Goch spuckt Gift und Galle

Das Wilhelm-Anton-Hospital in Goch. Foto: Heinz Holzbach / Waz FotoPool
Das Wilhelm-Anton-Hospital in Goch. Foto: Heinz Holzbach / Waz FotoPool
Foto: Kleve

Goch.. Die Gocher Politik geht davon aus, dass die Katholischen Kliniken im Kreis Kleve (KKiKK) eine Schließung des Wilhelm-Anton-Hospitals vorbereiten. In einer eilig einberufenen Pressekonferenz demonstrierten gestern Bürgermeister Karl-Heinz Otto und die sechs Fraktionsvorsitzenden einen parteiübergreifenden Schulterschluss für den Erhalt des Krankenhauses in der zweitgrößten Stadt des Kreises Kleve.

Bürgermeister Karl-Heinz Otto zeigte sich sehr verärgert: „Die Art und Weise, wie Hauptgeschäftsführer Peter Enders mit Informationen umgeht, ist eine Riesensauerei.“ Bis auf den heutigen Tag habe kein Vertreter der Krankenhausgeschäftsführung oder des Aufsichtsrates mit der Gocher Stadtspitze gesprochen: „Alle Überlegungen des Krankenhausverbundes werden hinter dem Rücken der Gocher Politik besprochen“, so Karl-Heinz Otto. Hier werde eine Unternehmenspolitik auf dem Rücken der Gocher Bürger ausgetragen.

Otto rief gestern die Gocher Bevölkerung dazu auf, sich „vehement mit Protesten gegen die Schließung zu wenden“. Er forderte auch den Personalrat und die Belegschaft auf, für den Erhalt des Wilhelm-Anton-Hospitals zu kämpfen. „Ich fordere weiter die Katholische Kirche auf, die Schließungspläne zu überdenken.“ Nach der Frauenkirche dürfe man Goch nicht noch ein weiteres „Schließungsei“ ins Nest legen, so Otto.

Goch hat keine Vertreter im Klinikverbund

Überraschend für viele gab der Bürgermeister gestern bekannt, dass die Gocher in keinem Gremium des Klinikverbundes einen Vertreter haben – weder im Aufsichtsrat, noch in der Gesellschafterversammlung (siehe Hintergrundtext rechts). Dementsprechend gibt es bei der Neuausrichtung des Klinikverbundes keinen Fürsprecher für den Erhalt des Gocher Krankenhauses.

CDU-Fraktionschef Karl-Heinz Bremer spuckte über die Politik der Klinikführung Gift und Galle. „Wie Hauptgeschäftsführer Dr. Enders mit seinen Mitarbeitern und der Gocher Bevölkerung umgeht, ist absolut unverschämt. Auf den Mitarbeiterversammlungen verbreitete er Angst und Schrecken und führte alle Mitarbeiter vor. 14 Tage später stellt er in einer Pressekonferenz wieder alles in Frage und wieder vier Wochen weiter sieht alles erneut anders aus. Wir wissen aus den Gremien, dass er intern ganz anders spricht. So kann man mit den Leuten nicht umgehen.“

Ulrich Knickrehm vom BFG betonte, dass das Krankenhaus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sei. „Die Gocher Politik hat ein Recht darauf, informiert zu werden“, so Knickrehm. Die Grünen-Politikerin Hildegard Fielenbach-Hensel kündigte an, dass ihre Partei, gemeinsam mit den anderen Fraktionen, jetzt die Straße mobilisieren wolle. Proteste und Demonstrationen seien schon in Vorbereitung.

SPD-Mann Klaus-Dieter Nikutowski sieht die Katholische Kirche in der Pflicht: „Wir sehen hier, dass die Kirche wie ein knallhartes, kapitalistisches Unternehmen agiert.“ Nikutowski sieht die gesamte ärztliche Versorgung in Gefahr: „Die Mehrheit der niedergelassenen Ärzte ist bereits über 50. Wir steuern auf Kranenburger Verhältnisse zu.“ In Kranenburg gebe es nur noch einen Arzt.

„Die Kirche agiertkatastrophal“

Auch Ferdinand Heinemann von der FDP vermisst den Einsatz der Kirche, in Person den Aufsichtsratschef Theodor Michelbrink: „Die Art und Weise, wie die Kirche agiert, ist katastrophal.“ Eine Schließung Gochs hätte auch für die anderen Kliniken Folgen. „Möglicherweise fällt Goch als erstes Glied in der Kette.“

Hauptgeschäftsführer Peter Enders betonte gestern gegenüber der NRZ, dass es definitiv keine Beschlussfassung über die Schließung eines Standortes gebe. Dazu benötige es auch eine 90-prozentige Zustimmung der Gesellschafterversammlung.

Bereits vor der Pressekonferenz der Stadt Goch verschickte Enders eine eigene Presseerklärung. Inhalt: „Zum jetzigen Zeitpunkt kann keine konkrete Aussage über die Gestaltung des Verbundes getroffen werden.“

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