Freiwilliges Engagement im Konflikt mit der Arbeit

Im Kreis Kleve lastet der Brandschutz allein auf freiwillgen Schultern. Im Bild: Der Brand beim Holzhandel Dorsemagen im November in Kleve. Foto: Thorsten Lindekamp
Im Kreis Kleve lastet der Brandschutz allein auf freiwillgen Schultern. Im Bild: Der Brand beim Holzhandel Dorsemagen im November in Kleve. Foto: Thorsten Lindekamp
Foto: WAZ FotoPool
Bei der Freiwilligen Feuerwehr muss manches Mitglied für den Job zurückstecken. Auch die Demografie wird bald zuschlagen.

Kreis Kleve.. Für die Freiwillige Feuerwehr wird es immer schwerer, die Mannschaftsstärke fern der größeren Städte im Kreis Kleve zu halten. Kameraden pendeln längere Wege zwischen Heim und Beruf, die Feuerwehr überaltert – und mit manchem Arbeitgeber geht die Auseinandersetzung bis hin zur Frage: Job behalten oder weiter bei Bränden und Autounfällen ausrücken? Nachdem die Kündigung eines Mitglieds der Freiwilligen Feuerwehr wegen seiner Einsätze in Oberhausen für Aufsehen gesorgt hat, bestätigt Kreisbrandmeister Paul-Heinz Böhmer: „Probleme mit Arbeitgebern sind nicht von der Hand zu wischen. Ja, wir haben auch im Kreis Kleve erlebt, dass Kameraden sagen: ‘Es hängt mein Job dran’.“

Konkrete Fälle möchte er nicht nennen. Wehrführer suchten dann zu vermitteln. Klappt es aber nicht, „müssen wir die Einsätze eben auf Feierabende und Wochenenden beschränken“. Wohl wissend, dass gesetzlich sowohl vorgeschrieben ist, Angestellte für Einsätze freizustellen – als auch die Möglichkeit, sich bei den jeweiligen Gemeinden die Lohnkosten erstatten zu lassen.

Böhmer sucht dennoch ungern den Konflikt. „Wenn ich mir einen Kfz-Schlosser vorstelle, mit einigen Angestellten: Geht da ein Mann weg für seinen Einsatz und das Auto wird nicht zum Termin repariert – da ist natürlich die Frage, ob auch der Kunde Verständnis hat.“

Bedburg-Haus Feuerwehrsprecher Michael Hendricks rät Unternehmern dennoch, auch den größeren Nutzen zu sehen. „Wenn Menschen freiwillig diesen Dienst machen, weiß man doch, dass sie absolut leistungsbereit und willig sind, sich einzubringen. Von solchen Eigenschaften profitiert auch eine Firma.“

Generell sinke die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren. Und wenn Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr weit entfernt von ihrer Heimatwache berufstätig seien, schaffen sie es während der Arbeitszeit kaum noch zu einem Einsatz. „Die Hilfsfrist, die wir schaffen müssen, ist, dass acht Minuten nach dem Alarm zehn Leute am Einsatzort sind“, sagt Hendricks. Kreisbrandmeister Böhmer: „In ländlichen Gegenden ist das oft nur zu schaffen, wenn automatisch die Nachbargemeinden nachalarmiert werden.“

So kämpft die Feuerwehr längst um jeden Mann. 2548 Aktive zählt sie im gesamten Kreis. „Die Lage ist zwar noch stabil seit 2003, aber vor allem, weil wir in diesen Jahren immer mehr Jugendfeuerwehren gegründet haben“, so Böhmer. „Wir rekrutieren längst die meisten neuen Mitglieder aus der Jugend, sind da in Konkurrenz zu Musik- und Sportvereinen.“ Die Demografie mag die Freiwillige Feuerwehr im Kreis Kleve später als anderswo in NRW einholen. Aber sie wird es. „In den nächsten zehn Jahren geht ein sehr starker Jahrgang“, weiß Böhmer. „Da gibt es Alterslöcher, die bekommen wir nicht mehr gestopft.“

Für Städte könne das schnell zur teuren Angelegenheit werden. Kann eine Freiwillige Feuerwehr nicht mehr die Hilfsfrist schaffen, muss eine Berufsfeuerwehr her. „So eine Wache in Kleve müsste mindestens 25 Mann haben“, sagt Böhmer. „Alles Beamte. Und in der Regel ist das nur der Anfang. Hilden ist mit 55 000 Einwohner nur wenig größer und hat 50 Mann bei der Feuerwehr.“

Mannschaftsstärken

Nach den aktuellsten Zahlen der Freiwilligen Feuerwehr von Ende 2010 verteilen sich die aktiven Mitglieder in den Gemeinden des Nordkreises wie folgt: Kalkar (180), Kevelaer (207), Bedburg-Hau (159), Goch (262), Kleve (279), Kranenburg (153), Uedem (74) und Weeze (81).

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