Nach Fehlalarm-Serie in Asylunterkunft diesmal Brandstiftung

Feuerwehrkräfte beim Einsatz am Montag an der Flüchtlingsunterkunft
Feuerwehrkräfte beim Einsatz am Montag an der Flüchtlingsunterkunft
Foto: Feuerwehr Weeze
Wie die Bezirksregierung jetzt versucht, durch zusätzliches Personal in der Flüchtlingsunterkunft Weeze das Gebäude zu überwachen.

Weeze. Viermal am Montag wurden Feuerwehrleute aus Weeze zum Alarm in die Flüchtlings-Notunterkunft an der Straße Euregio-Park am Flughafen Weeze raus gerufen. Um 16.50 Uhr, um 17.30 Uhr und um 22.30 Uhr reagierten die Brandmelder in verschiedenen Gebäuden der Landesnotunterkunft jeweils im Waschraum. Dann um 23.30 Uhr waren tatsächlich mehrere Kleidungsstücke vorsätzlich in einer Waschmaschine in Brand gesetzt worden.

„Ob das harmlos gedacht war, ist mir egal. Es ist versuchte schwere Brandstiftung, bei der in Kauf genommen wurde, dass Menschen zu Schaden kamen“, hat Weezes Bürgermeister Ulrich Francken die Nase voll von den vielen Fehlalarmen der letzten Zeit. „Ich will nicht mehr hinnehmen, dass die Feuerwehr derart belastet wird“. Zufällig steht ein Besuch der Bezirksregierung (Träger der Einrichtung) in Weeze an. Da werde es nicht nur um den weiteren Ausbau gehen, sondern auch um Betreuung, um Leitung und Security, sagt Francken.

„Realbrand“ nach drei Fehlalarmen in Folge

Feuerwehr-Einsatzleiter Michael Winthuis schildert: „Nach dem dritten Alarm am selben Tag blieben ein Kollege und ich noch vor Ort, weil wir den Eindruck hatten, die Situation spitzt sich zu. Da sahen wir Rauchentwicklung“ im anderen Haus, die sich im Erdgeschoss extrem schnell ausgebreitet hatte. „Ich habe per Funk gleich gemeldet, dass es diesmal ein Realbrand ist“, so der Wehrleiter. „Wir mussten alle Menschen aus dem Gebäude evakuieren, auch Familien. Die Kleinkinder mitten in der Nacht aus dem Bett raus in die Kälte holen,“ beschreibt Winthuis. „Es ist uns aber unbedingt wichtig zu betonen, dass wir in unserem Ehrenamt unsere Arbeit machen“. 35 Leute waren am Montag im Einsatz. Niemand wurde verletzt.

Der Bürgermeister umreißt respektvoll: „Sie müssen von der Arbeit weg oder nachts raus, auf die Fiets oder im Auto zur Wache, aufrüsten, auf den Wagen und in acht Minuten nach Vorschrift am Brandort sein und Leib und Leben für andere einsetzen“.

Verdächtige sind außer Haus

Inzwischen haben in der Unterkunft Bewohner gewechselt, Verdächtige sind nicht mehr im Haus. Man habe das Warnsystem mit den „Handdruckmeldern“, die man im Notfall einschlagen muss, geändert. „Aber es waren Strümpfe über Brandmelder gezogen und angezündet worden,“ sieht Francken gezielte Absicht. Security-Mitarbeiter hatten in allen Fällen die entzündeten Socken gelöscht.

Die Kriminalpolizei hat die Spuren gesichert und wird nun weiter ermitteln. „Zu den Beweggründen möglicher Tatverdächtiger lässt sich daher momentan noch nichts sagen“, antwortet Stefanie Klockhaus von der Bezirksregierung auf NRZ-Anfrage. Die Bewohner wurden wegen des Qualms in der Unterkunft umquartiert. Da die Einrichtung derzeit von möglichen 399 mit nur 146 Personen belegt ist, können die Bewohner auf die anderen Gebäude verteilt werden. Das betroffene Gebäude ist vorerst gesperrt.

Sicherheitspersonal im Gebäude wurde aufgestockt

Laut Klockhaus wurde wegen des Vorfalls das Personal des Sicherheitsdienstes aufgestockt. „Es wird versucht, durch das zusätzliche Personal die Flure zu sichern, um weite Teile der Unterkunft im Auge behalten zu können. Präventiv werden selbstverständlich alle neu ankommenden Bewohner über die Hausordnung aufgeklärt und es wird auch nochmal erneute Belehrungen zum Thema Sicherheit geben.“ Die Anzahl der Mitarbeiter von Betreuungsverband und Sicherheitsdienst ergebe sich aus einem festgelegten Personalschlüssel. „Wie Sie sich vorstellen können, gibt es keine 1:1-Relation. Es erfolgen natürlich Kontrollgänge durch das Sicherheitspersonal aber die Bewohner sind keine ‘Gefangenen’,“ und können sich frei im und um die Einrichtung bewegen.

Zufällig steht ein Besuch der Bezirksregierung in Weeze an, die Träger der Einrichtung ist. Da werde es nicht nur um künftige Baupläne gehen, sondern auch um Betreuung und Leitung und Security, sagt Francken. Stefanie Klockhaus erinnert: „Da der Standort dort für längerfristige Planungen gut geeignet ist, soll dort auf dem gleichen Gelände in anderen Gebäuden eine Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) entstehen. Diese wird gerade durch den Flughafen als Vermieter hergerichtet.“

 
 

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