Kiesow ist seit 1850 Kleves Spezialist in Sachen Leder

1948 konnte Kiesow sein Geschäft in der Großen Straße einweihen.
1948 konnte Kiesow sein Geschäft in der Großen Straße einweihen.
Foto: privat
„Klever Schätze“: 1850 gründete Friedrich Kiesow in Kleve eine Treibriemen- und Lederwarenfabrikation. In den Wirtschaftswunderjahren lieferte er an zahlreiche Unternehmer.

Kleve..  Der Sohn des Gründers hatte offenbar viele Interessen und Fähigkeiten. Als Friedrich Kiesow seine 1850 auf der Hagschen Straße in Kleve gegründete Treibriemen- und Lederwarenfabrik an seinen Sohn Karl Kiesow übergab, musste der nur die Straße überqueren, um zu seinem zweiten unternehmerischen Standbein zu gelangen, dem Hotel Posthof.

Karl Kiesows Sohn Josef übernahm die Treibriemen- und Lederfabrik Anfang 1939. Schwere Zeiten, auch für ihn persönlich. Er wurde zum Kriegsdienst eingezogen, kam an die russische Front.

Von Russland zurück nach Kleve

Nachdem er sich selbst verwundet hatte, schlug er sich auf eigene Faust von Russland nach Kleve durch. Die Stadt lag in Trümmern, sein Geschäft auch. Aber er hatte Glück im Unglück: Die Lederwaren hatte man auf einem Bauernhof in Bedburg-Hau versteckt, und dort hatten sie den Krieg überdauert. Somit hatte Familie Kiesow in der harten Nachkriegszeit etwas zu verkaufen und konnte sogleich mit der Treibriemenproduktion in Kellen neu beginnen. 1946 eröffnete Josef Kiesow auf der nicht zerstörten Herzogstraße erneut sein Lederwarengeschäft.

Treibriemen waren in der Wirtschaftswunderzeit heiß begehrt. Es gab zahlreiche Kunden in Kleve, von den Schuhfabrikanten bis hin zur XOX und zu van den Bergh.

1948 konnte Kiesow sein wieder aufgebautes Geschäft in der Großen Straße einweihen. Als die Stadt Kleve dann 1953 beschloss, die Reste der Reformierten Kirche auf der Großen Straße abzureißen, um die Straße zu verbreitern, nutzte Kiesow die Gelegenheit, um sein Ladenlokal zu vergrößern.

1995 übernahmen Rudolf und Roswitha Kiesow das Geschäft von Josef, der noch im hohen Alter von 89 Jahren aktiv mitgemischt hatte. Seit 2003 führt mit Nina und Sebastian Kiesow die fünfte Generation die Geschäfte. Produziert wird schon lange nicht mehr, in den 60er Jahren war damit Schluss. Auch „Hosenträger für Burschen“, wie sie in alten Annoncen angepriesen werden, dürfte man vergeblich im Ladenlokal suchen. Heute liegt der Schwerpunkt von Kiesow Bags & Travel auf modernem und aktuellem Design. Auf 450 Quadratmetern findet man etwa 9000 Markenartikel.

„Leder wird heute immer noch handgenäht“, erzählt Sebastian Kiesow, „aber hauptsächlich in Asien.“ Im Keller unter dem Geschäft hat er einige alte Spezial-Nähmaschinen aus dem Familienbesitz aufgestellt, alle restauriert und funktionsfähig. Viele mit Fußantrieb, eine mit 320-Volt-Motor.

Und weil er in einem Praktikum selber noch nähen gelernt hat, kann er die Maschinen vorführen. „Da geht Leder durch wie Butter“, sagt Sebastian Kiesow, zeigt auf das Nahtbild und fragt: „Ist das nicht wunderschön?“

 
 

EURE FAVORITEN

Känguru-Baby Lizzy verzückt den Zoo Duisburg

Do, 19.07.2018, 13.49 Uhr
Beschreibung anzeigen