Hecken sind Lebensadern

Begehung Grünstreifen neben Überlauf Mühlenstrang. Mit Dirk Halberscheidt (beiger Pulli) und Dirk Hoppe (schwarze Jacke). Weißdorn. Foto: Ralph Bodemer
Begehung Grünstreifen neben Überlauf Mühlenstrang. Mit Dirk Halberscheidt (beiger Pulli) und Dirk Hoppe (schwarze Jacke). Weißdorn. Foto: Ralph Bodemer
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Lebendige Zäune in unserer Landschaft sind für Vögel und Insekten lebenswichtig. Die Dorngrasmücke singt jetzt ihr keckes Lied: „He, Sie da, geh`n Se weg da!“ – Serie von Andreas Barkow

Kreis Kleve.  Im April erwachen die Hecken vollständig aus der Winterruhe. Nach dem Austrieb von Hasel und Weide schmücken Schlehen die Landschaft in strahlendem Weiß. Es folgen jetzt die Blüten der Heckenrosen und des Weißdorns, ehe das Grün der Blätter die Hecken zu einem dichten Gehölzriegel werden lässt. Mit dem Austrieb der Sträucher nimmt auch die Anzahl der Heckenbewohner rasant zu. Eine Vielzahl von Insekten, Spinnen, Vögeln und Säugetieren siedelt sich in den Hecken an. Hecken bieten Nahrung, Schutz und Brutraum. Kurzum: Hecken sind Lebensräume für Tiere und Pflanzen in unserer Kulturlandschaft.

Von Menschenhand

Aber Hecken, so wie wir sie kennen, kommen in der Natur eigentlich gar nicht vor. Hecken entstehen dort, wo man sie entstehen lässt – und pflegt. Sie wachsen entlang von Wegen, auf Lesesteinwällen oder wo man sie eben anlegt und das Land ansonsten nicht bearbeitet, zum Beispiel zwischen zwei Feldern, quasi als natürliche Grenze. Deshalb bezeichnet man Hecken auch als „lebendige Zäune“. Eine Hecke bleibt auch nur dann als dichter Riegel erhalten, wenn sie genutzt wird: Sonst wachsen zwischen den Büschen Bäume auf, unter denen die Sträucher durch Beschattung dann über kurz oder lang verkümmern.

Gegen Ende April sind die meisten Heckenbewohner aus dem Winterschlaf erwacht oder aus den Überwinterungsquartieren zurück gekehrt. Der Igel sucht die Säume nach Schnecken, Käfern und allem Fressbaren ab und auch die letzten Zugvögel sind bald in die Hecke zurückgekehrt. Die Goldammer brütet schon in ihrem ersten Nest, während die Dorngrasmücke gerade erst aus Afrika zurückgekehrt ist und zum Beispiel in der Düffel fast überall anzutreffen ist. Besser gesagt, überall zu hören ist. Die Dorngrasmücke singt ein kurzes kratziges Liedchen. Mein Kollege Daniel hat mir dafür einen Merkspruch verraten. Sie singt so etwas wie „He, Sie da, geh`n Se weg da!“ Wenn Sie Lust haben, achten Sie doch mal darauf.

Segen und Fluch

Eine Hecke kann in ihrer Struktur und Belaubung an einen dichten Waldrand erinnern. Viele Vögeln bringt das Vorteile: Viel Nahrung, Wärme und gute Deckung. Aber Hecken sind auch immer nur mehr oder weniger breite Gehölzstreifen. Das macht es den Beutegreifern leicht, Nester zu finden. Die sind zwar oft gut versteckt, aber doch wie an einer Perlschnur aufgereiht. So sind die Verluste in Hecken oft größer als beispielsweise in einem lichten, naturnahen Laubwald. Die typischen Heckenbewohner wie Goldammer und Dorngrasmücke schaffen es dabei oft noch ganz gut, ihre Jungen groß zu ziehen. Aber für Amseln, die große auffällige Nester in stärkeren Astgabeln bauen, sind die Verluste an Eiern und Jungvögeln groß. Dafür leben zu viele Fressfeinde in der Hecke: Mauswiesel, Steinmarder, Hermelin, Fuchs, Eichhörnchen, Elster, Eichelhäher – und alle lieben Ei zum Frühstück. Aber die Amsel hat sich daran angepasst und kann von März bis August Nester anlegen.

Die ökologische Qualität des Lebensraums Hecke hängt von ihrer Größe und Ausdehnung ab. Hohe, gestufte und breite Hecken sind für Vögel sicherer. Aber es kommt auch immer auf die Umgebung an. Vor der Hecke sollte ein Saum vorhanden sein. Gräser, Kräuter und Insekten leben dort und erhöhen die Artenvielfalt in der Landschaft. Vögel finden dort Nahrung, das Rebhuhn brütet. Wenn der Feldweg davor tatsächlich noch ein unbefestigter Feldweg mit Staub, Steinchen, Pfützen und reichlich „Unkraut“ ist, dann ist die Hecke mit ihren vielen Bewohnern tatsächlich eine vitale Lebensader.

 
 

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