Klever Kreis-Politiker sind Opfer von Identitätsdiebstahl

Im Kreis Kleve mehren sich die Fälle von Identitätsdiebstahl im Internet: Betrüger kaufen und verkaufen unter einem anderen Namen.
Im Kreis Kleve mehren sich die Fälle von Identitätsdiebstahl im Internet: Betrüger kaufen und verkaufen unter einem anderen Namen.
Foto: picture alliance / dpa
Vier Mitglieder des Kreistages sind Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden. Ein Fremder verkaufte in ihrem Namen Waren. Zufall – oder politisch motiviert?

Kreis Kleve. Das Strafverfahren gegen Tim Reuter läuft immer noch. Dem Kreistags-Mitglied der Piratenpartei wird zur Last gelegt, dass er am 12. November 2015 auf einem bekannten Auktionsportal Black- und Death-Metal-Schallplatten verkauft haben soll, ohne diese zu liefern.

„Es geht um einen Betrag in Höhe von 220 Euro“, erzählt Reuter, der bei der Polizei selbst eine Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt hat. Tim Reuter ist Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden. Eine fremde Person hat mit seinem Namen, Adresse und Telefonnummer ein Online-Konto bei einem Auktionsportal eröffnet und in seinem Namen Waren verkauft.

Heinricks vermutet eine bewusste Attacke

Tim Reuter dachte zunächst an „normale Kriminalität“. Doch wie sich jetzt herausstellt, haben bereits vier Mitglieder des Kreistages innerhalb eines halben Jahres ähnliche Probleme gehabt. Auch Andrea Kreutzmann (SPD), Michael Heinricks (UKF) und Dr. Helmut Prior waren ebenfalls Opfer eines Identitätsdiebstahls. Für Tim Reuter ist das kein Zufall mehr, sondern er vermutet eine politisch motivierte Absicht.

Das sieht auch Michael Heinricks so. Auch ihm wurde vorgeworfen, Schallplatten veräußert zu haben. Bei seinen Nachforschungen kam heraus, dass eine Person aus Neukirchen-Vluyn hinter dem Identitätsdiebstahl stecken soll. Heinricks erstattete Anzeige bei der Polizei in Geldern – „danach habe ich nichts mehr gehört“, erzählt er. Da die Person der rechten Szene zuzuordnen ist, vermutet Heinricks eine bewusste Attacke. „Es liegt schon nahe, dass man sich bewusst Kreistagsmitglieder ausgesucht hat“, so Tim Reuter.

Ernsthafte Konsequenzen für Kreistagsmitglieder

Denn für die betroffenen Kreistags-Mitglieder hat der Identitätsdiebstahl ernsthafte Konsequenzen. Gegen Tim Reuter liegt eine Strafanzeige wegen Betrugs vor und auch Andrea Kreutzmann musste sich mit vier Strafanzeigen gegen ihre Person herumschlagen. Die Chefarzt-Sekretärin aus Geldern ging allerdings ganz gelassen damit um: „Ich habe im Internet kein Konto, somit komme ich als Verkäuferin auch gar nicht in Frage. Ich habe da ganz den Aussagen des Polizeibeamten vertraut, dass sich dieser Betrug schnell aufklären wird“, so Kreutzmann.

Die Verfahren gegen ihre Person wurden eingestellt. Was genau mit ihrem Namen verkauft worden ist, weiß sie gar nicht. „Ich gehe auch nicht davon aus, dass man uns gezielt rausgesucht hat. Es gibt so viele Menschen, die kriminelle Dinge tun. Und an unsere Daten kommt man jederzeit heran.“

Angebliche Einkäufe bei Versandhäusern

Auch Helmut Prior vermutet dahinter keine politischen Absichten. In seinem Namen wurden Einkäufe bei Versandhäusern getätigt. Prior musste sich in der Folge über Inkasso-Büros ärgern, deren Vorgehensweise zum Teil kriminell gewesen sei, so Prior. Eine Anzeige hat er nicht erstattet. Erst im jüngsten Kreistag erfuhr er, dass er nicht alleine mit dem Problem ist.

Das Phänomen Identitätsdiebstahl trete in letzter Zeit häufiger auf, bestätigt auch Günter Neifer von der Klever Staatsanwaltschaft. Der Behörde liegen mittlerweile mehrere Anzeigen aus dem Kreis Kleve vor. Polizeisprecher Michael Ermers erklärt der NRZ, dass der so genannte Identitätsdiebstahl an sich nicht unter Strafe gestellt ist. Allerdings könne man davon ausgehen, dass eine Straftat damit beabsichtigt wird, entweder zur Rufschädigung oder zum Betrug. Michael Ermers rät dazu, auf jeden Fall die Polizei einzuschalten und eine Strafanzeige zu erstatten. Die Polizei ermittele dann.

 
 

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