Gesamtschule plus Sekundarschule?

Kleve/Bedburg-Hau/Kranenburg. Die Bezirksregierung nimmt Elternwillen in den Mittelpunkt. Falls es eine neue Umfrage gibt, steigt Bedburg-Hau aus.

Eine Gesamtschule plus zwei Sekundarschulen – dieses Modell gibt die Bezirksregierung den drei Kommunen Kleve, Bedburg-Hau und Kranenburg zu bedenken. Gestern saßen zum ersten Mal alle vier Partner zusammen an einem Tisch zum Thema: Zukunft der Schullandschaft.

Die lokalen Verwaltungsvertreter verraten nichts: „Das offene Gespräch hat noch zu keinem Ergebnis geführt“. Doch auf NRZ-Anfrage wird die Bezirksregierung deutlicher. Sie akzeptiert das Ziel der drei Gesprächspartner zu interkommunaler Zusammenarbeit im Schulbereich. Aber die Aussage allein, man wolle drei Sekundarschulen, alle ohne Oberstufe, schaffen und mit den Gymnasien und dem Berufskolleg in Kleve kooperieren, reichte diesmal nicht.

Noch vor den Sommerferien sei doch von Errichtung einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe / zwei Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe die Rede gewesen. „Angesichts des festgestellten Elternwillens“ von der Umfrage unter allen Kindergarten- und Grundschuleltern vor zwei Jahren (als 60 Prozent eine Gesamtschule wollten), regte die Bezirksregierung jetzt an, eine Gesamtschule in Trägerschaft der Stadt Kleve zu errichten und darüber hinaus noch zwei Sekundarschulen in Trägerschaft von Kleve mit Kranenburg beziehungsweise Kleve mit Bedburg-Hau.

Die Bezirksregierung betonte, dass der Elternwille „entscheidend in den Fokus genommen werden müsse; dieser müsse auch im Hinblick auf die Errichtung von drei Sekundarschulen abgeklärt werden“, heißt es aus Düsseldorf.

Kleve verwies wohl darauf, dass die Elternumfrage zwei Jahre alt sei. Also eine neue Umfrage? Da mache Bedburg-Hau nicht mit, gab Bürgermeister Peter Driessen seinen Kollegen direkt bekannt. Die Hauptschule mit sinkenden zahlen (18 Anmeldungen) brauche jetzt eine Lösung.

„Kinder in Kästchen“

Und. „Wir haben schon eine Gesamtschule“ (Bedburg-Hau ist zahlendes Mitglied im Zweckverband Gesamtschule Mittelkreis in Goch). „Eine zweite brächte keinen Mehrwert für unsere Kinder,“ antwortet Driessen der NRZ. Er müsse dann der Politik von einer Kooperation mit Kleve abraten. Ihm gefällt allerdings auch nicht ein Nebeneinander von Gesamtschule und Sekundarschulen. Das stecke „wieder Kinder in Kästchen“. Er fände den Gedanken „genial“, dass Schüler von der 5. Klasse bis zum Abitur in einer Schulform „durchstarten“ könnten.

Kleves Schulverwaltungsamtsleiterin Annette Wier erinnert, dass sich der Rat offen hielt, ob es drei Sekundarschulen oder eine Gesamtschule errichten werde. Die Details prüfe jetzt die Behördenleitung in Düsseldorf. Man erwarte „kurzfristig“ Antwort.

Kranenburgs Bürgermeister Günther Steins will kooperieren. „Auszusteigen wäre demografisch unklug. Aber das Bedürfnis der Eltern wächst, Klarheit zu haben.“ Bei drei Sekundarschulen böte sich Kranenburg als zweizügige Dependance einer dreizügigen Stammschule in Kleve an.

Laut neuem Schulgesetz werden zur Gründung einer Gesamtschule 100 Anmeldungen (zuvor 116) aus Kleve nötig sein.

 
 

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