„Man wächst da rein“

Silke Imig-Gerold mag Bücher und Blumen – und Vollmilchschokolade.
Silke Imig-Gerold mag Bücher und Blumen – und Vollmilchschokolade.
Foto: WAZ FotoPool
Silke Imig-Gerold lebt für ihr Hobby: das Gärtnern. Zum Sklaven ihrerBlütenträume möchte sie sich allerdings nicht machen lassen

Bedburg-Hau..  Niemand wird vom Hof gejagt, sagt Silke Imig-Gerold, die sich für ihren offenen Bauerngarten weder eine Wühlmausepidemie noch Stürme wünscht. Menschen, die sich für ihren Blumengarten interessieren, sind stets willkommen. In einem der Bücherschränke von Silke Imig-Gerold fällt der Buchtitel „Frauen, die schreiben, leben gefährlich“ ins Auge. Auf die Frage, ob das was sie tut, nämlich gärtnern, auch gefährlich ist, antwortet sie: „Es ist gefährlich, aber nur für den Geldbeutel. Wenn ich im Herbst schwach werde und ein paar Tausend Tulpenzwiebel bestelle, sind schnell einige Hundert Euro ausgegeben.“

Das gemütliche, mit alten Holzschränken ausgestattete Wohnzimmer – der frühere Kuhstall – erlaubt zwei Blickrichtungen in einen Blumengarten, der weit über die Grenzen des Niederrheins hinaus bekannt ist und bei Gartenfans einen ausgezeichneten Ruf genießt. Gemeinsam mit ihrer Mutter Elisabeth Imig, die den Nutzgarten unterhält, steckt Silke Imig-Gerold viel Phantasie, Zeit und Finanzen in ihr Hobby namens „Offene Gartenpforte“.

Der Lohn der Gartenarbeit findet sich im Sommer rund ums Haus, wenn alles blüht und im prachtvollen Farbenmeer erstrahlt. Was tut eine Gärtnerin wie Silke Imig-Gerold jedoch im Winter, wenn die Pflanzen wie auf immer abgestorben die Köpfe hängen lassen und der graue Himmel keine wohltuenden Seufzer verspricht? „Ausruhen und nichts tun“, sagt sie, die sich in der Winterzeit sportlich betätigt und Schränke aufräumt und Räume entrümpelt. „Und Schlaf nachholen und für die nächste Saison vorholen.“ Der Garten bleibt im Winter sich selbst überlassen und es gibt Ecken und Plätze, die in dieser Zeit überhaupt nicht betreten werden. Im Gegensatz zu anderen Gärtner wird bei Imig-Gerold im Herbst der Garten „nicht clean gemacht. Wir lassen alles stehen, darüber freuen sich die Insekten und Vögel.“

Die Idee zu diesem Garten entwickelte sich aus einer langen Familientradition, Oma und Uroma besaßen große Gärten und verkauften die Blumen auf Märkten. Der Anstoß, den heute mehr als 3000 qm großen Garten aufzubauen, kam von den Gartenliebhabern Manfred Lucenz und Klaus Bender aus Schneppenbaum. Der Teich und die Terrassen waren damals bereits vorhanden, Schritt für Schritt eroberte der Garten durch menschliche Handarbeit die zuvor bauernhofmäßig genutzte Fläche.

Zum Sklaven des eigenen Gartens hat sich die gelernte Bankkauffrau und heute in einer privaten Liegenschaftsverwaltung tätige Silke Imig-Gerold nie gemacht. „Ich nehme mir meine Freizeit.“ Dann greift sie auch mal gerne zur Vollmilchschokolade und vergräbt ihre Nase in Bücher des englischen Autorenduos Annie Sanders und des bayerischen Schriftstellergespanns Volker Klüpfel und Michael Kobr.

Mutter und Tochter besuchten vor wenigen Tagen die „Internationale Pflanzenmesse“ in Essen. „Profis sind wir beide nicht“, sagt Silke Imig-Gerold, „alles haben wir selbst, ohne Gärtner, angelegt.“ Nach dem Umbau des Bauernhofes begann die Gestaltung des Gartens mit wenigen Stauden aus Mutters Refugium. „Man wächst da rein“, sagt Silke Imig-Gerold.

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