Gläubiger beschließen Schuldenschnitt für den 1. FC Kleve

Der Neubau des Stadions hat den 1. FC Kleve in Schwierigkeiten gebracht. Seit Dienstag ist der Verein schuldenfrei. Die Gläubigerversammlung beschloss, dem Club insgesamt 4,4 Millionen Euro Schulden zu erlassen.
Der Neubau des Stadions hat den 1. FC Kleve in Schwierigkeiten gebracht. Seit Dienstag ist der Verein schuldenfrei. Die Gläubigerversammlung beschloss, dem Club insgesamt 4,4 Millionen Euro Schulden zu erlassen.
Foto: NRZ
„Der 1. FC Kleve ist schuldenfrei“, meldet der Insolvenzverwalter. 80 Gläubiger hatten am Amtsgericht über den Insolvenzplan abgestimmt. Nach ihrem Beschluss wird der Fußballclub von den ausstehenden Gesamtforderungen in Höhe von 4,4 Millionen Euro entlastet. Warum der Kämmerer der Stadt nicht zustimmte und wie der Insolvenzverwalter die wirtschaftliche Misere erklärt.

Kleve. Die Mehrheit der Gläubiger des 1. FC Kleve stimmte am Dienstag beim Amtsgericht dem vorgelegten Insolvenzplan zu. Einzig die Stadt Kleve konnte den Vorschlägen des Insolvenzverwalters nicht folgen. Durch den gestrigen Beschluss der Gläubigerversammlung wird der 1. FC Kleve von den ausstehenden Gesamtforderungen in Höhe von 4,4 Millionen Euro entlastet. „Der 1. FC Kleve ist schuldenfrei“, titelte der Insolvenzverwalter am Dienstag in einer Pressemitteilung. Jeder Gläubiger erhält nun 1 Prozent seiner Forderungen.

Grundstücksfrage ist nicht geklärt

Beim Amtsgericht haben sich weit über die Hälfte der 80 Gläubiger an der Abstimmung beteiligt. Kleves Kämmerer Willibrord Haas sagte gestern gegenüber der NRZ: „Wir konnten dem Plan aus zwei Gründen nicht zustimmen: Erstens ist eine Grundstückfrage an der Merowingerstraße noch nicht geklärt [wir berichteten]. Und zweitens lag ein Gutachten über die Haftungsfragen des Vorstandes nicht vor.“ Die Stadt besaß Forderungen in Höhe von 662.000 Euro. „Als Grundstückseigentümer haben wir aber einen Gegenwert in Form der Tribüne und der Flutlichtanlage“, so Haas.

Im Insolvenzplan beschrieb der Insolvenzverwalter noch einmal die Gründe, die zur Misere geführt haben: „Der wirtschaftliche Niedergang steht im engen Zusammenhang mit den [...] sportlichen Erfolgen in den Jahren 2003 und 2009.“ Dieser Erfolg habe einen enormen finanziellen Kraftakt dargestellt, der „nur durch eine Finanzierung der Spielergehälter unter weitreichender Umgehung steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Pflichten möglich war“, heißt es im Plan. Ferner sei der Ausbau des Stadions ursächlich gewesen. „Vor allem die bereits in der zweiten Jahreshälfte 2010 öffentlich diskutierten finanziellen Probleme des Schuldners sorgten dafür, dass der Rat der Stadt Kleve [...] beschloss, den Verein keine weiteren Fördergelder mehr zur Verfügung zu stellen, sowie den bereits ausgezahlten Zuschuss in Höhe von 650 000 Euro für bereits verbaute Leistungen zurückzufordern.“

Im Insolvenzplan werden alle Gläubiger mit ihren Forderungen aufgeführt, darunter Banken und auch Privatpersonen mit sechsstelligen Beträgen, und auch das Finanzamt wird mit einem hohen sechsstelligen Betrag genannt.

Haas: Absprachen nicht eingehalten

Der 1. FC Kleve kann nun einen Schlussstrich unter die Misere ziehen. Der Gesamtetat wurde auf 185.000 Euro gekürzt. In den Hochzeiten hantierten man mit einem Millionenetat. Der Insolvenzverwalter freut sich: „Dieser Verein hat die zweite Chance verdient“, so Eberhard Stock, der seit 2011 die Geschicke leitet.

„Das ist natürlich ein Super-Ergebnis“, jubelte auch Christoph Thyssen, Vorsitzender des 1. FC Kleve, und ergänzte: „Nachdem fünf Gruppen gebildet wurden, lautete das Ergebnis der Abstimmung 5:0 für den Insolvenzplan – nach Köpfen und Summen.“

Ganz so fröhlich sieht Kleves Kämmerer Willibrord Haas die Lage noch nicht: „Nein, nein, da gibt es noch keinen Schlussstrich. Die Grundstücksfrage ist noch offen. Das Thema wird uns leider noch weiter beschäftigen.“ Wie berichtet besitzt der 1. FC Kleve ein Grundstück an der Merowingerstraße, welches mit knapp 200.000 Euro belastet ist. Der Stadt Kleve wurde aber vor Jahren von einem früheren Vereinvorstand zugesichert, dass das Grundstück lastenfrei der Stadt übertragen wird. Der Anspruch auf Rückübertragung wurde damals ins Grundbuch eingetragen. So genannter Grundpfandgläubiger ist unter anderem die Volksbank Kleverland.

Eine Einigung sollte noch vor dem Termin am Dienstag unter der Leitung des Insolvenzverwalters erfolgen. Dies ist nicht geschehen. Willibrord Haas wirft dem Verwalter vor, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben.

 
 

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