Mit viel Liebe zum Detail

Clemens Giesen in seiner Werkstatt.
Clemens Giesen in seiner Werkstatt.
Foto: NRZ
Der Klever Restaurator Clemens Giesen saniert sein Elternhaus an der Marktstraße – es wird eine Rekonstruktion eines alten Klever Geschäftshauses

Kleve..  Von der einstigen Metzgerei an der Marktstraße in Kleve ist nicht mehr viel geblieben. Es staubt und dreckt wo sich einst die Wurstwaren in der Auslage befanden. Zwei Bauarbeiter sind damit beschäftigt die letzten Fliesen und den Putz zu entfernen, der Schlaghammer dröhnt durchs ganze Haus und die Verkleidung der alten Holzdecke wurde auch schon heruntergerissen. Mittendrin steht Clemens Giesen und er sieht noch jede Menge Arbeit auf sich zukommen. Doch für den Klever Restaurator ist dieses Haus mehr als nur eine Baustelle – wie es sie derzeit so viele in Kleve gibt. Für Clemens Giesen ist dies eine Herzensangelegenheit: „Das ist mein Elternhaus. Ich kenne hier jede Türklinke, ich weiß wie sich jede Treppenstufe anhört. Ich lebe hier, ich spüre dieses Haus.“

Atmosphäre für die Marktstraße

Clemens Giesen ist in der Welt der Antiquitäten zu Hause und auch sein Elternhaus, welches ursprünglich 1792 errichtet wurde, möchte er wieder nach altem Vorbild zurückbauen. Seit März ist er damit zu Gange, das Hinterhaus an der Marktstraße 8 und die ehemalige Metzgerei zu renovieren. „Ich mache hier etwas Schönes – für mich und für die Stadt Kleve. Ich denke, dass ich dieser Straße wieder ein bisschen Atmosphäre zurückgeben kann“, sagt Giesen stolz. Mit viel Liebe zum Detail soll aus der aktuell unansehnlichen Geschäftsfassade wieder eine schmucke Fassade werden – so wie viele Klever Geschäftshäuser vor dem Krieg einmal ausgesehen haben.

Die ersten Arbeiten hat Giesen bereits abschließen können. Hinter einer grünen Plastikplane versteckt sich ein kleiner Innenhof hinter dem sich seine Werkstatt und ein neugestalteter Ausstellungsraum verbergen. Seit 25 Jahren arbeitet Giesen in diesem Haus, arbeitet Holzmöbel auf, restauriert Bilder und Skulpturen. Sein Elternhaus sei typisch für die Historie der Klever Innenstadt, erzählt er. Früher habe man überall ganz eng gebaut, mit schmalen Häusern, die fast alle einen Innenhof besaßen.

Wo einst die Wurstküche war, hat Giesen nun einen geschmackvollen Ausstellungsraum geschaffen. Alle Wände und Versorgungsleitungen habe er erneuern müssen. Gemeinsam mit Architekt Werner van Ackeren hat er sich Gedanken über die Gestaltung der Hausfassade gemacht. Im Erdgeschoss wird das Haus mit Holz verkleidet und in „Amsterdamer Grün“ geschrichen. Die Haustür wird in die Mitte versetzt, die Etagen darüber werden verputzt und im Dach wird eine Gaube eingearbeitet. „Ich denke, dass diese Fassade ein Hingucker wird“, sagt Giesen. Ende Oktober möchte er gerne den Umbau abschließen.

Von seinem Elternhaus gibt es nur eine Aufnahme, die vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Während einer Fronleichnamsprozession im Jahr 1920 ist beiläufig das Haus zu sehen. Sein Großvater hatte es damals gekauft und sein Vater führte die Metzgerei weiter. Clemens Giesen möchte die künftigen Erdgeschossräume als Ausstellungsfläche nutzen. An die Rentenzeit möchte der 56-Jährige daher noch gar nicht denken: „Ich werde bis zuletzt arbeiten“, sagt er. In diesem Haus fällt das auch leicht.

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