Friedhoff verlässt den Bundestag

Paul K. Friedhoff saß fast 20 Jahre im Bundestag. Jetzt legt er sein Mandat nieder.  Foto: Thorsten Lindekamp
Paul K. Friedhoff saß fast 20 Jahre im Bundestag. Jetzt legt er sein Mandat nieder. Foto: Thorsten Lindekamp
Foto: NRZ
Am Dienstag, 24. April, informierte der 69-Jährige seine Fraktionskollegen. Die Gesundheit zwingt das liberale Urgestein zum Rückzug.

Kleve/Berlin.. Geahnt hatten es schon viele, nicht nur engste Parteifreunde. Paul K. Friedhoff, Ur-Liberaler und Unternehmer aus Leidenschaft, legt zum 30.April sein Bundestagsmandat nieder. „Ich bin auf dem Weg nach Berlin“, sagte der 69-jährige Politiker gestern im NRZ-Telefonat. Nachdem schon auf dem Parteitag am Wochenende über sein Ausscheiden gesprochen wurde, informierte er gestern in Berlin seine Fraktionskollegen.

Unternehmer schuf Hunderte Arbeitsplätze

Leicht, das weiß jeder, der ihn kennt, ist Friedhoff die Entscheidung nicht gefallen. Doch sein Gesundheitszustand erlaube es nicht mehr, dass er sein Mandat weiter ausübt, hieß es gestern. „Ich werde jetzt zwischen Kleve und unserem Hof in Huckelrieden pendeln“, erzählte er.

Gerade Kleve hat diesem Mann viel zu verdanken. Gründete er doch Ende der 1970er Jahre in seinem Keller die Firma Spectro, schuf so im Laufe der Jahre eine Unternehmensgruppe mit weltweit über 500 Mitarbeitern. Eine Niederlassung gründete der Vollblut-Unternehmer auch an der Ostküste der Vereinigten Staaten in Fitchburg – und legte so den Grundstein für die heutige Städtepartnerschaft.

Doch Friedhoff reichte das alles nicht. Er wollte seine politischen Ideen verwirklichen, nicht nur in Kleve, auch in Berlin. Fast 20 Jahre saß er für die FDP im Bundestag – und wäre Anfang der 90er Jahre sogar beinahe Bundeswirtschaftsminister geworden. Lange Jahre war der Diplom-Ingenieur als Nachfolger von Otto Graf Lambsdorff wirtschaftspolitischer Sprecher seine Bundestagsfraktion, außerdem auch Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie.. Im NRW-Landesverband übernahm er in schwierigen Zeiten das Amt des Landesschatzmeisters.

Dass er Politiker mit Leib und Seele ist, hat Friedhoff immer wieder unter Beweis gestellt, auch mit der von ihm ins Leben gerufenen Krönung des „Liberalen Spargelkönigs des Oldenburger Münsterlandes“. Seit 1998 reisten Prominente, aber auch Nachbarn auf den Hof, um mit ironischen Untertönen den politischen Zeitgeist zu kommentieren.

Dabei vergaß Friedhoff nicht seine Wahlheimat Kleve – und gehörte quasi so nebenbei, nach dem Spectro-Verkauf an den US-Konzern Ametek, zu den Mitbegründern eines neuen Spektrometer-Herstellers: Quantron. Der ist mittlerweile in Kalkar ansässi g. Es ist Friedhoffs Verdienst, dass Kleve heute in der Branche als „Spektro-Valley“ bekannt ist. Ein besonders Highlight erlebte die Schwanenstadt anlässlich eines Empfangs zum 65.Geburtstag von Friedhoff. Über 600 Gäste folgten damals der Einladung.

Berechenbar und gradlinig

Was damals noch niemand ahnte: Friedhoff gehörte Jahre später neben anderen zu den Strippenziehern für die Ansiedlung der Hochschule, nicht zuletzt dank seiner hervorragenden Kontakte zur damaligen Landesregierung.

Jetzt, mit 69 Jahren, will sich Paul K. Friedhoff erst einmal auf seinen Hof zurückziehen. Walter Hirche, 2003 FDP-Chef in Niedersachsen, hatte es zum 60. Geburtstag von Friedhoff damals so formuliert: „Paul Friedhoff steht für Berechenbarkeit und Gradlinigkeit. Typen wie ihn brauchen wir mehr denn je.“ Friedhoff, der von 2002 bis 2005 nicht im Bundestag saß, wirke auf ihn wie ein römischer Senator, der sich nach getaner Arbeit auf sein Anwesen zurückgezogen hat, sagte Hirche damals.

Was er nicht wusste: Das liberale Urgestein zog’s noch mal nach Berlin. Jetzt sagt der „Senator“dem politischen Berlin aber endgültig Adieu.

 
 

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