Mit den Verrätern im Bunde

Andreas Gebbink
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Ein Brief des bayrischen Königs Ludwig II. belegt nun zweifelsfrei, dass er nicht geisteskrank war. Der Klever Nervenarzt Bernhard von Gudden war Teil einer hinterlistigen Verschwörung

Kleve.  War der Klever Nervenarzt und „Königliche Obermedizinalrat“ Bernhard von Gudden Teil einer Verschwörung gegen den bayrischen Märchenkönig Ludwig II.? Ein Brief des Königs an seinen Vetter Prinz Ludwig Ferdinand, den er drei Tage vor seinem mysteriösen Tod am 10. Juni 1886 geschrieben hatte, legt auf jeden Fall nahe, dass die Diagnose des Klever Nervenarztes falsch war. Von Gudden hatte dem bayrischen König damals eine unheilbare Geisteskrankheit bescheinigt, eine Paranoia. Der Brief von Ludwig an Vetter Ludwig-Ferdinand lässt nicht darauf schließen, dass Ludwig verrückt gewesen ist – im Gegenteil. Gestern hatte die Süddeutsche Zeitung den Brief veröffentlicht, der jetzt vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds erworben wurde.

Ludwig II. beklagte sich in dem Brief über die Verschwörung, die gegen ihn im Gange sei. Er verdächtigte seinen Onkel, Prinz Luitpold, gegen ihn zu opponieren. Auch ärgerte sich Ludwig darüber, dass man ihm eine Krankheit andichten wolle: „Es ist zu arg. Es muß Licht in diesen Abgrund von Bosheit kommen!“

„Abgrund von Bosheit“

Für Historiker Gerhard Immler, Archivleiter des bayrischen Hauptstaatsarchivs in München, sind Ludwigs Zeilen ein Beweis dafür, dass er von Ministern und Familienmitgliedern bewusst aus dem Amt getrieben wurde. Der Klever Nervenarzt Bernhard von Gudden spielte dabei eine entscheidende Rolle. Gudden leitete eine Regierungskommission, die dem König die Geisteskrankheit attestierte. Von Gudden soll den König auch schon deshalb für geisteskrank gehalten haben, weil dieser eine Seilbahn über den nahe bei Schloss Neuschwanstein gelegenen Alpsee anlegen lassen wollte. Den Befund stellte Bernhard von Gudden übrigens per Ferndiagnose. Eine Untersuchung hielt er für nicht notwendig, da das Aktenmaterial bereits ausreichend sei.

Der jetzt veröffentlichte Brief ist für Gerhard Immler historisch eine kleine Sensation. Der Inhalt belege zweifelsfrei, dass der König kurz vor dem Tod die Ankunft der Staatskommission, die ihm seine Entmündigung mitteilen sollte, als einen Verrat erkannt hatte.

Bernhard Gudden wurde übrigens am 7. Juni 1824 als dritter von sieben Söhnen des Bierbrauers Johann Jacob Gudden und seiner Ehefrau Johanna Bernhardina Sophia geb. Fritzen in der Klosterstraße in Kleve (heute: An der Münze) geboren.Nach seiner Schulzeit in Kleve studierte er Medizin in Bonn, Berlin und Halle.