Jugend hat Interesse an Karl Leisner

Andreas Daams
Theodor Brauer sprach im Kolpinghaus.
Theodor Brauer sprach im Kolpinghaus.
Foto: NRZ
Am Wochenende wurde das neue Denkmal vor der Stiftskirche offiziell eingeweiht. 50 Gäste kamen zum Festakt ins Kolpinghaus

Kleve.  Mit einem Festakt im Kolpinghaus beging der Internationale Karl Leisner Kreis (IKLK) die Einweihung des neuen Denkmals vor der Stiftskirche. Das zeigt den berühmten Klever, der im KZ Dachau zum Priester geweiht wurde und 1945 im Alter von gerade mal 30 Jahren an den Folgen der Haft verstarb. Gut fünfzig Gäste waren zum Festakt gekommen. Unter den zahlreichen katholischen Geistlichen befanden sich gleich zwei Bischöfe: der aus Kleve stammende Dr. Werner Thissen, emeritierter Erzbischof von Hamburg, und der emeritierte Bischof von Rotterdam, Adrianus Herman van Luyn. „Das ist ein schönes Zeichen der Verbundenheit über die Grenzen hinweg“, fand Propst Johannes Mecking in seiner Begrüßung.

Geschaffen von Gerresheim

Benedikt Elshoff, aus Kleve stammender Pfarrer in Lüdinghausen und Präsident des IKLK, skizzierte in seiner Festansprache die Entstehung des Denkmals. „Als die Idee vor zwei Jahren entstand, war ich sehr skeptisch“, gab er zu. Dank Monika Kaiser-Haas, der Vizepräsidentin des IKLK und Nichte Karl Leisners, sei aus dem Plan jedoch etwas geworden. Etwa 50 000 Euro hat die Büste gekostet, die der Düsseldorfer Bildhauer Bert Gerresheim geschaffen hat – honorarfrei übrigens. „Karl Leisner war nicht angepasst“, sagte Elshoff, „sondern er hat den Blick über das hinaus gerichtet, was geschieht.“ Damit sei er ein Vorbild: „Wenn wir bedenken, welche Krise wir in Deutschland erleben, was das Priestertum angeht, dann kann Karl Leisner uns helfen.“ Bürgermeister Theo Brauer freute sich, dass er in den wenigen verbleibenden Monaten seiner Amtszeit noch am Festakt teilnehmen dürfe. „Karl Leisner ist in Kleve präsent“, sagte Brauer. Es gebe eine Straße, die nach ihm benannt sei, eine Grundschule, ein Jugendheim, den Verein Karl-Leisner-Begegnungsstätte an der Flandrischen Straße und schließlich das Katholische Karl-Leisner-Klinikum im Kreis Kleve. Der 1996 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochene Leisner sei mit seinem Gemeinschaftssinn und seinem Verantwortungsbewusstsein seinen Grundüberzeugungen immer treu geblieben: „Er zeigte eine Haltung, die ich mit Zivilcourage bezeichnen möchte“, so Brauer. Diese Haltung sei damals wie heute mit Risiken verbunden.

Viele Spenden

IKLK-Sekretär Stephan Rintelen würdigte das beeindruckende Spendenaufkommen von über 40 000 Euro, mit dem das Denkmal entstehen konnte. Monika Kaiser-Haas erläuterte den Aufbau der Wanderausstellung, die derzeit in der Stiftskirche zu sehen ist. Auf den dreizehn Standplakaten sind nicht nur wichtige Lebensstationen Karl Leisners dargestellt: „Auch Jugendliche haben Interesse an Karl Leisner“, sagte sie. Darum sind auf einem Plakat Fragen zu sehen, die Vierzehnjährige am Konrad-Adenauer-Gymnasium zum Thema Karl Leisner erarbeitet haben. Im nächsten Jahr erscheint dann ein Buch von Wilfried Hansmann zum neuen Karl-Leisner-Denkmal.