Flughafen in Weeze hat Stress mit Ryanair

Ryanair zieht drei von neun Maschinen vom Niederrhein ab.
Ryanair zieht drei von neun Maschinen vom Niederrhein ab.
Foto: Thorsten Lindekamp
Der Flughafen in Weeze ist völlig abhängig von Ryanair. Das Verhältnis ist allerdings angespannt. Die irische Fluggesellschaft zieht drei ihrer neun Maschinen vom Niederrhein ab. Offenbar haben die Flughafenverantwortlichen sogar über rechtliche Schritte wegen Vertragsbruchs nachgedacht.

Kleve/Weeze.. Ryanair und der Flughafen in Weeze – das ist eine recht wechselvolle Beziehung. Die irische Fluggesellschaft, von der das Wohl und Wehe des Airports abhängt, hat in den vergangenen Jahren maßgeblich zum Erfolg des Airports beigetragen. Aktuell bringt sie ihn jedoch in arge Bedrängnis, weil sie drei ihrer neun Maschinen abzieht und gleich 18 von 57 Strecken für den Sommerflugplan streicht.

Der Geduldsfaden der Flughafen-Verantwortlichen wird deswegen offenbar immer dünner. Wie aus einem Protokoll des nicht-öffentlichen Teils der Kreistagssitzung vom 20. Februar hervorgeht, das jetzt auf „kleveblog“ veröffentlicht wurde, haben die Flughafengesellschaft und der Aufsichtsrat sogar erwogen, mit rechtlichen Schritten gegen Ryanair vorzugehen. Die irische Fluggesellschaft wird demnach des Vertragsbruchs bezichtigt. Flughafengeschäftsführer Ludger van Bebber räumt ein, dass das Verhältnis zu Ryanair alles andere als spannungsfrei ist: „Wir haben unterschiedliche Auffassungen zu Vertragsauslegungen“, sagt er diplomatisch. Allerdings betont er, dass „wir uns jetzt wieder geeinigt haben“. Sprich: Eine Klage, wie sie noch Mitte Februar im Raum stand, ist offenbar vorerst vom Tisch geräumt.

Weniger Passagiere in diesem Jahr

Laut Vertrag, so ist dem Protokoll der Kreistagssitzung zu entnehmen, müsste Ryanair am Flughafen in Weeze in diesem Jahr 3,3 Millionen Passagiere befördern. Tatsächlich werden es wesentlich weniger. Die Iren rechnen für 2014 nach eigenen Angaben mit zwei Millionen Passagieren, Flughafenchef van Bebber mit 1,8 Millionen. Den Flughafen koste das in diesem Jahr fünf Millionen Euro, heißt es in dem Kreistagsprotokoll.

Die Lücke muss jetzt gestopft werden. Wie die NRZ berichtete, will der Kreis deswegen für 3,5 Millionen Euro ein 50 Hektar großes Grundstück vom Flughafen kaufen, auf dem sich ein Solarpark befindet. Morgen sollen die Kreistagsmitglieder über das Geschäft abstimmen. Landrat Wolfgang Spreen hatte bei der Kreistagssitzung im Februar offenbar eindringlich deutlich gemacht, wie sehr der Flughafen auf frisches Geld angewiesen ist: Im Protokoll wird er mit den Worten zitiert, der Flughafen befinde sich in einer „existenziellen Krise“. Der Bund der Steuerzahler hält das geplante Geschäft für vertretbar: „Der Flughafen verkauft sein Tafelsilber. Das ist keine echte Subvention und deshalb auch keine Verschwendung von Steuergeldern“, so Eberhard Kanski vom Landesverband der Steuerzahler-Lobbyisten.

Ryanair zieht drei Flugzeuge ab

Wann Ryanair sich wieder stärker in Weeze engagiert, ist offen. Zwar betont Sprecherin Svenja Damzog, dass der Flughafen trotz der Luftverkehrssteuer, die vor allem Niederländer abschreckt, „keinesfalls uninteressant für uns geworden ist“. Ob aber schon im nächsten Jahr der Maschinenpark in Weeze wieder aufgestockt werde, sei „noch nicht klar“. Ryanair zieht die drei Flugzeuge vom Niederrhein zu anderen europäischen Flughäfen ab und wartet auf die Auslieferung von insgesamt 175 neuen Maschinen. Diese Auslieferung soll laut Damzog erst Ende 2019 abgeschlossen sein.

Flughafengeschäftsführer Ludger van Bebber ist trotz allem optimistisch. „Wir lösen das betriebswirtschaftlich“, sagt er. Dazu müsste die gesamte Kostensituation am Flughafen überprüft werden. Die Arbeitsplätze der 92 Beschäftigten der Flughafen GmbH seien aber nicht gefährdet, beteuert van Bebber. Allerdings sagt er auch: „Wir müssen davon ausgehen, dass wir unser Geschäftsmodell auf geringere Umsätze einstellen müssen.“

Landrat Wolfgang Spreen wollte sich auf NRZ-Anfrage nicht zu den Problemen des Flughafens äußern. Er verwies darauf, dass die Angelegenheit nicht-öffentlich behandelt werde, so wie es in der Kreisordnung vorgesehen sei.

 
 

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