Pilotenprotest hat Hochsaison

In der Hauptsaison im Sommer gehören neun Ryanair Flugzeugen zum Standort des Weezer Flughafens, im Winter wird reduziert.
In der Hauptsaison im Sommer gehören neun Ryanair Flugzeugen zum Standort des Weezer Flughafens, im Winter wird reduziert.
Foto: WAZ FotoPool
Harte Arbeitsbedingungen gehen den Piloten Ryanairs gegen den Strich: Ein festes Gehalt gibt es nicht, die Fluggesellschaft kann die Piloten problemlos in den unbezahlten Urlaub schicken – so passiert es nun wieder zur Wintersaison. Doch nun steht Veränderung ins Haus: Bundesweit sind bereits die Hälfte der Piloten Mitglied im Pilotenbündnis Ryanair Pilot Group (RPG). Auch in Kevelaer trafen sich nun 25 Piloten

Weeze.  Ohne Zwischenfälle starteten am gestrigen letzten Schultag 28 Ryanair-Maschinen vom Flughafen Weeze, es ist Hochsaison. Ab Oktober, wenn die Wintersaison beginnt, wird es wie die Jahre zuvor deutlich weniger Flüge geben. Anwohner mag das erfreuen, doch für die Piloten sind die daraus folgenden Arbeitsbedingungen nicht rosig. Von derzeit neun auf fünf Flugzeuge soll die Weezer Flotte reduziert werden. Laut der Zeitung „Die Zeit“ sind davon 40 Piloten betroffen – die größte Fluggesellschaft Europas bestätigt die Zahl nicht.

Was aber klar ist: Die Piloten werden für die Wintersaison nach Hause geschickt. Es sei wenig los, außerdem sei die Kürzung wichtig, weil Ryanair durch das geltende Nachtflugverbot betroffen sei, antwortet Ryanair Irland auf NRZ-Anfrage. Offiziell heißt es, man habe den Piloten die „Option auf Teilzeit, unbezahlten Urlaub oder Entlassungen aufgrund von betriebsbedingter Kündigung offen gestellt.“

Piloten organisieren sich

Das Prozedere ist bekannt, einen Aufschrei gibt es nicht. Dennoch muss Ryanair in Zukunft wohl durchaus mit Gegenwehr rechnen: Mitte Juni wählte das Pilotenbündnis Ryanair Pilot Group (RPG) zum ersten Mal eine Leitung. Dem Vorsitzenden der vorläufigen Führungsgremiums, Flugkapitän Evert van Zwol, gehen die Arbeitsverhältnisse bei Ryanair gegen den Strich.

Seine Argumentation: Auf der einen Seite mache Ryanair gute Profite, eine Milliarde Euro seien kürzlich an die Aktionäre ausgeschüttet worden. Andererseits seien die mehr als 2300 Piloten Ryanairs beschäftigt wie „Söldner über Hunderte in Irland angemeldete Gesellschaften mit beschränkter Haftung, ohne arbeitsplatzbezogene, finanzielle und soziale Sicherheit.“ Die Betroffenen seien scheinselbstständig, erhielten kein fixes Gehalt. Ryanair kann sie problemlos in unbezahlten Urlaub schicken. Das sorgt für Unmut auch in Weeze. Vergangene Woche trafen sich 25 Piloten im Tagungshotel Klostergarten in Kevelaer, unterstützt von RPG.

Um die Verhältnisse zu ändern, sei man auch zu Streik bereit, lässt van Zwol wissen. Mittlerweile sei gut die Hälfte der Piloten in der RPG Mitglied. Als Verhandlungspartner in Arbeitsfragen erkennt Ryanair das Pilotenbündnis dennoch nicht an. Laut Presseabteilung sieht man die RPG als „Nicht-Ryanair Gruppe“, weil der fünfköpfige Interimsrat aus vier Piloten konkurrierender Fluggesellschaften besteht (Aer Lingus, KLM, Air France und Southwest).

So selbstverständlich die RPG von Streik spricht, so hart reagiert das Unternehmen: „Alle Ryanair-Piloten, die unzufrieden sind, können Ryanair jederzeit verlassen. Wir haben eine Warteliste von über 5 000 Piloten und Flugbegleitern, die gerne bei Ryanair arbeiten würden“, heißt es schriftlich.

 
 

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