Mikado für Bagger

Oliver Latussek nimmt mit dem Bagger den Schwimmbad-Eingang mit Kassenhäuschen auseinander, links Kollege Serdar Kundag.
Oliver Latussek nimmt mit dem Bagger den Schwimmbad-Eingang mit Kassenhäuschen auseinander, links Kollege Serdar Kundag.
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Abbrucharbeiten am Freibad Sternbusch laufen. Die Umkleidekabinen sind abgerissen, an ihrer Stelle wird ab Frühjahr das Hallenbad gebaut. Eröffnung 2018

Kleve.  Das ist Mikado für Fortgeschrittene. Baggerfahrer Oliver Latussek pickt mit den Zinken des Abbruchgreifers Balken für Balken und legt sie säuberlich auf Stapel. Holz dahin, Holzteile mit Resten von Klebstoffen dort zur Verbrennung, Zink hier und Eisengitter zur Verwertung da. Lupenrein sortiert. Was er mit den riesigen Dachpappe-Fächen anstellt, ist wahres Baustellen-Origami, so geschickt faltet er die schwarze Dachhaut zusammen. Bald liegt der ganze Eingangsbereich des Klever Sternbuschbades am Boden. Kollege Serdar Kundag fegt derweil die Kleinteile zusammen, damit der Raupenbagger freie Bahn zum Tuckern hat – hin und her zu den Steinhaufen, Schutthalden und orangefarbenen Restmüll-Containern, in denen Plastik, Styropor und ähnliches landen.

Seit zwei Wochen ist die Bielefelder Fachfirma Hagedorn Am Freudenberg mit durchschnittlich zehn Mann aktiv, um das „Sterni“ zu verwandeln, schildert Bauleiter Christian Kretschmer. Die Stadtwerke als Bauherren kommen zwar nicht täglich, aber immer wieder zu Baustellengesprächen vor Ort, sagen Jürgen Kahl, Prokurist bei den Stadtwerken, und Heinz Waskowiak, bei den Stadtwerken der verantwortliche Kombibad-Experte.

Schadstoffe wie Leuchtstoffröhren, Mineralwolle und Asbest aus der Außenverkleidung wurden fachmännisch entsorgt. Jetzt knabbert der Sortiergreifer des Baggers am früheren Kassenhäuschen, deckt das Dach in riesigen Lappen ab, packt sich die grüne Innenkabine und zupft den Fensterrahmen heraus. Als nächstes sind Personalräume und Wärmehalle dran. An ihre Stelle werden zusätzliche Umkleidekabinen errichtet werden.

Edelstahlbecken

Der bisherige Umkleide-Trakt ist schon zu großen weißen Stein-Bergen getürmt. An seinem Platz wird ab diesem Frühjahr schon das künftige Hallenbad Gestalt annehmen. Es bekommt einen Keller, in dem die ganze Technik des Kombi-Bades für Hallen- und Freibadbereich Platz finden wird. nue Verrohrung führt zu den Becken. „Der Erdaushub wird zum Verfüllen der Becken genutzt werden“ schildert Kretschmer. Denn eines der Freibad-Becken wird man sich sparen. In die anderen verbleibenden werden Edelstahl-Becken eingehängt, etwas kleiner als die bisherigen Schwimm- und Plantsch-Bereiche, also ringsum auch mit den gefahrlos-sandigen Erden aus dieser Endmoräne-Zone zu füllen.

Wie berichtet, bringen die neuen Edelstahlbecken den Vorteil, dass nicht mehr jährlich die blauen Fliesen saniert werden müssen, weswegen bisher das Bad erst nach den letzten Frösten nach den Osterferien geöffnet werden konnte. Nein, künftig gibt es ein Ganzjahresaußenbecken und das Kombi-Bad wird – wie der Name sagt – wetterunabhängig kombiniert mit dem neuen Hallenbadbau.

Draußen bleiben der Kleinkindbereich, ein Sprungbecken – ein, drei, fünf Meter –, ein Nichtschwimmerbecken mit der 18 Meter langen Wellenrutsche und das neue Schwimmerbecken, das variabel mal mit fünf 25-Meter-Bahnen und einem Strömungskanal oder bei Bedarf zu drei 50-m-Bahnen aufgeteilt wird. Es wird dort zwar keine amtlichen Wettkämpfe, aber Vergleichswettbewerbe geben, schätzt Heinz Waskowiak ein.

Zum neuen großen Hallenbad gehören ein öffentliches 25-m-Schwimmbecken mit größerem, attraktivem Kleinkindbereich, besagtes Ganzjahresaußenbecken sowie zusätzlich in abtrennbaren Bereichen ein 25-m-Sportbecken mit einer Ein-Meter- und Drei-Meter-Sprunganlage sowie ein weiteres Kursbecken mit variablem Hubboden. „Der Gast kann bei mäßigem Wetter überlegen, ob er raus oder rein gehen will“, sagt Waskowiak.

Längere Öffnungszeiten

. „Für die Allgemeinheit gibt es viel umfangreichere Öffnungszeiten, weil Schul- und Vereinssport ein eigenes Becken haben“. Was das bisherige, renovierugnsbedürftige Hallenbad am Königsgarten nicht bot. Das Hallenbad wird auch in den Sommerferien zukünftig nicht mehr geschlossen werden. „Das ist ein gewisser Luxus“, freut sich Waskowiak. Er weiß: „In der Sommersaison gibt es um die 25 Tage, an denen das Bad mit Tausenden deutschen und niederländischen Besuchern gefüllt ist“, die anderen Tage des Jahres sind niederrheinisches Risiko. Kleve will im Frühjahr 2018 seine sichere Lösung dafür eröffnen.

 
 

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