Professoren hinterfragen die Hochschul-Zukunft

Prof. Dr. Marie-Louise Klotz leitet das Präsidium der Hochschule.
Prof. Dr. Marie-Louise Klotz leitet das Präsidium der Hochschule.
Foto: WAZ FotoPool
Offener Brief befasst sich mit Freiräumen der Beschäftigten. Präsidium in Kleve / Kamp-Lintfort wird erstmals neu gewählt.

Kleve..  Die auffallend große Zahl von 29 Professoren der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) unterschrieben einen langen offenen Brief an die Mitglieder des Hochschulrates und des Senates. Ausführlich stellt der Brief Fragen zu acht Punkten – vor dem Hintergrund, dass in wenigen Wochen Senat und Hochschulrat das erste Mal die Mitglieder des Präsidiums der staatlichen Hochschule Rhein-Waal neu wählen werden. „Gelegenheit, eine Diskussion über die Herausforderungen und Strategie“ für die kommende Amtszeit anzustoßen, finden die Unterzeichner.

Bedenkt man die recht hohe Fluktuation des Personals in den ersten fünf Jahren der Hochschul-Existenz und bewertet man, dass der Hochschulrat eine öffentliche Ausschreibung will (das Ministerium empfahl eine interne), dann hört man es knirschen hinter den Kulissen. Dass die Präsidentin taff und energisch ist, wird in der Öffentlichkeit stets gelobt. Intern mag das kritischer gesehen werden.

Die Hochschulleitung regiere in eine akademische Selbstverwaltung hinein und „verhindere“ Freiräume, was auch die Gewinnung und Förderung von Personal oder deren „überlange Probezeiten“ betreffe. So heißt es in den Kritikpunkten. Es werden gar „konstruktive und respektvolle Umgangsformen“ in „Kommissionen, Gremien, bei Arbeitstreffen“ eingeklagt. „Wichtig“ sei, dass solche Werte „glaubwürdig in der Führungsspitze vorgelebt“ werden. Man bemängelt, das Präsidium habe bisher abgelehnt, die „hoch motivierten“ Beschäftigten mit ihrer „Problemlösungskompetenz“ und Erfahrung beim weiteren Ausbau der Hochschule zu beteiligen.

Die „internationalen Netzwerke“ zahlreicher Dozenten deckten sich „nicht immer mit den Prioritäten des Präsidiums“, welche Schwerpunkte erhalten also die internationalen Kooperationen? Weitere Fragen gelten der Forschungsfreiheit, der Praxisnähe und innovativer Lehrmethoden. Man fürchte, dass nach den fünf Jahren HSRW-Aufbauphase der „Normalbetrieb“ und der Verwaltungsaufwand zunähmen.

Ein allgemeines Problem, weder Kleve-spezifisch noch landes- oder bundestypisch ist wohl die Zahl der Studienabbrecher. Es sei ein „beträchtlicher Teil“ der jungen Leute, was aber „auch unter ministeriellem Druck“ nicht zu schlechterer Ausbildungsqualität führen dürfe, wird im Schreiben gemahnt. Denn klar ist: Eine Hochschule bekommt nur Geld für Absolventen.

Die Präsidentin der Hochschule, Prof.Dr. Marie-Louise Klotz, ist im Gespräch mit der NRZ verwundert, dass der interne Brief in der Öffentlichkeit bekannt ist (erstmalig vom Internetforum Kleveblog veröffentlicht). „An jeder Hochschule sind die Dinge im Fluss,“ und gerade an einer jungen wie Kleve / Kamp-Lintfort „müssen sie prozesstechnisch gesettet werden.“ Die Studienabbrecherquote sei auch eine Frage der Zählweise: „Wenn jemand sein Fach wechselt, wird er als Abbrecher gezählt“. Die Hochschulleitung sei bemüht, alles statistisch zu erfassen, „damit wir besser beraten können und helfen, wo man kann“, so Prof. Klotz.

Antworten im Herbst

Antworten zu den weiteren Fragen im offenen Brief könnten Senat und Hochschulrat dann geben, wenn sie zum Wintersemester auf die Tagesordnung gesetzt würden. Der Senat tagt am 27. August.

Überall werden nach sechs Jahren die Präsidien neu gewählt. Prof. Klotz war am 1. Mai 2009 bestellt worden, ihre Amtszeit läuft am 1. Mai 2015 aus. „Die Stelle wird normal ausgeschrieben und ich werde mich wieder darauf bewerben“, kündigt sie an. Ein Findungskommission findet die Kandidaten, der Hochschulrat wählt, der Senat muss zustimmen. Bisher. Derzeit berät der Landtag ein neues Hochschulgesetz. Es kann zum Herbst Änderungen mit sich bringen.

 
 

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