Manches Bild blieb ungemalt

Josef Mooren im Wohnzimmer mit einer Malerpalette im Jahre 1975.
Josef Mooren im Wohnzimmer mit einer Malerpalette im Jahre 1975.
Foto: privat
Der Klever Kunstmaler und Restaurator Josef Mooren starb 1987 im Alter von 102 Jahren.

Kleve..  Josef Mooren wurde vor fast 130 Jahren am Hasenberg geboren, als das älteste von vier Kindern des Landbriefträgers Johann Mooren. Dessen große Leidenschaft galt Antiquitäten und Gemälden. So machte Josef Mooren schon früh Bekanntschaft mit der Kunst. Er war der beste Zeichner seiner Schulklasse, direkt nach der Schulzeit wurde er 1899 Lehrling im Bildhaueratelier Karl Pelzer. Einen weiten Weg zur Arbeit hatte der junge Mooren wohl nicht, denn das Atelier Pelzer lag ebenfalls am Hasenberg. Hier lernte er Schnitzen und Modellieren.

Wegen eines doppelten Leistenbruchs konnte er den körperlich anspruchsvollen Beruf des Bildhauers jedoch nicht ausüben. Sein Arzt meinte, dass er aufgrund seiner schwachen Statur sowieso nicht alt werden würde. Josef Mooren zog es aber ohnehin eher zur Malerei und so wechselte er 1902 in Koekkoeks Belvedere, wo der Klever Kirchenmaler Heinrich Lamers sein Atelier hatte. Hier erlernte er die Malerei. Während seiner Lehrzeit war er einige Wochen in der bekannten Werkstatt Langenberg in Goch tätig und - als die Auftragslage bei Lamers mal nicht so gut war - bei dessen Bruder Gerhard Lamers in Münster.

Neben kirchlicher Kunst entstanden hier auch riesige Wandgemälde für Hotels, Kinos und Cafés. Bald galt Josef Mooren als Spezialist für Landschaftshintergründe und für Restaurierungen. Trotz einer 60-Stunden-Woche muss aber immer noch Zeit für kleine Späße gewesen sein, so zog er schon mal mit seinen Freunden los und hängte Gartentürchen und Fensterläden aus, um sie an anderer Stelle wieder einzuhängen.

Im Ersten Weltkrieg wurde Josef Mooren zum Kriegsdienst eingezogen. In Frankreich zog er sich eine Wunde zu, die ihn sein Leben lang zeichnete: eine Gewehrkugel traf die rechte Wange, durchschlug oberhalb des Gaumens den Oberkiefer und trat an der linken Wange wieder heraus.

Nach dem Krieg gab es im Atelier Lamers kaum noch Arbeit, Mooren wurde Mitarbeiter bei Anton Federlé, der sich als Dekorationsmaler an der Waldstraße niedergelassen hatte. 1919 heiratete er Maria Trepmann aus Kleve. Eine kleine Tochter starb dreijährig, der Sohn Hans fiel im Zweiten Weltkrieg. Der jüngste Sohn Willi lebte zeitlebens in Kleve. Viele Aufträge kamen aus Holland und wurden in Gulden bezahlt. Mooren erzählte einmal, dass er von dem, was er dort in einer Stunde verdiente, seine Familie in Deutschland fast die ganze Woche ernähren konnte.

Sprung in die Selbstständigkeit

Anfang der 20er-Jahre wandte sich Mooren mehr der Landschaftsmalerei zu und machte sich selbstständig. Schon bei Lamers hatte er den aus Düsseldorf stammenden Tiermaler Albert Reibmayr kennen gelernt. Reibmayr ließ sich, wegen der großen Nachfrage seiner Gemälde, die landschaftlichen Hintergründe in seinen Bildern oft von Mooren malen. Zeitweise hatten Reibmayr und Mooren eine Kunsthandlung an der Hagschen Straße. Seinen täglichen Lebensunterhalt bestritt Josef Mooren nicht nur mit der Malerei und dem Kunsthandel, sondern auch mit Restaurierungsarbeiten. 1934 war er Mitbegründer des Vereins „Niederrheinische Künstlergilde Profil“, dem zehn Jahre später schon 28 Künstlerkollegen angehörten. Der Verein organisierte zahlreiche Verkaufsausstellungen. Im Zweiten Weltkrieg war Mooren aufgrund seines Alters nicht zum Kriegsdienst herangezogen worden, er blieb in Kleve und hatte zusehen müssen, wie sein Atelier, sein Wohnhaus und fast all seine Werke zerstört wurden.

Langsam zog der Alltag wieder ein und Mooren begann wieder zu malen. Natürlich wollte in dieser Zeit keiner Bilder kaufen. Aber Mooren konnte sich mit dem Restaurieren von Bildern und mit Reklamemalerei über Wasser halten. Die gemeinsamen Ausstellungen mit Künstlerkollegen begannen ebenfalls schon kurz nach dem Krieg, dazu war - wiederum mit Beteiligung Moorens - der „Niederrheinische Künstlerbund“ als Nachfolger der Künstlergilde Profil aus der Taufe gehoben worden.

Ausstellung im Haus Koekkoek

Ab den 50er-Jahren waren Moorens Bilder sehr gefragt. Er hatte seinen eigenen Stil gefunden, seine Bilder entstanden oft direkt in der freien Natur, mal mit Pinsel und Spachtel, mal als Kreidezeichnungen. Zum 75. Geburtstag 1960 hatte er eine Ausstellung mit 60 Gemälden, es war die erste Kunstausstellung im 1958 eröffneten städtischen Museum Haus Koekkoek. Maler Bernd Schulte schloss seine Eröffnungsrede mit den Worten, dass manches Bild ungemalt geblieben sei, weil Mooren oft seine Zeit geopfert habe, um seinen Malerkollegen zu helfen. Wegen seiner nachlassenden Sehkraft malte er sein letztes Bild mit 92 Jahren.

 
 

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