Keine Milch in Rindern

Astrid Hoyer-Holderberg
Die Schulmilch ist nicht mehr so gefragt – und die Gebühren der Banken gaben diesem Ernährungs-Service zumindest in Rindern nun den Rest.
Die Schulmilch ist nicht mehr so gefragt – und die Gebühren der Banken gaben diesem Ernährungs-Service zumindest in Rindern nun den Rest.
Foto: gms
Die Schule begründet das mit der Münzgeld-Gebühr. Schulverwaltung: „Man kann grundsätzlich überlegen, ob Schulmilchabgabe noch in die heutige Zeit passt“

Kleve.  Die Eltern in Rindern wurden mit kleinem gelben Zettel in Kenntnis gesetzt: Leider werde die Milchbestellung für die Grundschulkinder an der Johanna-Sebus-Schule eingestellt. Ab sofort. Unterschrieben von Schulleiterin und Hausmeister. Begründet wird das mit den Nebenkosten für das Konto bei der Sparkasse, den Gebühren fürs Münzgeld sowie die Schließung der Sparkassen-Filiale in Rindern. Das alles habe zur Folge, dass die Milchbestellung für den „Hausmeister und andere Beschäftigte der Schule nicht mehr zumutbar“ sei. So schrieb es Schulleiterin Martina Spicher.

Dass sie die Absage an die Schulmilchbestellung so auf die Sparkasse fokussiere, sei wohl etwas „unglücklich“, meint dazu Schulverwaltungsamtsleiterin Annette Wier auf NRZ-Anfrage.

Martina Spicher erklärt der NRZ: „Die Hausmeister machen immer mehr. Herr Winands ist sehr, sehr fleißig. Bei der Milchbestellung steht der Aufwand in keinem Verhältnis. Er muss Geld einsammeln, nachhaken, Bestellung organisieren, Geld einzahlen, Milch ausgeben. Das wird alles teurer und teurer“. Dass er die Aufgabe nicht mehr übernehmen will, „bedauere ich, aber ich kann ihn verstehen.“

Sie habe mit der Sparkasse und der Volksbank gesprochen, doch überall werde für das Einzahlen von Münzgeld nun eine Gebühr verlangt (die NRZ berichtete). „Wenn wir bei Eltern Geld einsammeln, sind es fast immer Münzen. Für jede Münze zahlt man nun einen Cent. Das bekommen Schulen zu spüren, etwa auch, wenn wir ein Theater buchen und 3,50 Euro pro Kind einsammeln“ sieht Spicher voraus.

Der Hausmeister müsse nun, da es in Rindern keine Bankfiliale mehr gibt, das Geld auf eigene Benzinkosten zur Hauptstelle fahren. „Ich als Schulleiterin kann das nicht auch noch übernehmen“. Und wenn sich eine Elterngruppe bereit fände, die Milchbestellung zu übernehmen? „Wenn sie auf mich zukämen, kann man das sicher machen“, wartet Spicher ab.

In Rindern kämen wohl aber keine Kinder hungrig oder ohne Getränk zur Schule. „Sicher sind manche Kinder traurig, wenn sie nun ihren Kakao oder ihre Erdbeermilch nicht mehr bekommen“, ahnt die Schulleiterin. Bisher hat die Firma Campina alle zwei Tage die Frischeprodukte ausgeliefert und im campina-eigenen Kühlschrank im Schulhaus aufbewahrt.

Schulverwaltungsamtsleiterin Annette Wier kann nachvollziehen, dass Schulen grundsätzlich auf Schulmilch verzichten wollen. Die Zahl der Bestellungen sei rückläufig, habe ihr Martina Spicher gemeldet. Milch zu stellen, sei keine Pflichtaufgabe und werde an weiterführenden Schulen nicht mehr angeboten.

Das letzte Pünktchen

Allerdings sei nach ihrer Auffassung die Sparkassengebühr nur „ein letztes Pünktchen“, das zur Entscheidung führte. „Man kann grundsätzlich überlegen, ob Schulmilchabgabe noch in die heutige Zeit passt. Jeder kann Trinken von zu Hause mitnehmen,“ räumt die Fachbereichsleiterin ein. Möglicherweise stehe das Angebot in keinem Verhältnis zum Aufwand. Und Hausmeister übernähmen tatsächlich viele Aufgaben, in Krankheitsfällen von Kollegen teilweise an drei Schulen gleichzeitig. Aber Annette Wier betont: „Die Sparkasse tut sehr, sehr viel für Schulen, gerade für Grundschulen. Da sind 1,36 Euro Gebühr im Monat nebensächlich“.

Auch Sparkassendirektor Ludger Braam kann „die Argumentation nicht nachvollziehen. Wie machen es denn andere Schulen, wo es keine Bankfiliale am Ort gibt? Ist es jemandem zuzumuten, einmal im Monat zur Filiale nach Kellen zu fahren?“, fragt er rhetorisch. Er habe sowohl mit der Schulleiterin, aber auch mit anderen karitativen Gruppen, die etwa für Sankt Martin oder ähnliches Kleingeld einsammeln, gesprochen. Innerhalb des Sparkassenvorstandes habe man beraten und beschlossen, keine Ausnahmen zu machen, sondern alle gleich zu behandeln.

Die Münzgeräte, in denen das Kleingeld gezählt werde, rechnen ohnehin automatisch die Gebühr ab. „Es tut mir für die Kinder Leid. Aber ich kann die Entscheidung der Schule so nicht nachvollziehen“, sagt er. Unterstützt die Sparkasse Kleve denn auch ausdrücklich die Rinderner Grundschule? Ja, sie ist Partner im Förderprogramm „Kulturstrolche“, in dem jährlich mit 6000 bis 7000 Euro Klever Grundschulkinder an Theater, Konzerte, Museen heran geführt werden.