„Ich probe gern“

Elisabeth Verhoeven liest im XOX-Theater.
Elisabeth Verhoeven liest im XOX-Theater.
Foto: Kleve
Die aus Kleve stammende Rundfunksprecherin Elisabeth Verhoeven veranstaltet mit befreundeten Musikern ein Lesekonzert im XOX-Theater

Kleve.  Es hätte auch gleich zu Anfang schiefgehen können mit den Menschen. Noch mehr als sowieso schon. Als nämlich Adam in der allerersten Nacht Eva an die Brüste fasst und sie zurückzuckt: „Schade, aber du bist überhaupt nicht mein Typ.“

Elisabeth Verhoeven lacht, als sie diese Geschichte erzählt. Geschichten erzählen – das ist ihr Ding. Zumal, wenn die Geschichten in Gedichte verpackt sind. Denn Elisabeth Verhoeven ist Diplom-Sprecherin, arbeitet beim SWR und beim WDR, sie hat Sprecherziehung studiert und sich der Sprache also über das Aussprechen genähert. „Gedichte müssen laut gelesen werden, um durchzudringen“, hat sie festgestellt. Viele Menschen sind von Lyrik verunsichert, haben als Schüler Versmaße abgezählt und die Wortzusammenstellungen auf vermeintliche Intentionen hin abgeklopft. „Da haben sie gelernt, dass man bei Lyrik eigentlich nur alles falsch machen kann.“ Die Folge: Der Bogen, den die Menschen um Dichtung machen, wird immer größer.

Diese ungewollt anerzogene Poesie-Abstinenz möchte Elisabeth Verhoeven umkehren. Was heißt: sie möchte. Sie schafft es ja bereits. In ihren Lesekonzerten mischt sie Texte mit Musik, die sie gemeinsam mit Peter Holdenried, Christian Hoch und Hansi Lawall interpretiert: Gitarren, Bass, Akkordeon, Cello, Gesang. „Leute, die sich das einmal angehört haben, kommen immer wieder“, berichtet sie. „Und Leute, die aus irgendwelchen Gründen in eine unserer Veranstaltungen hineingezwungen worden sind, gehen beglückt nach Hause.“

Das neue Programm der Gruppe „WortSpiel“ heißt „Gute Nacht“. Die verschiedenen Facetten der Nacht, vom Alptraum bis zur erotischen Verheißung, haben bereits die Romantiker erkundet, aber auch Autoren der Gegenwart, dazu die Beatles, Konstantin Wecker oder Reinhard Mey. Wie aus einem Wust von Texten und Liedern schließlich ein Programm entsteht, das effektvoll, nachdenklich oder saukomisch sein kann, das lässt sich am Samstag, dem 18. Juni, um 20 Uhr im XOX-Theater erleben. Hier findet die Premiere statt. Einen Tag später zieht das in Mainz ansässige Quartett weiter nach Düsseldorf.

„Es ist doch toll, dass uns Formen und Texte aus fernen Jahrhunderten immer noch etwas über unser Leben erzählen“, findet Elisabeth Verhoeven. Gerade der Entstehungsprozess eines neuen Programms, das Herstellen von Zusammenhängen und Dramaturgie, entzückt sie: „Ich probe gern.“ Die Aufführung ist dann die Krönung. „Wir machen das, weil wir Spaß daran haben.“ Und dieser Spaß wird auf das Publikum überspringen. Da geht sie jede Wette ein.

Karten zum Preis von 12 Euro (ermäßigt: 8 Euro) gibt es ab jetzt bei der Buchhandlung Hintzen und am 18. Juni an der Abendkasse.

 
 

EURE FAVORITEN