Gute Schüler nicht vergessen

Foto: Thorsten Lindekamp / WAZ FotoPool
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Susanne Janßen leitet das Gymnasium Kalkar. Fachwissen über kompetenzorientierte Lehrpläne bringt sie mit.

Kalkar.. So will es das Gesetz. Sobald ein Schulleiter 65 Jahre alt wird, muss er in der gleichen Woche seinen Dienst beenden – auch mitten im Schuljahr. So trat Susanne Janßen am 5. Dezember die Stelle der neuen Schulleiterin des Gymnasiums Kalkar an, führt aber ihre Klasse in Rees noch bis zu den Halbjahreszeugnissen fort. Nach ersten Erfahrungswochen traf die NRZ die Direktorin in Kalkar nun „hochzufrieden“. Viel Kommunikation gehöre zum Job. „Ich bin unheimlich warmherzig aufgenommen worden“, freut sie sich über ein „tolles Leitungsteam“ und rund 50 Kollegen, von denen viele in Teilzeit die 561 Schüler überrichten. Diese Kleinteiligkeit ist es, die Susanne Janßen zu einer Verfechterin des dreigliedrigen Schulsystems machen. Die Möglichkeit, Beziehungen aufzubauen. Obwohl hier in Kalkar im Schulzentrum Gymnasium, Realschule und Hauptschule unmittelbar aneinander grenzen, ein inhaltliches „Bildungszentrum“ beschlossen ist und somit auch andere Schulsysteme denkbar wären. „Gigantische Schulen“ mag sie nicht: zu anonym. „Wir dürfen die guten und besseren Schüler nicht vergessen“, sagt die Frau aus Castrop-Rauxel. Und wenn die Hauptschule Kalkar nicht genügend Anmeldungen bekäme? „Ich glaube, dass Eltern auf Stabilität setzen. Wir sollten in Ruhe abwarten“, so Janßen.

Das Gymnasium hat sich der Förderung Hochbegabter verschrieben, das bedeutet für die fröhliche Lehrerin Umgang mit „verhaltensinteressanten“ Kindern. „Das sind Anfänge inklusiven Unterrichts“. Fachwissen darüber bringt Susanne Janßen als einer der bisherigen Köpfe im Kompetenzteam Kreis Kleve mit, das für Lehrerfortbildung zuständig ist. Das gab sie mit Übernahme der Schulleitung nun auf.

Janßen war aber auch schon vorher Expertin. Die Ruhrgebietlerin hatte beim Lehrerseminar Kleve (Referendarin am Gymnasium Goch) ihren Pfalzdorfer Ehemann kennen gelernt. Eine räumlich nahe Anstellung für beide ließ sich nur in Sachsen finden. In der Nähe von Dresden unterrichteten sie, bekamen ihre Tochter, genossen das östliche Kita-System. Dort entwickelte Susanne Janßen die zentrale Prüfung fürs Abitur im Fach Geschichte, später auch Englisch mit, wurde in die Kommission zur Entwicklung kompetenzorientierter Lehrpläne berufen, zum Sächsischen Staatsinstitut für Bildung und Schulentwicklung abgeordnet, war für Lehrerfortbildung zuständig. Trotz all der spannenden Aufgaben zog doch Heimweh die kleine Familie 660 Kilometer nach NRW zurück. „Kompetenzorientierte Lehrpläne“ findet die Direktorin auch hier faszinierend: In „G8“ stecke noch in vielen Köpfen von Kollegen und Eltern die Frage „Was muss man wissen?“ Sie sieht die Anforderung individueller: „Welche Kompetenz muss das Kind beherrschen?“

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