Mutter Kürvers kochte für alle

Blick in den Verkaufsraum des Schuhhauses Kürvers, das seit 1910 in Kleve ansässig ist.
Blick in den Verkaufsraum des Schuhhauses Kürvers, das seit 1910 in Kleve ansässig ist.
Foto: privat
„Klever Schätze“: Schuhhaus Kürvers ist das älteste Schuhfachgeschäft in Kleve. Es existiert seit 1910. Heute wird es geführt von der Enkelin des Firmengründers.

Kleve..  Alte Bilder zeigen ein schmuckes Geschäft, Gardinen säumen die Schaufenster, das Firmenschild zeigt an: Schuhwarenhaus Joh. Kürvers. Brigitte Kürvers-Will, die Enkelin des Firmengründers, erinnert sich noch gut an ihren Großvater. „Er war Schuhmachermeister und hat auch noch selber Stiefel gemacht und Reparaturen durchgeführt.“ 1910 übernahm er das schon vorher bestehende Schuhhaus Böhmer an der Ecke Kapitelstraße. Das wurde am 7. Oktober 1944 völlig zerbombt, wie ja auch die benachbarte Stiftskirche. In einem Behelfslokal an der Kockstege nahm Johann Kürvers nach dem Krieg den Betrieb wieder auf.

Harte Zeiten, die auch noch eine Weile anhielten. Brigitte Kürvers-Will: „Als alle schon eigene Autos hatten, ist mein Vater immer noch mit dem Fahrrad herumgefahren.“ Ihr Vater Hans Kürvers war schon in Kriegszeiten im Klever Land unterwegs gewesen, um Schuhcreme und andere Dinge zu verkaufen. 1952 errichtete er dann mit seiner Frau Gertrud das Geschäft auf der Hagschen Straße, das sich nach mehreren Umbauten immer noch dort befindet. „Meine Eltern haben immer gearbeitet und sind nie in den Urlaub gefahren“, erzählt Kürvers-Will. Bis zu zehn Angestellte bedienten im Laden, 30 Stühle standen für die Kunden bereit. „Samstags kochte meine Mutter für alle, auch die Angestellten aßen mit“, erinnert sich Kürvers-Will. „Es war wie eine große Familie.“ Sie selbst trat als 16-Jährige ins elterliche Geschäft ein. „Meine Mutter war pädagogisch sehr geschickt“, schmunzelt sie, „denn sie sagte, ich solle auf keinen Fall den Laden übernehmen, weil das viel zu viel Arbeit sei.“ Aber wie es so ist bei der widerspenstigen Jugend: Was sie nicht machen soll, das macht sie gerade deshalb. So übernahm Brigitte Kürvers-Will das Schuhhaus 1985 zum 75-jährigen Jubiläum von ihren Eltern. Verkaufsgeschick hatte sie schon als Dreijährige bewiesen. Da kam sie aus dem Kindergarten und zeigte einer ratlosen Kundin die ihrer Meinung nach perfekten Schuhe für sie. „Und sie hat sie gekauft“, erzählt Kürvers-Will. Zwischen 1994 und 2004 verpachtete sie ihr Geschäft an das Schuhhaus Thissen. Doch dann gründete sie 2004 zusammen mit Marlis Jammers eine GmbH. Die beiden führen heute das älteste Schuhfachgeschäft in Kleve. Kunden aus Düsseldorf, dem Ruhrgebiet und den Niederlanden schätzen die Qualität ihrer Arbeit. „Viele Niederländer verabschieden sich mit Handschlag, weil sie solchen Service gar nicht gewohnt sind“, freut sie sich.

 

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