Hochsaison für Exhibitionisten im Kreis Kleve

Foto: WAZ

Kreis Kleve.. Jüngst ließ ein Exhibitionist direkt vor dem Rathaus in Goch die Hose runter, um vor Frauen zu onanieren. Vorfälle mit Exhibitionisten häufen sich im Klever Nordkreis. Ein Psychiater erklärt, wer die Täter sind und warum viele sich Kinder als Opfer aussuchen.

Kleve, Goch, Weeze, Kevelaer: Im Kreis Kleve werden viele Exhibitionisten angezeigt. Polizei und Psychiater raten zu selbstbewusster Reaktion. So hatte direkt vorm Gocher Rathaus am Montagabend ein etwa 40-Jähriger vor zwei Frauen blank gezogen. Und sich „an seinem Geschlechtsteil manipuliert“, wie der Polizeibericht technisch-nüchtern formuliert.

Noch einmal gut gegangen: Nach einem Schreckmoment riefen die beiden 28-Jährigen die Polizei an, der Täter flüchtete. Vorfälle mit Exhibitionisten häufen sich zur Zeit im Klever Nordkreis, wie Polizei-Sprecher Manfred Jakobi bestätigt. Weeze, Kevelaer, Goch, Kleve: Allein fünf Anzeigen zählt er bereits für den September auf.

Psychiater über Exhibitionisten-Karriere

„Jetzt im Sommer ist die Witterung günstiger, da kommt das häufiger vor“, sagt Jakobi. Und wer einmal damit angefangen hat, mache tendenziell weiter: „Ich denke schon, dass das Wiederholungspotenzial hat.“ In Goch sucht die Polizei noch nach dem Täter, der kürzlich von einem anderen Opfer ähnlich beschrieben wurde. Auch in Weeze und Kevelaer gehen die Ermittler von Mehrfachtätern aus. Immerhin: In der Marienstadt wurde gerade ein 23-Jähriger nach einer einzelnen Tat gefasst.

Wer sich vor anderen auszieht, sucht meist den Kick und will andere erschrecken, weiß Dr. Jack Kreutz von der Forensischen Psychiatrie der LVR-Klinik Bedburg-Hau zu berichten. „Der klassische Exhibitionist ist dabei sicherlich nicht gefährlich“, sagt er zwar. „Oft gibt es bei den Tätern aber eine Karriere. Sie beginnen damit, es sich vorzustellen. Wenn’s dann mit Exhibitionismus einmal anfängt, werden Frequenz und Intensität immer höher.“ Bei Wiederholungstätern, die nicht aufgehalten würden, sei dann auch der Übergang zu Handgreiflichkeiten bis hin zur Vergewaltigung denkbar.

Täter seien „in der Regel sehr schüchterne Menschen, die Probleme haben, auf Menschen zuzugehen – und zwar aus allen Gesellschaftsschichten.“ Als Opfer suchten sie sich meist Frauen. Wenn sie aber selbst vor denen zu viel Angst hätten, manchmal auch Kinder.

Polizei rät zu selbstbewusstem Auftreten

So geschehen zuletzt Ende August im Klever Kaufhof. Im Gesetzbuch ist es spätestens da keine Bagatelle mehr. „Sobald man sich Kindern zeigt, geht das in den Bereich ‘sexueller Missbrauch’“, sagt Polizeisprecher Jakobi.

Opfern raten beide, Polizei und Psychiater, zu selbstbewusstem Auftreten. „Laut auf sich aufmerksam machen, die Polizei anrufen“, sagt Jack Kreutz. „In der Regel sind Exhibitionisten selbst sehr ängstlich.“ Der Psychiater warnt allerdings davor, Täter in der Situation nicht ernst zu nehmen oder zu beleidigen: „Aus Kränkung kann Wut entstehen.“

Täter trug grünes T-Shirt und Oberlippenbart

Hinweise auf Täter nimmt unter anderem die Kripo Goch unter Tel. 02832/1080 entgegen. Der dortige Täter wurde von Zeugen als etwa 185 cm groß, sehr schlank und breitschultrig beschrieben. Er trägt dunkelblonde, kurze Haare und einen Oberlippenbart. Zur Tatzeit am Montagabend gegen 21 Uhr war er bekleidet mit einem grünen T-Shirt und einer knielangen Sporthose mit weißen Streifen.

 
 

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