Niersexpress-Bahnhöfe punkten

Gegenüber dem Bahnhof in Goch gibt’s Graffitis auf einem Privatgebäude, das bald abgerissen wird.
Gegenüber dem Bahnhof in Goch gibt’s Graffitis auf einem Privatgebäude, das bald abgerissen wird.
Foto: eve
VRR-Tester bescheinigen den Bahnhöfen ein gutes Erscheinungsbild. Nur Goch fällt wegen Schmutz und Graffiti aus der Reihe, welche die Stadt versuchte zu finden

Kreis Kleve..  Am Niederrhein ist’s grün, kein Wunder: Es sind beste Ergebnisse, die die VRR-Tester für die Bahnstationen an der Strecke gen Kleve vergaben. In der Gesamtwertung sicherten sich neun der zehn Stationen ab Krefeld, wo der Niersexpress fährt, ein „akzeptabel“. Weil die Wertung nach Ampelfarben gestaffelt ist, gab es also neun mal grün – nur Goch bremst das Ergebnis aus, mit einer „noch akzeptablen“, gelben Wertung. Und dennoch bleibt’s die beste Strecke im VRR-Gebiet laut dem neuestem Stationsbericht für 2014.

Die Haltestellen wurden mit dem Klemmbrett in der Hand abgelaufen und bewertet. Insgesamt waren Tester viermal je am Bahnsteig sowie am Zugang dorthin (im Gesamtgebiet an 294 Stationen). Geschaut wurde, wie sauber, funktionstüchtig und graffitifrei jede Zug-Haltestelle war. Zusätzlich wurden Zugreisende befragt, wie sie sich bei Störungen informiert fühlen und wie sie den Zustand der Station einschätzen. Die Testaktion führte der VRR zum achten Mal durch.

Problemfall Graffiti

Der Bahnhof Weeze hat dabei ideal abgeschnitten: bei allen sechs Testbereichen gab es die beste Wertung, grün. Jeweils die schlechteste Note (rot, „nicht akzeptabel“) brachte Graffitis sowohl Bedburg-Hau (Graffiti am Bahnsteig) und Kleve sowie Goch (Graffiti am Zugang zum Bahnhof) ein. Weil Goch zudem von den Testern nach den vier Begehungen nur mit „noch akzeptabel“ (gelb) bei der Sauberkeit von Bahnsteig und dem Gelände drumherum erhielt, schnitt die Stadt im Vergleich mit linksrheinischen Haltepunkten im Kreis Kleve am schlechtesten ab. Aus VRR-Sicht sind Graffitis „die entscheidende Ursache“ für schlechte Bewertungen, weil sie für Fahrgäste „erheblich zum negativ empfundenen Gesamtergebnis“ beitrügen.

Im Grunde ist die Datensammlung durch die Tester des VRR der Versuch, Einfluss auf das Erscheinungsbild der Bahnhöfe zu nehmen. Die seien oft im Besitz der DB Station&Service AG, mit denen man keine direkten vertraglichen Beziehungen pflege, heißt es im Bericht und auch VRR-Sprecher Holger Finke erklärt, dass man an die DB die Daten sofort weiterleite, damit diese handeln könne.

Ob auch die sonstigen Besitzer von Bahnhofsgebäuden informiert würden, also Privatbesitzer und Kommunen? Nein, nicht automatisch. Aber man stehe mit den Kommunen immer wieder in Kontakt. In Weeze und Bedburg-Hau sind die Stationen in Privatbesitz – wie der Bericht aufführt. Kleve gehört besagter DB Station&Service AG. In Goch gehört das Gebäude der Stadt und der Vorplatz auch, für den Bahnsteig (also alles hinterm Gebäude) ist wiederum die Bahn zuständig.

Nachdem man von Dritten auf den 23-Seiten-Bericht hingewiesen wurde, habe man sich ihn angeschaut, erklärt Gochs Stadtsprecher Torsten Matenaers und – wie bei allen städtischen Liegenschaften regelmäßig üblich – eine Begehung durchgeführt. Mit verblüffendem Ergebnis, weil man die bemängelten Graffitis nicht gefunden hat. Graffitis gibt es zwar am Stellwerk-Häuschen am Bahnübergang und an den großen Hallen gegenüber des Bahnhofs (die bald abgerissen werden), was aus Stadtsicht aber nicht zum Bahnhof zählt. Das städtische Bahnhofsgebäude selber sei graffitifrei und zudem vor gut zwei Jahren frisch gestrichen worden. Welche Graffitis der VRR meint, geht nicht aus dem Bericht hervor.

„Uns ist nicht klar wie es zu der Bewertung kommt“, sagt Matenaers. Auch, weil der VRR-Bericht keine Details preisgibt (z.B. wann wo welche Verschmutzung bestand), sondern nur die Endnote aufgeführt ist. Fehlen aber Details, wird das Handeln schwierig. Auf Nachfrage beim VRR erfuhr die NRZ beispielsweise das auch „zerkratzte/verunreinigte Glasflächen“ kritisiert werden – aus dem Bericht lässt sich das nicht ablesen.

 
 

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