfalls auf den Supermarkt, das Ehepaar des Wohnungseinbruchs sowie Polizisten. Für Diskussionen sorgte die dunkle Jacke, die der Täter während des Überfalls der Rewe-Filiale trug. Ein Nachbar des Angeklagten meldete der Polizei diese Jacke auf einem Fahndungsfoto als seine eigene ausgemacht zu haben. Vor Gericht sagte der Zeuge aus, die Jacke gewaschen und zum Trocknen in den Keller gehängt zu haben. Dort wurde sie gestohlen. Er beschuldigt den Angeklagten. Der Vorsitzende Richter Jürgen Ruby erkundigte sich nach näheren Informationen zur Jacke. Doch der Zeuge konnte weder genau sagen um welche Marke es sich handelte, welche Größe sie hatte, noch wie lange sich diese in seinem Besitz befand. Lediglich Handyfotos legte er vor. Zur Klärung des Sachverhalts sollen beim nächsten Prozesstag am 9. März auch Familienangehörige des Zeugen zur Jacke befragt werden.

Für den Verteidiger des Angeklagten Harald Bex ergeben sich bei den Vorwürfen einige Ungereimtheiten. Er beantragte, dass Mittels eines so genannten Fotogrammetrie-Verfahrens, mit dem Größenverhältnisse von Bild- und Videoaufnahmen ausgewertet können, geprüft wird, ob es sich bei dem Täter aus den Aufnahmen der Überwachungskamera der Rewe-Filiale um den Angeklagten handelt. Bei den Ermittlungen zum Einbruch 2011 vermutet der Rechtsanwalt mangelnde Sorgfalt seitens der Polizei. Die Polizisten sagten aus, beim Eintreffen am Tatort weder Überzieher noch Handschuhe getragen zu haben. Auch gab der Leiter der Ermittlungen an, es nicht für nötig befunden zu haben die Oberbekleidung des Geschädigten, der mit dem Täter gekämpft hat, zur Analyse zu schicken. Bex regte an, dies nachholen zu lassen. Allerdings ist aktuell nicht bekannt, ob die Polizei noch im Besitz des Kleidungsstückes ist. Auch ist nicht bekannt, wer das Messer, mit dem die Geschädigte bedroht wurde, sicherstellte und ob dies regelkonform geschah. Von der Verteidigung wurde auch beantragt den Schraubendreher aus dem Überfall des Autos noch einmal auf DNA-Spuren analysieren zu lassen. Zwar fand man darauf eindeutig die DNA des Angeklagten, doch der ebenso darauf befindlichen Mischspur wurde nicht nachgegangen.

 

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