Krasse Aufklärung mit roter Hose

Foto: Fremdbild

Kreis Kleve..  Die Geschichte der gebürtigen Kleverin Petra Thomas ist keine traurige – trotz der Diagnose Darmkrebs. Sie lässt andere daran teil haben, weil sie möchte, das Menschen in ähnlicher Situation nicht so lange mit einem Arztbesuch warten, wie sie. Sie ist ein fröhlicher Mensch. Eine Macherin. „Meine Mutter erinnert sich noch gut an meinen ersten Satz nach der Diagnose im vergangenen Sommer: ‘Da muss ich was draus machen.’“ Typisch für die zierliche Frau, 31, IT-Projektleiterin in Berlin. „Bloß nicht still sitzen und abwarten. Ich habe viele Länder bereist, gute Jobs gemacht. Ich will jetzt zwar nicht die Welt retten, aber ich will aus meiner Situation machen, was möglich ist.“

Frech und provokant

Und möglich ist es, andere Menschen über Darmkrebs und die Vorsorge aufzuklären. Mit der erst vor zwei Monaten von ihr gegründeten Initiative „Rote Hose“. Auf ihrer Homepage (rote-hose.org) klärt sie auf, mit Plakataktionen, Fotoshootings und mehr. „Guerilla-Marketing“, sagt sie. Krass, kurzweilig, frech und provokant.

Weder im persönlichen Gespräch noch auf der Homepage nimmt sie ein Blatt vor den Mund. Spricht über das „böse D-Wort“ (Darmspiegelung) und klärt darüber auf. Nimmt dadurch Ängste, Scheu und Ekel. Sie will, dass die Menschen sich mit dem Thema auseinander setzen, die fünf Anzeichen erlernen, die einen zur Darmspiegelung zwingen sollten: Blut/Schleim im Stuhl, starker Stuhldrang, Stuhl regelmäßig dünn, Verstopfung/Durchfall, Bauchkrämpfe.

Hätte sie früher davon erfahren, hätte sie jetzt keine Chemo. „Als ich im Oktober 2012 Blut im Stuhl bemerkte, hätte ich nie an Darmkrebs gedacht. Schließlich lebe ich sehr gesund, esse vernünftig, mache viel Sport. Mir konnte das doch nicht passieren.“

Das dachte dann auch der Arzt, dem sie sich erst drei Monate später anvertraute und der keine Darmspiegelung veranlasste. „Diagnose Hämorrhoide. Da war ich froh“, gibt sie zu. Und lebte ihr Leben weiter, heiratete im Juli 2013. Nach dem Honey-Moon kamen die Bauchkrämpfe und dann endlich die Darmspiegelung. Diagnose: Krebs im Enddarm, 3. Stadium. Da kreisen dann viele Fragen im Kopf: Habe ich noch eine Zukunft, kann ich weiter arbeiten, muss ich sterben, werde ich gesund usw. Und für den Rest des Lebens bleibt die Unsicherheit: Bekomme ich einen Rückfall?

Petra Thomas, geborene Sinke, ging es an, wie eine Projektleiterin sowas angeht: Planen. Oder wie sie es auf ihrer Homepage schreibt: „Luft holen, umplanen, Schritt für Schritt die neue Parallelwelt meistern, nicht den Mut verlieren und die heile Welt nicht aus den Augen verlieren! Und zwischenzeitlich auch mal gepflegt fallen lassen, um wieder Platz zu schaffen, für noch mehr Tapferkeit.“

Früh erkannt – gut heilbar

Die auch ihr Mann und ihre Familie an den Tag legt und sie sehr unterstützt. Auch hier traf alle die Nachricht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Krebs, Darmkrebs ist genetisch in der Familie Sinke nicht angelegt. Da hat man nie drüber nachgedacht.

Seit Mitte 2013 wird gekämpft. „Ein Schritt nach dem anderen“, betont Thomas. Erst Chemo und Bestrahlung um den Tumor zu verkleinern. Dann die große OP, die gut verlief. Dann postoperative Chemo und letztendlich wird noch die Rückverlegung des künstlichen Darmausgangs folgen. „Im Juni werde ich wieder arbeiten“, betont Petra Thomas. Und man glaubt es dieser sympathischen Power-Frau sofort.

„Wer früh eine Spiegelung machen lässt, dem kann das alles erspart werden“, weiß sie. Darmkrebs gehört früh erkannt zu den Krebsarten, die sehr gut heilbar sind. Darum sucht sie weitere Mitstreiter, die sich der Initiative „Rote Hose“ anschließen und für die Darmvorsorge auf freche, witzige und eindringliche Weise kämpfen.

 
 

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