Kreis Kleve protestiert gegen Frackingpläne der Niederlande

Der Kreis Kleve stemmt sich gegen die niederländischen Pläne, im Grenzgebiet nach Schiefergas zu suchen.
Der Kreis Kleve stemmt sich gegen die niederländischen Pläne, im Grenzgebiet nach Schiefergas zu suchen.
Foto: dpa
Das Vorhaben der niederländischen Regierung, in der Grenzregion nach Schiefergas zu suchen, stößt im Kreis Kleve auf eine breite Ablehnung. Der Kreistag in Kleve hatte sich wegen der Umweltrisiken bereits 2012 eindeutig gegen die Anwendung dieser Technologie ausgesprochen.

Kreis Kleve.  Der erste Satz spricht bereits Bände. Wer auf der Internetseite der niederländischen Regierungspartei VVD nach dem Stichwort „Schiefergas“ sucht, der kann dort lesen: „Erdgas spielt eine wichtige Rolle in unserer Energiebereitstellung und spielt dem Staat viel Geld ein.“ Und Schiefergas sei Erdgas, wie man dies bereits seit 60 Jahren in den Niederlanden gewinne. „Nach Auffassung der VVD kann Schiefergas gewonnen werden, wenn dies sicher ist und die Risiken beherrschbar sind.“

Solche Sätze stoßen im Kreis Kleve auf eine breite Ablehnung. Die Behörden im Kreis Kleve befürchten eine Gefahr für die Qualität des Grundwassers. Denn die so genannten Fracking-Methode, die für die Gewinnung von Schiefergas im tiefen Erdreich notwendig ist, sei aufgrund der befürchteten Umweltprobleme (Verunreinigung des Grundwassers, Vegetationsschäden und Erdbebengefahr) höchst umstritten, warnt etwa Joachim Janßen, Fraktionschef der CDU in Kranenburg.

Der Schutz des Trinkwassers steht im Vordergrund

In den Niederlanden denkt man offenbar weniger kategorisch über das Fracking nach: Am 28. Mai hat der Wirtschaftsminister Henk Kamp das vorbereitende Verfahren zur Ermittlung von Schiefergasvorkommen in den Niederlanden eingeleitet. In einem ersten Schritt möchte der VVD-Minister klären lassen, unter welchen Umständen Schiefergas gewonnen werden kann und welche Gefahren sich durch die Fracking-Methode für Mensch und Umwelt ergeben.

Ausgeschlossen werden Gebiete, die der Trinkwasserversorgung dienen, Wohnbaugebiete und Gebiete, in denen eine spätere Genehmigung fast aussichtslos erscheint – etwas die europäisch geschützen Natura 2000-Gebiete. Grundsätzlich wird das Fracking aber in die Energiestrategie der Zukunft einbezogen. In einer begleitenden Untersuchung gab Kamp im April 2014 bereits den Auftrag, innovative Techniken zur „Minimierung des Restrisikos durch Fracking“ zu erforschen.

Kleves Stadtwerkechef Rolf Hoffmann schaut skeptisch über die Grenze: „Wir hüten unser Trinkwasservorkommen im Reichswald wie einen Schatz“, sagt er. Welche Gefahren dies mit sich bringe könne er noch nicht sagen: „Was wir benötigen ist eine Untersuchung der hydrologischen Verhältnisse.“ Um die Frage zu beantworten: In welche Richtung fließt das Grundwasser?

Kommunen prüfen Beteiligung an den Verfahren

Zurzeit werde geprüft, ob man sich an dem niederländischen Verfahren beteiligen soll. In erster Linie seien aber Kreis und Land verantwortlich. Vom Kreis Kleve ist zu hören, dass man bereits für die Öffentlichkeitsbeteiligung eine Stellungnahme erarbeite. Die Kreisverwaltung werde die Fracking-Pläne im niederländischen Grenzgebiet „strikt ablehnen“.

Der Kreistag habe sich wegen der Umweltrisiken bereits 2012 eindeutig gegen die Anwendung der Frackingtechnologie im Kreis Kleve ausgesprochen, teilt die Verwaltung schriftlich mit. Der Schutz des Grund- und Trinkswassers stehe vor wirtschaftlichen Interessen.

In Kranenburg wird sich der neue Rat am Donnerstag mit der Thematik Schiefgas in den Niederlanden beschäftigen. Die Verwaltung ist sich bereits ziemlich sicher, dass sie eine ablehnende Stellungnahme abgeben wird. Bürgermeister Günter Steins wurde am Dienstag offiziell von den niederländischen Behörden infomiert: „Für uns steht dabei eine Menge auf dem Spiel“, so Steins.

 
 

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