Grieth – ein blühendes Dorf mit Konzept

Während die Bänke trotz Markttag leer bleiben, stürmen die Griether das Projektbüro der Hochschule Rhein Waal in Grieth - das im Hintergrund zu sehen ist.
Während die Bänke trotz Markttag leer bleiben, stürmen die Griether das Projektbüro der Hochschule Rhein Waal in Grieth - das im Hintergrund zu sehen ist.
Foto: Kleve
Während das Dorfentwicklungskonzept für das historische Rheinstädtchen nun fertig ist, forscht die Hochschule Rhein-Waal mit dem Projekt „Smart Villages“ über Entwicklungsmöglichkeiten fleißig weiter

Kalkar/Grieth.  800 Einwohner sind ein Dorf. Ein idyllisches Dorf am Rhein. Das beschauliche Grieth, wo man seine Ideen für die Gemeinschaft ins Projektbüro trägt – jeden Donnerstag von 9 bis 12.30 Uhr.

Während das jüngst fertiggestellte „integrierte Dorfentwicklungskonzept“ der Stadt Kalkar bald präsentiert wird (siehe Box), lässt der Forschungsstützpunkt der Hochschule Rhein-Waal mit seinem Projektbüro „Smart Villages“ nicht locker. Um wissenschaftlich fundierte „Lösungen zur Zukunftsfähigkeit des Landlebens“ zu entwickeln, öffnet die Grietherin Birgit Mosler die Tür zum „Feldlabor“ am Markt. Denn so beschaulich Grieth auch ist, viele Häuser stehen leer, Geschäfte fehlen. Statt also zum Bäcker zu gehen und dort über die Probleme des Dorfes zu sprechen, lockt es die Griether zu Mosler. Sie setzen sich auf Moslers Sofa, referieren über ihre Ideen und schreiben Verbesserungsideen an die Wandtafel.

Bootsfahrten und Bürgerbus

„Wir haben schon sensationell gute Ideen gesammelt“, eröffnet Mosler das Gespräch, während ihr mal wieder die Hütte eingerannt wird. „In Grieth gibt nichts zu tun. Also hab’ ich mir gedacht: Sowas wie eine Bootsfahrt, die sollte es geben“, erklärt gerade die Grietherin Brigitte Hamann ihre neueste Idee. Ihr sind die Touristen aufgefallen, die am Markt parken und dann nicht wüssten, was es in Grieth zu entdecken gebe. Ein Boot wäre die richtige Attraktion. „Dann muss aber der Müll vom Rheinufer weg“, fährt Hamann fort, „könnten wir dafür nicht Freiwillige finden...“ Bert Meijers nickt, findet die Idee gut und trumpft auf: Warum nicht direkt auch einen Stadtrundgang entwickeln. Historie hat Grieth ausreichend zu bieten: 1254 erhielt Grieth als Hafen der Grafen von Kleve die Stadtrechte, 1540 trat man der Hanse bei.

Nicht nur touristisches, auch Überlegungen zu Dorfläden, Bür-gerbussen, bessere Internetanbindung oder Stadtfesten werden vom Forschungsprojekt – rund um Sprecher Prof. Dr.-Ing. Rolf Becker – erfasst. Seit Jahresanfang wird gearbeitet, erst in den Räumen der Hochschule, seit Juli per Projektbüro vor Ort. Schließt das Büro, werden die Ideen und gesammelten Daten (Hausbefragung durch Studenten) weiter an der Hochschule ausgewertet.

Dass das Ganze ein Forschungsprojekt ist und bleibt – und nicht politische Entscheidungen ersetzt, das muss Mosler ständig neu vermitteln. Ihr werden die Ideen ans Herz gelegt, weil sie immer ansprechbar ist. Sie ist eben aktive Grietherin für Grieth und mischt auch im Arbeitskreis fürs integrierte Dorfkonzept mit. Während das Dorfkonzept aber vom Rat beschlossen und umgesetzt werden kann, ist „Smart Villages“ eben ein praktische Forschung vor Ort. Was die Stadt Kalkar aus den Forschungsergebnissen für Grieth am Ende macht, das liege eben nicht in den Händen der Hochschule.

Draußen vorm Projektbüro, beim Markttag mit dem Bäckereiwagen von Edith und dem Wurst-Fleisch-Wagen von Bernd Kerkhof, gehört die Dorfentwicklung jedenfalls zum festen Themenrepertoire. „Die Politik, die woll’n jetzt handeln. Aber es ist zu spät. Was zu ist, ist zu“, zieht eine ältere Dame ihr persönliches Fazit. Sie zeigt sie von Haus zu Haus, erzählt welcher Laden einst wo war. Davon wissen Ingmar und Andrea Kerkhoff nichts. Sie kennen Grieth so, wie es heute ist: „Wir fanden den Ort malerisch und haben uns ins Haus verliebt.“ Jetzt sind sie Neubürger.

 
 

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