Jobcenter lehnte Hartz-IV-Antrag ab - junger Mutter das Gas abgestellt

Eine Kuscheldecke hilft der vier Monate alten Lara aus Goch, wenn es kalt ist. Das Gas ist abgestellt. Die 21-jährige Mutter Nicole kann nicht heizen oder Lara baden.
Eine Kuscheldecke hilft der vier Monate alten Lara aus Goch, wenn es kalt ist. Das Gas ist abgestellt. Die 21-jährige Mutter Nicole kann nicht heizen oder Lara baden.
Foto: WAZ FotoPool
Hochschwanger stellte eine 21-jährige im Februar einen Antrag auf Hartz IV. Der sei aber nie eingegangen, heißt es, weshalb die junge Mutter auch kein Geld bekommt. Mittlerweile häufen sich die Schulden und das Gas ist abgestellt. Nun muss das Landessozialgericht entscheiden - das kann aber dauern.

Goch.. Noch hilft die Kuscheldecke. Noch ist es nachts nicht zu kalt für die kleine Lara, die vier Monate alte Tochter der 21-jährigen Gocherin Nicole. Seit gut vier Wochen sind die beiden und der Papa des Kindes, ein Tischler-Lehrling mit kleinstem Gehalt, schon ohne Gas. Die Stadtwerke drehten den Hahn zu, weil Rechnungen nicht bezahlt wurden. Das Baby kann nicht warm gebadet werden. Dafür muss die junge Mutter mit Lara per Zug zu den Schwiegereltern nach Weeze fahren.

Mehr als 5000 Euro Schulden - weil das Amt nicht zahlt

Der Strom läuft in der Wohnung noch, doch auch hier wird’s finanziell immer enger. Genau wie bei der Wohnungsmiete. 3000 Euro schulden die drei ihrem Vermieter bereits. Sie könnten ihre Wohnung verlieren. Das Telefon ist abbestellt. Um in den letzten sieben Monaten Lebensmittel, vor allem fürs Baby, kaufen zu können, liehen die jungen Eltern sich Geld bei Freunden zusammen. Statt schuldenfrei, wie sie beim Einzug in die kleine Wohnung waren, häufen sich die Schulden nun auf über 5000 Euro.

Eigentlich gäbe es diese Schulden alle gar nicht, wenn ihr Antrag auf Hartz IV bewilligt wäre, ist sich Joachim Schneider (Kevelaerer Sozialberater vom „Verein Selbsthilfe“) sicher. Er sieht keinen Grund, warum Nicole nicht den Regelsatz von 345 Euro oder die kleine Lara den Regelsatz von 224 Euro, plus natürlich Miete, Heizung und Strom bekommen sollten.

Antrag am 14. Februar eingereicht - aber es fehlt ein Stempel

Schneider berät die junge Familie im Streit mit den Ämtern, das Wichtigste davon ist das Jobcenter: Während Nicole zusammen mit ihrer Schwiegermutter erklärt, sie hätten gemeinsam am 14. Februar den Antrag auf Hartz IV beim Sozialamt Goch eingereicht, haben sie dafür leider keinen Beweis. Ihnen fehlt ein Stempel. Laut Schreiben des zuständigen Jobcenters läge der Antrag nicht vor.

Nicole stellte den Antrag erneut, wieder in Begleitung von Schwiegermama, mehrfach sagen sie. Ab 16. Juli hat sie dafür einen Beweis. Weil das Amt seitdem dennoch nicht zahlte, weil die Familie nicht bedürftig sei, zog man vors Sozialgericht Duisburg und gewann im Eilverfahren: 191,12 Euro hätte seitdem monatlich gezahlt werden müssen, bis das Hauptverfahren (wo u.a. über die Zahlungshöhe entschieden wird) einen anderen Betrag festlegt.

Landessozialgericht muss über Fall entscheiden

Doch das Amt legte Widerspruch ein. Nun wird der Fall vorm Landessozialgericht Essen verhandelt werden – im Eilverfahren. Das Gericht kann theoretisch innerhalb von drei Tagen, aber auch erst in drei Monaten ein Urteil fällen, schätzt Schneider die Falldauer ein. Bis dahin kann es in Goch bitterkalt werden, vor allem ohne Heizung.

 
 

EURE FAVORITEN