Für die Manager von morgen

Dr. Joachim Rasch ist Wirtschaftsförderer in Kleve
Dr. Joachim Rasch ist Wirtschaftsförderer in Kleve
Foto: NRZ
Existenzgründer bekommen im Technologiezentrum Starthilfe. Joachim Rasch: „Wir wollen die Menschen am Ort halten und ihre Ideen auch“

Kleve.  Wir wären gern Manager oder unser eigener Herr – mit diesem Ziel treten junge Existenzgründer an. In drei „Technologie-Zentren“ im Kreis, in Kleve, Kalkar und Geldern, wird ihnen der Einstieg ins Wirtschaftsleben erleichtert. Da hat man Büro, Computer, preiswerte Miete, sachkundige Beratung und Gleichgesinnte, mit denen man sich austauschen kann, während man die Kaffeetasse in die zentrale Spülmaschine räumt.

Von außen sieht man dem kleinteiligen Gebäude in Leichtbauweise in Kleve gar nicht an, dass es 480 Quadratmeter Nutzfläche hat. Rund 40 Firmen sitzen im TZK an der Boschstraße 16 in ihren Büros, teils 12 Quadratmeter, teils 20 qm, teils größer. Manche sind im Laufe der Zeit expandiert, mieteten nebeneinander liegende Räume, durch Türen verbunden. Man ist flexibel.

„Wir waren 1986 eines der wenigen Technologiezentren, das ohne eine Hochschule gegründet wurde“, sagt Dr. Joachim Rasch, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgellschaft der Stadt Kleve und ehrenamtlicher Geschäftsführer des TZK (gemeinsam mit dem neuen IHK-Chef Dr. Andreas Henseler). Nun, da Kleve eine Hochschule hat, überlege die Stadt, in der Unterstadt ein neues TZK zu realisieren. „Das funktioniert nur, wenn die Hochschule intensiv mitspielt“, sagt Rasch. Mit den Bereichen Ökonomie und dem Forschungszentrum laufen Kontakte. Dr. Rasch schlägt außerdem vor, dass er einmal im Semester vor den Wirtschaftsstudenten über Existenzgründung referieren könne. Das Technologiezentrum will „die Menschen am Ort halten und ihre Ideen auch." Das sei das Ziel.

Aus der Hochschule heraus gab es bisher zwei Firmengründer, die das TZK im Industriegebiet am Tweestrom nutzten: ein Inder, der medizinische Artikel aus dem Handel seines Vaters in Indien auch hier vertrieb – er hat inzwischen ein Büro anderswo eröffnet. Und ein junger Erfinder, der mit einem magnetischen Bierdeckel-Halter die Brauereien für sich interessiert. Ein Erfolg. „Da hätte ich mich getäuscht; ich glaubte nicht daran“, gesteht Rasch. „Drum ist es wichtig, dass jeder für seine Sache kämpft und nicht aufgibt“.

Sprungbrett für die Zukunft

Von Anfang an war „Technologie“ zwar der Titel, aber nicht der Inhalt. Viele Dienstleister nahmen hier ihren Anfang. „Dafür war Kleve zu klein“, urteilt Rasch. Ein „Gründerzentrum“ ist es vielmehr. Die Fluktuation ist hoch, „das muss sie sein“. Denn das TZK versteht sich als Sprungbrett. Mieter sollen nach etwa zwei Jahren das Haus wieder verlassen und auf eigenen Füßen stehen. Wer länger bleibt, soll demnächst vermutlich etwas mehr als die Start-Gebühr von 4,85 Euro Miete pro Quadratmeter zahlen, überlegt man im TZK.

Freie Räume gibt es immer, für schnelle Hilfe. Seit Januar ist auch wieder die Werkhalle frei geworden (300 qm). Nachnutzer gesucht.

„Jeder Unternehmensgründer ist erst mal Einzelkämpfer“, weiß Dr. Joachim Rasch, Geschäftsführer im TZK Kleve. Aber Tipps, wie man etwa einen Jahresabschluss rechnet, finden sie im Haus: Die Industrie- und Handelskammer ist dort untergebracht, das „Starterzentrum“, das von IHK, Handwerkskammer und Kreis Kleve getragen wird, und die Wirtschaftsförderung der Stadt.

Sie gewähren flankierende Hilfen, kostenlose Beratung auch zum Businessplan und Fördermitteln sowie einen zentralen Kunden-Empfang, zentralen Telefon- und Postservice. Nur „die Geschäftsidee muss von selbst tragen“, so Rasch. Vorträge und Veranstaltungen („Unternehmerfrühstück“) bringen Interessen zusammen.

Über 140 Anfänger hatten ab hier Erfolg. Natürlich nicht alle TZK-Mieter. „Manche unterschätzen die Startphase. Man muss ja immer in finanzielle Vorleistung treten, bis man bei der ‘Null’ angelangt ist und danach Verdienst macht. Man muss durchs Tal. Der Fehler ist häufig, dass zu wenig Reserven eingebaut wurden für Unvorhergesehenes“.

 
 

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