Mit Ideen gegen den Ärztemangel

Die Kliniken im Kreis Kleve investieren zusätzlich in die Ausbildung ihre Personals. Foto: Markus Joosten
Die Kliniken im Kreis Kleve investieren zusätzlich in die Ausbildung ihre Personals. Foto: Markus Joosten
Foto: Markus Joosten
Die Kliniken im Kreis Kleve finanzieren Studiengang für einen neuen Beruf selbst. Kooperation mit der Hochschule Nimwegen.

Kreis Kleve. Um dem Ärztemangel in den Krankenhäusern am Niederrhein zu begegnen, geht der Verbund der Katholischen Kliniken im Kreis Kleve (KKiKK) einen ganz eigenen Weg. Der Verbund will in seinen Kliniken einen neuen Beruf etablieren. Den „Physician Assisant“, ein Masterstudiengang der Hochschule Arnhem/Nijmegen. Voraussetzung hierfür ist allerdings die Akkreditierung des Studienganges in Deutschland. In manchen Ländern ist er bereits ein wichtiger Bestandteil des klinischen Versorgungssystems, in Deutschland steckt die Vorbereitung darauf noch in den Kinderschuhen.

„Wir sind bei der Rekrutierung von Ärzten regional sehr ungünstig aufgestellt“, betrachtet Carl-Heinz Cronenberg, Leiter Personalwesen des Katholischen Klinikverbundes Kreis Kleve , den „drastischen Ärztemangel“. Die Doktoren bleiben lieber an akademischen Krankenhäusern in Ballungszentren (Münster, Düsseldorf). Laut Erhebung des Deutschen Krankenhaus-Instituts bleibt das mindestens bis 2020 so.

Erfahrungen nutzen

Auch dass die Kreis Klever Hospitäler Ärzte im Ausland aktiv anwerben inklusive Bezahlung von Deutsch-Sprachkursen (die NRZ berichtete), hebt das Problem nicht auf. So überlegen die hiesigen Krankenhäuser, den ärztlichen Dienst anders zu verstärken und dafür die Erfahrung von engagierten und fortbildungswilligen Menschen zum Beispiel aus der Funktionspflege zu nutzen. Seit zwei Jahren bereiten die KKiKK das vor.

„Die Niederländer sind hierbei innovativer als wir“, hatte Cronenberg überlegt. Die Hochschule Arnhem-Nijmegen bietet seit 2003 die Ausbildung im Beruf Physician Assistant, dessen Basis ebenfalls in Folge des Ärztemangels in den 60er Jahren zu Zeiten des Vietnamkrieges in den USA entwickelt wurde. Heute qualifiziert das berufsbegleitende Studium für eine Assistenz beispielsweise beim Operationsdienst, auf der Intensivstation, in der Notfallambulanz oder der Dialyse.

Vertreter des Verbundes sahen sich in den Nimweger Krankenhäusern Canisius-Wilhelmina-Ziekenhuis und Radboud-Klinik um und luden dazu auch befreundete Hospitäler vom Niederrhein ein. Sie schauten den Physician Assistants über die Schultern: Was kann der? Und sie fragten diese Medizinassistenten selbst, ob und wie sie im Ärzteteam integriert sind, aus welchen Berufen sie kamen, wie sie akzeptiert werden. Die Ergebnisse waren durchweg positiv.

Cronenberg hat sie inzwischen beim Landes- und beim Bundesgesundheitsministerium vorgetragen. „Der Idealfall wäre, wenn die Hochschule Rhein-Waal in Kleve den Studiengang tragen könnte“.

Studiengang auf Probe

Aber dort hörte Cronenberg die realistische Einschätzung, dass die Hochschule noch nicht so weit sei, berichtet er. Auch Bochum sprang nach erstem Interesse vorerst ab. Bleibt jetzt zu klären, ob für deutsche Studenten die Nimweger Hochschule zumindest in einem – kleinen – Studiengang auf Probe den theoretischen Part der Ausbildung übernehmen kann. Bei der Euregio hatte die KKiKK für den neuen grenzüberschreitenden Studiengang geworben. Letztlich aber wurde eine solche Kooperation abgelehnt.

Aber man gibt trotzdem den Gedanken nicht auf. „Es ist eine Investition in die Zukunft und in die Qualität der Patientenversorgung“, so Cronenberg. Der neue Beruf bekommt Gewicht im Gesundheitswesen. Er solle mit dafür sorgen, „dass man dem Patienten noch näher kommt.“

Der Arzt könne sich dank des neuen medizinischen Assistenten stärker auf seine Kernaufgaben konzentrieren. Nützlich sei, so schlussfolgern die deutschen Besucher der Nimweger Kliniken, wenn die Physician Assisants nach der Ausbildung mit mehr Verantwortung in ihren angestammten Tätigkeitsbereich zurück kehrten. Das St. Antonius-Hospital beschäftigt übrigens bereits zur Entlastung der Ärzte einen Codier-Assistenten und Arztsekretärinnen.

 
 

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