Gegen Güterzüge

Astrid Hoyer-Holderberg
Foto: WAZ FotoPool

Kreis Kleve. Völlig überrascht wurden die Bürgermeister und Stadtvertreter der linksrheinischen Kommunen von der NRZ-Nachricht am Samstag: Das Bundes-Umweltamt bringt eine linksrheinische Güterzug-Linie ins Gespräch.

Aus Rotterdam ins Ruhrgebiet als mögliche „Alternative“ für die umstrittene und von Bürgerinitiativen bekämpfte Betuwe-Linie. So heißt es in der 180 Seiten starken Studie „Schienenverkehr 2025/ 2030“.

Kleves Bürgermeister Theo Brauer ist „mehr als verwundert“, dass jemand „Zeit hat, sich damit zu beschäftigen“. Denn es sei eine „nie vorstellbare Option“. Der Verfasser habe sich offenbar nicht mit lokalen Rahmenbedingungen, Natur und Raumplanung befasst. Mögliche Schwierigkeiten rechtsrheinisch könne man „nicht im Raum Kleve korrigieren wollen. Ich würde mich an die Spitze einer Protestbewegung setzen“, falls das ernst gemeint sei.

„Nie
vorstellbar“

„Völlig abstrus“ findet man auch im Rathaus Goch die Idee, ein zweites Gleis für den Güterverkehr zu legen. Das beträfe Brücken, Grundstücke am Kastell, Bahnübergänge. „Das ist ein nicht zu Ende gedachter Vorschlag. Sollte er doch konkret werde, werden wie unsere Bürger schützen“, sagt der Rathaus-Sprecher Torsten Matenaers im Namen der Verwaltung. Man könne nicht rechtsrheinisch Bewohner entlasten, indem man linksrheinisch Bürger belaste.

Bedburg-Haus Bürgermeister Peter Driessen verändert den gedanklichen Ansatz: Wegen der Betuwe-Linie müsse der Personennah- und Personenfernverkehr eventuell eine alternative Trasse finden. „Das wäre mein Petitum“. Die einst stillgelegte Verbindung Rotterdam-Österreich zu reaktivieren mache den Niederrhein zügig konkurrenzfähig – „warum nicht auf alten Trassen?“ Er erinnert an die Studie des Nahverkehrszweckverbandes Anfang der 90er Jahre .

Kosten könnten eine
Stadt „umbringen“

135 Millionen D-Mark seien damals für Ausbauten als „nicht finanzierbar“ eingestuft worden. Heutige Pläne der Betuwe könnten „eine Stadt umbringen“, sieht er die aktuellen Summen.

Weezes Bürgermeister Ulrich Franken hält die Idee für „schier unmöglich. Wir haben die gleichen innerstädtischen Probleme wie die andere Betuwe-Linie. Eine Verbindung Nimwegen-Kleve wäre schön und gut, zum Flughafen. Aber wir möchten keinen Güterverkehr hier haben“, sagt Francken.

In Kevelaer wie in Emmerich zerschneidet die Bahn die Stadt. Kevelaer ersehne lange schon eine Untertunnelung, aber nicht für solche Verkehrs-Dimensionen. Für Pilger in der Wallfahrtsstadt sei zusätzlich Güterverkehr mit viertelstündige Wartezeiten an Schranken nicht zumutbar, sagt Verwaltungsvertreter Marc Buchholz. „Kevelaer entscheidet nicht allein, sondern würde sich mit den anderen Kommunen und in Bürgermeisterkonferenzen abstimmen.“