Nacktschnecken-Alarm in Gärten am Niederrhein

Julian Weimer
Bei der Jagd auf die Nacktschnecken. Foto: Heinz Holzbach/Waz/FotoPool
Bei der Jagd auf die Nacktschnecken. Foto: Heinz Holzbach/Waz/FotoPool
Foto: Kleve

Kreis Kleve. Im Kreis Kleve herrscht Nacktschneckenalarm. Die schleimigen Tierchen machen die Gärten unsicher; denn wegen des ungewöhnlich feuchten Sommers zieht jetzt das große Fressen in die Gärten am Niederrhein.

Die Population der Nacktschnecken wächst am Niederrhein rasant – das beobachtet auch Fachmann Dr. Werner Osterkamp vom Gartenbauzentrum Straelen der Landwirtschaftskammer NRW mit Sorge. „Das feuchte Wetter ist natürlich schuld“, sagt er. „Die Schnecken legen jetzt richtig los. Wenn es ein bisschen wärmer wird, werden das in diesem Jahr richtig viele“, warnt er mit Blick auf Gemüseanbau und private Gärten.

Die großen Fresser kommen

Da sind die kleinen, großen Fresser schon jetzt zu Hunderten angekommen. „In diesem Jahr ist das sehr, sehr heftig“, beobachtet Gerlinde Semrau-Lensing vom Arbeitskreis Kermisdahl-Wetering aus Kleve. „Man wird nicht mehr Herr der Plage“, sagt sie über ihren eigenen Garten. „Wenn man gerade am Abend schöne, neue Blumen gepflanzt hat, sind die am nächsten Morgen schon weg.“ Einsammeln? Bierschalen als Fallen auslegen? „Das ist alles nur ein Hoffnungsschimmer. Gleich am nächsten Tag sind sie wieder da.“

Wer die Plage eindämmen möchte, muss vor allem Zeit investieren. Silke Imig-Gerold aus Bedburg-Hau macht sich derzeit jeden Morgen und Abend auf die Jagd. Schnecken, die sie erwischt, schneide sie kurzerhand durch. „Tausende sind da unterwegs“, sagt sie über ihren knapp 3000 Quadratmeter großen Garten. „Die legen ja jetzt auch ihre Eier.“

Den größten Störenfried unter den Nacktschnecken hat Ralf Dammasch ausgemacht, der mit seiner Frau einen 5000 Quadratmeter großen Garten in Goch regelmäßig auch für Besucher öffnet. „Am schlimmsten sind diese rotbraunen Nacktschnecken mit sieben bis zwölf Zentimetern, die ‘Arion lusitanicus’.“ Die aus Spanien eingewanderte Art habe „sich hier schon sehr stark verbreitet, bekommt vier mal so viele Nachkommen wie die heimischen“, sagt er. Bei dem feuchten Wetter zeigten sich die Schnecken „auch tagsüber wesentlich häufiger“.

Gegen die ‘lusitanicus’ gehe er „vehement“ vor: „Durchschnibbeln, liegen lassen. Dann fressen die Artgenossen sie statt der Pflanzen.“ Bei der täglichen Wanderung von 100 bis 150 Schnecken von außen in seinen Garten setzt er auf Hindernisse. „Sehr gut funktionieren scharfkantige Barrieren: Große Holzhäcksel oder Split dreißig bis vierzig Zentimeter breit ausstreuen, da gehen sie ungern drüber.“ Und Pflanzen mit weichen Blättern auch mal in Kupferkübel setzen.

Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft sieht Bauernmarkt-Betreiber Michael Hövelmann aus Bedburg-Hau derweil nicht so dramatisch. „Von den Bauern höre ich das wohl mit den Schnecken, sie können das aber ganz gut im Griff halten. Problematisch könnte das in Biobetrieben werden, die dürfen ja nicht mit Chemie ran.“ Das große Thema seien die Schnecken in seinem Laden dennoch. „Kunden berichten, dass sie in ihren Gärten jeden Tag 50 bis 100 Schnecken aufsammeln, viele können kein Gemüse mehr selber halten. Die Tiere vermehren sich ja wie die Ratten bei dem Wetter.“

Schneckenkorn hilft

Dagegen empfiehlt Werner Osterkamp vom Gartenbauzentrum Straelen Mittel wie Schneckenkörner, beziehungsweise Schneckenlinsen. Wegen des Regens würden sie am Besten vor Feuchtigkeit geschützt etwa in Blumentöpfen ausgebracht. Auch der Einsatz von Branntkalk, Kainit oder Kalkstickstoff sei möglich. Die Wirkung von vielen biologischen Mitteln setze dagegen erst nach Tagen ein.

Bislang verschont geblieben ist der Emmericher Bio-Landwirt Ludger Wittenhorst. „Wir haben mit unserem sandigen Boden Glück“, sagt er. Es gebe zwar auch im biologischen Anbau ein zugelassenes Schneckenkorn, ein Gift gegen die Tiere. „Aber das ist sehr teuer und wirkt auch nur einige Tage.“

Dann doch lieber Natur, findet auch Gerlinde Semrau-Lensing: „Wir haben zwei Igel im Garten. Das ist vielleicht die beste Methode.“