Kleve braucht Plätze mit Aufenthalts-Qualität

Überfüllt war die Versammlung im XOX-Theater.
Überfüllt war die Versammlung im XOX-Theater.
Foto: WAZ FotoPool
Initiative errechnet: In Unterstadt entstünden nicht 5800, sondern 8000 qm neue Handelsflächen

Kleve.  „Wir denken, dass das öffentliche Interesse verletzt wird. Wir stoppen das. Wir kriegen das hin“, rief Robert Fluck von der Bürgerinitiative „Denkpause“ Unterstadt auf. 3000 Einwohner-Unterschriften will man sammeln, damit die Bebauung Minoritenplatz noch mal grundsätzlich überplant und nicht am 30. Juni beschlossen werde.

Entscheidung vor 30. 6. stoppen

120 Kaufleute und Mitstreiter kletterten Freitagabend hoch ins XOX-Theater, wo Regisseur und Initiativler Wolfgang Paterok als Gegner des „Monsterbaus“ appellierte: „Moonlightshopping ist nicht das, was gemeint ist, um Käufer nach Kleve zu locken. Sondern eine schöne Stadt mit Aufenthaltsqualität zu bieten, in der man nebenbei gern einkauft“.

Kleves neuer Wirtschaftsförderer Dr. Joachim Rasch begab sich in die Höhle der kämpferischen Löwen und outete sich als Befürworter des Centers. Er gestand aber später: „Ich würde ein Einkaufscenter bauen. Aber nicht da. Doch das Verfahren ist nun mal längst im Gange“. Eine Politikerin bestätigte: Geld für den Verkauf des Minoritenplatzes stehe bereits im Haushaltsplan.

Bürger erinnerten, dass die Sontowski-Planung für den Minoritenplatz dem Handlungskonzept konträr liefe. Die Initiative rechnete: laut Cima-Gutachten vertrage Kleve maximal 6000 Quadratmeter neue Handelsfläche. Aber Sontowski plane allein 5800, hinzu kämen Geschäftsräume im „überdimensionierten“ Hotelneubau, der „deplatzierten“ Volksbank und unten im Studentenwohnheim – zusammen fast 8000 qm. Durch zunehmenden Online-Handel brauche man aber eher weniger Flächen.

Geschäftsmann Jörg Hopmans sagte voraus: „Wir erwarten fürs Frühjahr 2014 große Leerstände“. Geschäftsleute der oberen Innenstadt fürchteten ein Ausbluten, fühlen sich vom Stadtmarketing stiefmütterlich behandelt.

Kritik ging ausdrücklich gegen den Bürgermeister, der aktiv Investoren von der Anmietung des Komplexes „Bergmann“ gegenüber der Neuen Mitte abgehalten und auf die Unterstadt vertröstet habe und auch versucht haben soll, Saturn an den Minoritenplatz zu locken.

Außerdem könnten auch Fensterfronten im Sontowski-Modell nicht täuschen, dass die Rolltore der „trostlosen“ Anlieferzone gleich am Museum Haus Koekkoek, an Turmcafé und Hafenstraße liegen werden. Initiativler Max Knippert bat eindringlich, abzuwarten, was der Privatbesitzer (Zevens) auf dem „gigantischen“ Gelände der Margarineunion ansiedeln werde.

Bürger beklagten, dass man das „Herz der Stadt“ nicht zubauen dürfe. Kleve habe nur Plätze ohne Funktion, brauche aber solche mit Aufenthaltsqualität. Der Kleine Markt mit Blick auf die Schwanenburg könne mit Außengastronomie fast „südländisch“ wirken, sei aber durch den Narrenbrunnen verbaut.

Josef Merges deutete: „Der Minoritenplatz ist ein Park-Platz, ein Platz für einen Park.“

 
 

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