Häuser auf dem See in Kalkar und Kleve

Dr. Barbara Hendricks und Friedhelm Hülsmann gestern vor dem schwimmenden Forschungshaus – übrigens mit Kanalanschluss an Land.
Dr. Barbara Hendricks und Friedhelm Hülsmann gestern vor dem schwimmenden Forschungshaus – übrigens mit Kanalanschluss an Land.
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Kalkar Birgelfeld als Vorbild. Bundesumweltministerin ließ sich vor Ort informieren. Energie-Plus-Anspruch und Hoffnung auf Förderung. Kleve weist Wohnbauland auf dem Wasser in Kellen aus

Kalkar..  40 Häuser sind das Ziel in Kalkar, fünf Single- und Familienhäuser schwimmend im Wasser auf Pontons, die anderen in zwei Reihen am aufsteigenden Ufer. Und sie alle würden ihre Heizenergie aus dem See ziehen per Wärmepumpe, den Strom per Photovoltaik ernten. Das ist zwar Zukunftsmusik, aber man kann die Melodie schon ahnen: 150 qm für 330 000 Euro. Gebraucht würde dazu allerdings kein „Streichquartett“ der Politik, sondern das Gegenteil: Zuschüsse, Investoren. Gestern sah sich Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks das 24 Grad muckelig warme Modellhaus des Energie-Projektes in Hönnepel am Birgelfeld an, das schwimmende Ende der Welt, gleich hinter dem Kiesbagger.

Eine Förderung konnte sie natürlich noch nicht zusagen, aber ihre Unterstützung. Sie bat den Klever Architekten Friedhelm Hülsmann um Zusendung der Unterlagen. Bauforschung, nationaler Klimaschutz sind nicht erst seit Paris eines ihrer großen Themen.

„Ich muss auch der Stadt Kleve ein Lob aussprechen“, sagt die Bundesumweltministerin: Dass Kleve jetzt mitten im Baggersee in Kellen hinter dem „Naturfreibad“ an der Cellina-Ziegelei eine Baufläche im Wasser ausgewiesen hat. „Sowas ist hochinteressant für alle Abgrabungsflächen, Braunkohletagebau, Tonmulden wie in Kellen oder Kiesgewinnung“, sieht sie den Kreis Kleve als Vorreiter in NRW und darüber hinaus. Denkbar sei ein EU-Interreg-Projekt für mehr Ferienhäuser auf stehendem und fließendem Gewässer – machbar von der Lausitz über Mecklenburg-Vorpommern bis zu österreichischen Seen.

Im Flächennutzungsplan NRW steht das „Wohnen auf dem Wasser in Kellen“ bereits drin, die Bezirksregierung müsste es allerdings noch genehmigen. Fachverbände und Anlieger gaben ihre Stellungnahmen ab. „Die Auswertung wird einige Zeit dauern. Dann kommt das Thema in einen der nächsten Bauausschüsse. Das Projekt ist nicht unumstritten“, sagt Baudezernent Jürgen Rauer auf NRZ-Anfrage.

In den Niederlanden sind Ponton-Häuser auf Gewässern normal, weiß Friedhelm Hülsmann. Sie liegen oft in Betonwannen 1,20 m tief im Wasser, haben ein belebtes Keller-Geschoss mit Blick durchs Fenster auf die Wasserfläche: Schau mir in die Augen, Ente.

Aber dort sind sie alle mit Gas beheizt, Niederlandes Exportgut. In Kalkar beim Birgelfeld-Forschungsprojekt geht es um die ersten Wasser-Wärmepumpen mit 2,5 KW (wie ein Kühlschrank), um Energie-Plus-Häuser. „Ohne den Anspruch könnte man es nicht fördern“, betont Barbara Hendricks. Energieoptimiertes Bauen veranlasse auch das Bundeswirtschaftsministerium zur Förderung. Bisher finanzierte jedoch der Auskieser Maas-Roeloffs selbst das Projekt Birgelfeld. Schon 2008 – da staunte Ministerin Hendricks – hatte die Stadt Kalkar von ihm „gesellschaftlichen Nährwert“ verlangt, wenn er weiter Kies abgraben wolle.

Bei seinem Wettbewerb dazu gewannen die Architekten Hülsmann-Thieme mit ihrer thermischen Seewärme-Idee im schwimmenden Haus. Fraunhofer-Institut und Uni Duisburg schlossen sich mit Forschungsprojekten an – erste Ergebnisse: Solarmodul-Geländer hochkant fangen von der spiegelnden Wasseroberfläche nicht so viel Energie ein, wie gedacht. Bewegliche Photovoltaik auf dem Fahnenmast werden zu häufig von Kormoranen beschmutzt und verdunkelt.

Die Hochschule Rhein-Waal mit ihren Fakultäten Umwelt-Ökologie, Alternativer Tourismus, Elektro/Maschinenbau wäre ein Wunsch-Partner für Forschungsaufträge in Zukunft. Gespräche werden geführt werden.

 
 

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