Prozess um Babyleichen in Weeze - Zweifel an Schuld der Mutter

Am Donnerstag wird in dem Verfahren gegen die 25-jährige Frau aus Weeze ein Urteil gesprochen.
Am Donnerstag wird in dem Verfahren gegen die 25-jährige Frau aus Weeze ein Urteil gesprochen.
Foto: Diana Roos
Jetzt rückt die Staatsanwaltschaft von ihrer Mordanklage ab: Im Prozess um zwei in Weeze gefundene Babyleichen fordert der Staatsanwalt nur noch vier Jahre und sechs Monate Haft wegen Totschlags für die 25-jährige Tatverdächtige. Ihr Verteidiger plädiert auf Freispruch, das Geständnis sei falsch.

Kleve. Aus einer Anklage wegen Doppelmordes ist eine wegen Totschlags in einem minder schweren Fall geworden: Schon vor dem Urteil am Donnerstag steht fest, dass die Klever Staatsanwaltschaft in dem spektakulären Prozess um die Weezer Babyleichen vor dem Landgericht eine herbe Niederlage erlitten hat.

Vier Jahre und sechs Monate soll die angeklagte 25-jährige Weezerin hinter Gitter, forderte gestern Staatsanwalt Martin Körber. Ihr Verteidiger Jürgen Verhoeven plädierte hingegen auf Freispruch.

Zur Erinnerung: Begonnen hatte der Prozess mit dem Vorwurf, die junge Frau aus Weeze habe aus niederen Beweggründen zwei Babys jeweils nach der Geburt getötet – um nicht von ihrem Vater enterbt zu werden. Die Leichen der beiden Kinder waren im September vergangenen Jahres auf dem Speicher und auf dem Heuboden des Bauernhofs in Weeze gefunden worden, auf dem die Familie lebt.

Da die Körper in völlig unterschiedlichen Stadien der Verwesung waren, gingen Polizei und Staatsanwaltschaft davon aus, dass sie in einem Abstand von einem Jahr getötet wurden. Während des Prozesses stellte sich jedoch durch ein vom Gericht bestelltes rechtsmedizinisches Gutachten heraus, dass die beiden Kinder Zwillinge waren – und dass zumindest eines von ihnen schon bei der Geburt tot war.

Aussage mindestens viermal geändert

Das hatte die Angeklagte bereits bei der ersten polizeilichen Vernehmung erzählt. Die Beamten hatten ihr aber keinen Glauben geschenkt.

Stattdessen hätten die Ermittler die junge Frau massiv unter Druck gesetzt, so ihr Verteidiger, weswegen sie ihre Aussage „mindestens viermal“ geändert habe – bis hin zu der Behauptung, dass die beiden Kinder in großem zeitlichen Abstand voneinander geboren worden seien. Die 25-Jährige, so lautet im Kern die Argumentation der Verteidigung, habe also nur „gestanden“, was ihr Polizisten in den Mund gelegt hätten.

"Begründete Zweifel"

Verteidiger Verhoeven zog deshalb selbst in Zweifel, dass der zweite Säugling lebend geboren wurde, wie es seine Mandantin laut Geständnis behauptet – da der Leichnam skelettiert war, konnte dies rechtsmedizinisch nicht bewiesen werden. Und immerhin habe die junge Frau zwischenzeitlich auch davon gesprochen, dass sie zwei Fehlgeburten gehabt habe.

Weil es „begründete Zweifel“ daran gebe, dass der zweite Säugling gelebt habe, müsse seine Mandantin freigesprochen werden, so Verhoeven. Für Staatsanwalt Martin Körber hingegen ist klar: Der zweite Säugling hat nach der Geburt gelebt und die 25-Jährige hat getötet, indem sie ihn würgte und in der Badewanne unter Wasser drückte.

Obwohl viel dafür spreche, dass sie ihr Kind planvoll getötet habe, weil „es nicht in ihre Lebensplanung passte“ und für sie „ein Störfaktor war“, plädierte Körber auf Totschlag in einem minder schweren Fall – auch, weil die 25-Jährige unter einer „komplexen Persönlichkeitsstörung“ leide.

Die Veränderung der Anklage hatte zum Auftakt des vierten Verhandlungstages der Vorsitzende Richter Ulrich Knickrehm angeregt, die Staatsanwaltschaft stimmte dem Vorschlag zu. Das Urteil wird heute gesprochen.

 
 

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