Kitas sind Chefsache

Bürgermeister Karl-Heinz Otto. „Goch war noch nie eine reiche Stadt.“
Bürgermeister Karl-Heinz Otto. „Goch war noch nie eine reiche Stadt.“
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Goch Bürgermeister Karl-Heinz Otto setzt sich für die Situation der Kindertagsstätten ein. Er will Politik ohne viel „Tam-Tam“ machen

Goch..  Ein ruhiger Typ. Mit Finanzerfahrung aus der Kämmerei in Duisburg und einem (beruflichen) Faible für Datenverarbeitung: Seit zehn Jahren hat Karl-Heinz Otto als Bürgermeister die Belange der Stadt im Blick. Dennoch gibt er das Zepter weiter. Bei den Bürgermeister-Neuwahlen am 13. September 2015 wolle er definitiv nicht mehr antreten, hatte Otto im November erklärt. Entsprechend packt er seine favorisierte To-Do-Liste noch in die laufende Amtszeit.

Noch stecken Sie mitten im Amt – bis Herbst 2015. Die anstehende Spar- und Konsolidierungsberatungen beim Stadtetat können die Stadtlandschaft noch verändern. Dennoch eine Bilanzfrage: Was ist am heutigen Tag eine der zentralen Entscheidung, die Ihnen beim Rückblick auf zehn Jahre Amtszeit präsent ist?

Den Anspruch auf einen Kitaplatz gab es bei Antritt meiner Amtszeit zwar nicht. Dennoch habe ich als erstes – also direkt in der ersten Woche – einen Kita-Bedarfsplan in Auftrag gegeben. Ein umfangreiches Papier. Aus meiner vorherigen politischen Tätigkeit war für mich klar, dass für jedes Kind hier in Goch ein Betreuungsplatz vorhanden sein soll. Und das haben wir bis heute hingekriegt. Nie wurde ein Kind abgewiesen, auch wenn es eben nicht immer der Wunschstandort wird. Es ist mein Bestreben, dass Eltern für ihre Zwerge den Platz kriegen, der ihnen zusteht.

Was bedeutet das derzeit konkret?

Ich habe gerade untersuchen lassen, ob die Gebäude der Grundschule Hassum oder auch die St. Martin Hauptschule übergangsweise für Kita-Plätze genutzt werden können. Parallel sprechen wir mit Investoren, um künftig auf dem Gelände der Reichswaldkaserne ein neue Kita zu bauen. Außerdem wollen wir Anfang 2015 klären, was mit dem Liebfrauenkindergarten geschieht. Dort kann man nicht mehr ernsthaft investieren. Eine Idee hierzu: Warum nicht in der auslaufenden Pfalzdorfer St. Martin Hauptschule eine Kita unterbringen? Und an der zentral gelegenen Kita am Gärtnerweg, zu der es eh einen kleinen Ausbauplan gibt, könnte man auch ein bis zwei weitere Gruppen ins Auge fassen – und entsprechend größer anbauen.

Ein großes Aufgabenpaket. Machbar bis zum Ende Ihrer Amtszeit?

Bis Mitte 2015 will ich das erledigen – hier liegt mein Schwerpunkt für die Zeit vor der Wahl. Weil es heute Tatsache ist, dass oft beide Eltern arbeiten, wird in Kitas das 45-Stundenangebot meist gebucht. Darum kann man ganz locker davon ausgehen, dass wir mehr Plätze brauchen. Die Entwicklung eines Planes braucht allerdings Zeit. Das muss man mit Ruhe angehen und lieber dreimal drüber nachdenken dürfen. Das vermisse ich manchmal.

Sie benennen gerade Ausbauvorhaben, die auch höhere Betriebskosten für den Stadtetat bedeuten. Goch ist eine Stadt mit über 100 Mio. Euro Schulden, die sich gerade ein neues Stadtviertel erschließt und das Stromnetz von RWE zurückkauft – passt das für Sie zusammen?

Bei der Haushaltsdebatte wird gerne außer acht gelassen, wie sich diese Schulden zusammensetzen. Darin stecken Werte wie 35 Millionen für Kanalsanierungen oder 10 Millionen, die der Stadtetat an die Stadtwerke für deren Verstärkung des Eigenkapitals gab. Investitionen an Schulen, und so weiter. Natürlich werden für Investitionen auch Zinsen und Tilgung fällig. Aber Goch war noch nie eine reiche Stadt. Sie hat immer Finanzprobleme gehabt. Und ja, wir werden auf Dauer einige Einschränkungen haben.

Käme die Haushaltssicherung für Goch, was hieße das aus Ihrer Sicht für die Stadt?

Ich habe das in Duisburg erlebt. Die Stadt hatte zuletzt 1992 einen ausgeglichenen Haushalt. Seinerzeit war ich dort Leiter der Kämmerei, habe dabei das erste Haushaltsicherungskonzept aufgestellt. Eigentlich gilt so etwas nur für fünf Jahre, dann soll sich die Finanzlage gezielt geändert haben. Die Realität sieht anders aus: Duisburg schreibt das Sicherungskonzept bis heute fort und ist da nicht wieder rausgekommen. Konkret wären für Goch die Einschränkungen groß, für Politik und Verwaltung. Die Politik könnte nicht mehr freihändig Schwerpunkte setzen, sondern müsste sich jede Kleinigkeit genehmigen lassen. Also tun wir alles, um zu vermeiden in die Haushaltssicherung zu kommen. Übrigens gibt es bis zum heutigen Tage keine Kommune im Kreis bei der es soweit gekommen ist.

Es ist finanziell eng und zeitgleich steht die Vorfinanzierung der Erschließung der Reichswaldkaserne auf dem Plan. Hätten Sie die Baureife gerne schneller über die Bühne gebracht?

Es war von vornherein klar, dass solche Dinge einfach Zeit brauchen. Das Gelände der Reichswaldkaserne konnten wir für ganz kleines Geld kaufen. Dabei war Frau Dr. Hendricks Vermittlung bei der BIMA ganz klar hilfreich. Damals dachten wir einfach ‘Oh, prima!’ Der Aufkauf war einfach selbstverständlich. Nun bin ich gespannt, ob ich bis Ende meiner Amtszeit den Baustart erlebe. Der Beschluss zum Bebauungsplan A war für mich eine Genugtuung. Er zeigt, dass wir auf einem sehr guten Weg waren und sind. Bürgerbeteiligung und Werkstadtverfahren waren für Goch gut. Wir stehen hier gut da, mit einem sehr guten Team der Herren Krantz, Jansen und Marks.

Aber auch an anderen Gocher Ecken tut sich was. Ein kleines Schmankerl ist für mich die Nierswelle. Als der Schwanenteich seinerzeit wegkam, musste man aufpassen, dass man nicht gelyncht wird. Nun sind alle begeistert, auch von dem Bauvorhaben auf der anderen Flussseite von der Wohnbau Genossenschaft.

Wie ist derzeit die Stimmung im Rathaus. Einerseits gibt’s zig große Projekte, andererseits die Debatte ums Geld?

Die genannten Dinge haben mein Team und ich, schließlich arbeite ich nicht allein, ganz gut hingekriegt, finde ich. Man muss dazu sagen, dass wir hier mit einem schmalen Personalkorsett arbeiten. Schlanker als jetzt geht es nicht. Die Arbeit ist komplizierter und aufwendiger geworden

Über zehn Jahre hinweg habe ich so ohne großes Tamtam gearbeitet. Auch im Rat ist die Arbeit sehr einvernehmlich gelaufen, auch die Haushaltsberatungen. Nur mittlerweile, so in den letzten drei Jahren, zeigen sich bei den Etatberatungen persönliche Attitüden.

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