Julie Hiby war eine visionäre Kleverin

Das Grab des Mannes von Julie Hiby wurde hergestellt vom Düsseldorfer Akademieprofessor Karl Janssen und befindet sich auf dem Klever Friedhof an der Königsallee.
Das Grab des Mannes von Julie Hiby wurde hergestellt vom Düsseldorfer Akademieprofessor Karl Janssen und befindet sich auf dem Klever Friedhof an der Königsallee.
Foto: privat
Julie Hiby (1841-1906) kaufte Ende des 19. Jahrhunderts die Bellevue und schuf ein Gartenparadies. Sie war der Mittelpunkt einer bemerkenswerten Familie

Kleve..  Zugegeben: ohne einen gewissen finanziellen Hintergrund hätte die Persönlichkeit, von der heute die Rede ist, ihr Lebenswerk wohl nicht aufbauen können. Aber vermutlich hätte sie dann andere Spuren hinterlassen.

Julie Hiby wurde 1841 als Julie Stein in eine Düsseldorfer Unternehmerfamilie geboren. Sie heiratete den aus sehr vermögender Familie stammenden Bergwerksdirektor Wilhelm Hiby, der bereits 1887 starb. Ein Jahr später kaufte sie das seit zwei Jahren leer stehende Haus Bellevue an der Nassauerallee und zog mit ihren drei Kindern hierher. Sie kannte Kleve, weil ihr ältester Sohn Wilhelm hier das Gymnasium besuchte. In den folgenden Jahren erweiterte sie das Haus und baute eine Orangerie an, alles nach neuestem technischem Standard.

Grabmal einmalig

Die kunstsinnige Julie Hiby - in ihrer Jugend war sie Meisterschülerin bei Clara Schumann - beauftragte den Düsseldorfer Akademieprofessor Karl Janssen mit einem imposanten Grabmal für ihren verstorbenen Mann. Dieses steht heute auf dem Klever Friedhof oben an der Königsallee. Auf Wunsch der Witwe musste Janssen das Modell der Bronze im Beisein von Zeugen zerstören, um so die Einmaligkeit des Kunstwerkes zu gewährleisten. Für ihren Garten erwarb sie 1898 eine Vase vom Grabmal des Johann Moritz von Nassau-Siegen, die ein Bauer auf seinem Feld ausgegraben hatte. Diese überstand später den Krieg und diente als Vorbild für die Nachbildungen der Vasen anlässlich der Restaurierung des Grabmals 1979. Julie Hiby erweiterte ihr Grundstück durch Zukäufe, so dass ihr Besitz vom Moritzpark bis weit runter in die heutigen Galleien reichte. Sie schuf einen wahrhaft paradiesischen Garten. Mit ihrer Leidenschaft vor allem für die Obstzucht errichtete sie 26 zentral beheizte Gewächshäuser für Palmen, Trauben, Rosen und Orchideen. Diese waren durch Schienenbahnen miteinander verbunden. Ursula Geisselbrecht-Capecki schreibt in ihrem Buch über die Bellevue, dass zum 36-köpfigen Personal auch ein Lehrjunge zählte, von dem die Klever behaupteten, dass er nur zum Fliegenfangen im Orchideenhaus eingestellt worden sei.

Julie Hiby erwarb im Laufe der Zeit 23 landwirtschaftliche Höfe, zu ihrem Besitz zählten auch der Wylerberg mit seinen Pachthöfen, seinem Wald, dem Forsthaus „Teufelsberg“ und das Wylermeer. Den damals noch zu Deutschland gehörenden Wylerberg vererbte sie später ihrer Tochter Marie Schuster, die hier das Haus Wylerberg erbauen ließ, ein heute noch sehenswertes expressionistisches Haus, in dem später ihre Tochter Alice zusammen mit ihrer Lebenspartnerin, der Pianistin Else C. Kraus, lebte und im großen Musiksaal viele Jahre lang kulturelle Glanzpunkte setzte.

Julie Hiby ließ auf ihrem Grundstück archäologische Grabungen ausführen, Kisten mit Fundmaterial standen noch bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs auf dem Speicher der Bellevue. Ihr im Jahre 2000 verstorbener Enkel Hans Hiby hatte die Leidenschaft seiner Großmutter geerbt, er bedachte die geologische Sammlung im Schwanenturm mit vielen Exponaten. Mit der Entdeckung einer neuen Muschelkrebsart, dem Tetrada hibyi, hat er sich wissenschaftlich verewigt. Sein Bruder Werner gründete 1982 die „Dr. Werner Hiby Stiftung Kleve“, die bis heute tätig ist. Sie kümmert sich um Bildung und Ausbildungsförderung allgemein, aber auch um die Förderung von Begabten.

Julie Hiby starb 1906, ihr Sohn Wilhelm verkaufte Teile der Bellevue-Grundstücke u.a. an Gustav Hoffmann (heute ist hier der Park der Kreisverwaltung) und den Lederfabrikanten Haas. Am 7. Oktober 1944 blieb die Bellevue noch verschont, am 7. Februar 1945 erhielt das Grundstück unvorstellbare 78 Bombentreffer. Von dem prächtigen Haus und dem Park blieb nichts übrig. Nach dem Krieg baute die Familie auf dem Grundstück neu, aber nachdem von den Hibys und ihren Nachkommen keiner mehr in Kleve lebte, wurde es verkauft. Im ehemals weitläufigen Garten stehen seit einigen Jahren mehrere Neubauten. Eines ist sicher: würde Julie Hiby heute sehen können, was aus der Bellevue und ihrem schönen Garten geworden ist, es würde ihr das Herz zerreißen.

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