Pferdehund in Mönchskutte

Zwei Monster drehen einander den Po zu. Derber Humor in der Klever Minoritenkirche.
Zwei Monster drehen einander den Po zu. Derber Humor in der Klever Minoritenkirche.
Foto: WAZ FotoPool
Kleine Holzschnitzereien in der Klever Unterstadtkirche zeugen vom rheinischen Humor. Kaum etwas ist so herzerfrischend wie die Kombination aus derbem Humor und künstlerischer Raffinesse

Kleve..  Wie der Humor der Menschen im Mittelalter beschaffen war, kann man sehr gut in der Klever Kirche St. Mariä Empfängnis sehen, der ehemaligen Minoritenkirche. Mittelalter? Humor? Kirche? Wie passt das zusammen? Nun, ganz ausgezeichnet.

Im Chorgestühl, also ganz vorne, wo die Mönche saßen, haben mittelalterliche Holzbildhauer buchstäblich die Sau rausgelassen. Dort sieht man einen Esel, der den Rosenkranz betet, ein aus Pferd und Hund zusammengesetztes Fabelwesen in Mönchskutte, einen Akrobaten mit einem Affen, einen Mann mit Hundekopf und einen, der Purzelbäume schlägt. Es handelt sich um die Unterseiten der Klappsitze, die sogenannten Misericordien. Misericordia bedeutet auf Deutsch Barmherzigkeit. Waren die Sitze hochgeklappt, konnten sich kranke oder schwache Mönche an den kleinen Stützbrettern festhalten, um nicht umzukippen. Daher der Name. Die kleinen frechen Schnitzwerke, die daraus entstanden sind, müssen sowohl bei den Künstlern wie bei den Mönchen sehr beliebt gewesen sein, sonst hätten sich die Schnitzkünstler wohl nicht in ganz Europa derart austoben können.

Bedeutendste Kunstwerke

Das Chorgestühl in der Minoritenkirche, entstanden im Jahr 1474, zählt zu den bedeutendsten rheinländischen Kunstwerken des späten Mittelalters. Rechtzeitig vor den Fliegerangriffen des Zweiten Weltkriegs hat man es daher in einen Salzstock gebracht, wo es den Krieg überstand, wenn auch, wie man sich denken kann, mit teilweise schweren Beschädigungen. Hätte man es nicht evakuiert, wäre es wohl zerstört worden – wie die gesamte Kirche. Die war ursprünglich Stadtkirche gewesen und wurde erst in der Mitte des 14. Jahrhunderts zur Klosterkirche. Die Minoriten, Mönche eines Franziskaner-Männerordens, übten schon seit 1285 die Seelsorge in Kleve aus. Die äußere Schmucklosigkeit des Gebäudes, dazu der Verzicht auf einen Turm, das sind durchaus Kennzeichen der Franziskaner-Orden. Schließlich war Armut angesagt.

Von den angrenzenden Klostergebäuden ist heute nichts mehr übrig, dort steht heute das Rathaus. Wie lange noch oder in welcher Form – das ist eine andere Frage.

Und damit zurück zum Chorgestühl. Narren sind die Kehrseite der Heiligenfiguren. Narren, das waren im Mittelalter die Helfer des Teufels. Wo sie auftauchen, ermahnen sie den Menschen, zur Tugend zurückzukehren. Die Tugendhaften sind im Chorgestühl der Unterstadtkirche an den Seiten platziert, jeweils etwa 80 Zentimeter groß. Wunderschöne Figuren mit ernsten Gesichtern, anmutig schauen sie zu Boden. Doch auch hier grinsen zwei kleine Narren über der heiligen Elisabeth frech den Betrachter an, und über dem heiligen Bernardin von Siena strecken zwei Monster einander den Po entgegen.

Mühsam restauriert

Es gibt in der Kirche noch einige andere Kunstwerke, die den Lauf der Zeiten überdauert haben. Dazu zählen etliche Heiligenfiguren, aber auch die barocke Kanzel. Man sieht ihr nicht an, dass sie in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts aus lauter Einzelstücken mühsam restauriert wurde. Aber kaum etwas ist so herzerfrischend wie die Kombination aus derbem Humor und künstlerischer Raffinesse, wie man sie im Chorgestühl entdecken kann.

 
 

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