Lange Wartezeiten für Augenarzt-Termine im Kreis Kleve

Mehrere Augenarztpraxen in Kleve sind in den nächsten Monaten ausgebucht und haben einen Aufnahmestopp.
Mehrere Augenarztpraxen in Kleve sind in den nächsten Monaten ausgebucht und haben einen Aufnahmestopp.
Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool
Im Kreis Kleve warten Patienten bisweilen Monate auf ein Gespräch beim Augenarzt. In den nächsten Jahren wird sich die Situation noch verschlechtern.

Kreis Kleve.  Wer in der Nacht oder am Wochenende Probleme mit seinen Augen hat, muss eine kleine Reise antreten. Denn im ganzen Kreis Kleve gibt es kein Krankenhaus mit einer Fachabteilung für Augenkrankheiten. „Wir haben dafür keinen Versorgungsauftrag“, erklärt Stefanie Hamm, Pressesprecherin des Katholischen Karl-Leisner Klinikums. Die Voraussetzung dafür wäre die Aufnahme einer entsprechenden Abteilung in den Feststellungsbescheid des Krankenhauses. „Hierfür ist letztlich die Zustimmung des Landesministeriums erforderlich“, so Hamm. Fakt sei, dass ein solcher Auftrag nicht vorliege. Also müsse man Patienten verweisen.

Was bedeutet, dass sie in die nächsten Kliniken fahren müssen, die die Voraussetzungen für eine stationäre augenärztliche Behandlung erfüllen: also nach Krefeld oder Duisburg.

„Kaum Probleme damit“, registriert Pascal Wieners, bei der AOK Leiter der Stabsstelle Medizinische Versorgung im Kreis Kleve. „Kleinigkeiten werden vom normalen ärztlichen Dienst übernommen“, weiß er aus Gesprächen mit Patienten. An einen akuten Notfall könne er sich nicht erinnern. „Das Thema ambulante Operation ist da eher ein Problem“, so Wieners. Es gebe zu wenige Augenärzte im Kreis Kleve.

Aufnahmestopp für neue Patienten

„Auch wenn nach der Bedarfsrechnung kein Sitz für einen Facharzt frei ist.“ Ein Augenarzt, der sich in der Region niederlassen wolle, hätte es nicht leicht. Dabei bekommt allein die AOK fünf bis sechs Patientenanfragen in der Woche für einen schnelleren Termin. Schließlich beträgt die Wartezeit nach dem sogenannten Statusbericht „Ambulante ärztliche Versorgung im Kreis Kleve“ für Augenärzte derzeit drei und zwölf Monaten. Mehrere Praxen haben einen Aufnahmestopp.

Das bestätigt auf Nachfrage ein in Kleve praktizierender Augenarzt. „Wir nehmen derzeit keine neuen Patienten mehr an, Termine haben wir erst im September wieder.“ Akute Fälle seien davon natürlich ausgenommen. Erschwert werde die Situation durch den Verlust einer Kollegin in Goch.

Nach der für ganz Deutschland vom Gesundheitsausschuss in Berlin erstellten „Bedarfsplanung“ ist der Kreis Kleve mit 16 niedergelassenen Augenärzten zu 100 Prozent versorgt. Dafür gilt für jede Facharztgruppe eine festgelegte Einwohnerzahl pro Arzt. Die Verteilung innerhalb des Kreises ist sehr unterschiedlich. Während es in Kleve fünf Augenärzte in vier Praxen gibt, hat Goch nur noch einen Facharzt, der auch für die umliegenden Kommunen wie etwa Uedem zuständig ist. Dort wie auch in Kevelaer, Kranenburg oder Rheurdt hat man keine eigenen Augenärzte. Die Erhebung stammt aus dem Jahr 1990. Danach war jeder Augenarzt im Kreis Kleve für 23 298 Einwohner zuständig.

Kreis Kleve ist unbeliebt

Diese Zahl korrigiert Hans-Jürgen Doerwald, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO), mit 21 493 leicht nach unten. Dennoch ist die Perspektive wenig vielversprechend: Denn, so Doerwald, der Kreis Kleve sei bei Fachärzten nicht sehr beliebt. „Es ist ihnen freigestellt, wo sie sich niederlassen.“ Rein rechtlich sei das nicht zu ändern. „Es geht immer nur um die freien Plätze in der Region.“ Hinzu kommt die Altersstruktur: Der jüngste praktizierende Facharzt ist 49 Jahre alt, der älteste immerhin schon 68. Nach dem Versorgungsreport fehlen dem Kreis Kleve im Jahr 2030 sieben Augenärzte.

Doerwald, selbst niedergelassener Allgemeinmediziner, empfiehlt Patienten sich an die bestehenden Strukturen zu halten. Natürlich werde jeder echte Notfall sofort behandelt, aber man sollte immer überlegen, „ob man wirklich zum Augenarzt muss oder nicht“. Jeder der 16 Kreis Klever Augenärzte übernimmt 23 Notdienste im Jahr und ist an diesen Tagen bis 23 Uhr in Bereitschaft. Wer jeweils im Dienst ist, können Patienten über die Zentrale Nummer in Duisburg erfragen.

„Die Bedarfsplanung ist nicht auf jede einzelne Region zugeschnitten“, bestätigt auch Pascal Wieners. Die Situation sei besser geworden, aber sicher nicht ideal. Und: „Nehmen Sie die Kardiologen als Beispiel (im Kreis Kleve gibt es nur zwei niedergelassene): „Menschen in Ostdeutschland müssen für einen Besuch beim Kardiologen 80 bis 90 Kilometer zurücklegen.“ Ähnlich wie bei den Hausärzten gelte, dass Augenärzte nicht ohne weiteres in die Region zu bekommen wären, so Wieners. „Für die Zulassung ist die KVNO zuständig.“ Natürlich seien Sonderzulassungen möglich, „die müssen aber gut begründet werden“. ‘Gute Gründe’ wären doch vielleicht lange Wartezeiten auf Termine...

 
 

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