Flüchtlinge lernen fietsen

Fahrradkurs für Flüchtlinge in Goch.
Fahrradkurs für Flüchtlinge in Goch.
Foto: NRZ
Am Samstag endete ein zehnwöchiges Fahrradtraining der Verkehrswacht Kleve für Flüchtlingsfrauen. Ein Musterbeispiel für erfolgreiche Integrationsarbeit

Goch..  Sie kommen aus Syrien, Eritrea, Albanien, dem Irak oder Afghanistan. Frauen, die mit ihren Männern und Kindern als Flüchtlinge oder Asylbewerber aus unterschiedlichen Gründen aus ihrem Heimatland geflohen sind und zu den etwa 600 Menschen gehören, die von der Stadt Goch aufgenommen wurden. Doch mit der Erstversorgung und der Unterbringung ist es lange nicht getan: gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Bürgern hat die Stadt Goch seit 2015 ein funktionstüchtiges Netzwerk aufgebaut, welches um vielseitige Angebote für Flüchtlinge bemüht ist.

In die Pedale treten

„Neben Integrations- und Alphabetisierungskursen erreichten wir mit unseren Angeboten, die sich unter anderem speziell an Flüchtlingsfrauen richten, einen besonders großen Zulauf“, sagt Monika Riße, die für die Koordination und Vernetzung des Programmspektrums zuständig ist. Die ausgebildete Ethnologin trägt ihren Job nicht nur mit vollstem Verantwortungsbewusstsein, sondern auch mit viel Herz und Freude an der Sache. Sie ist begeistert, welch große Fortschritte die Teilnehmerinnen des Fahrradtrainings innerhalb der vergangenen zehn Wochen auf dem Schulhof der Astrid-Lindgren-Schule in Goch gemacht haben. „Die hauptsächlich aus Afghanistan stammenden Frauen sind immer sicherer auf dem Fahrrad unterwegs und beherrschen sowohl Technik als auch Motorik“, so die 50-Jährige.

Auch Fatemeh Rezaie (9) nimmt an dem Fahrradkurs teil. Sie hat den ganzen Sommer mit ihrer Mutter und den beiden älteren Schwestern in die Pedalen getreten und nach neun Monaten in Deutschland die Sprache so gut beherrscht, dass sie die Anweisungen des Kursleiters allen Teilnehmerinnen fließend ins Persische übersetzen kann.

Norbert van de Sand klatscht in die Hände und bittet um Aufmerksamkeit für seine Anweisungen, denn heute sollen alle gelernten Techniken auf dem Rad nochmals vorgeführt werden. Der ehemaligen Grundschulleiter aus Kalkar freut sich über den Mut der Mädchen und Frauen, die sich – zum Teil erstmals in ihrem Leben – auf einen Fahrradsattel gesetzt und die Koordinationsaufgaben bewältigt haben. „Anfangs mussten wir die Pedale abmontieren, damit die Teilnehmerinnen ein Gefühl für die Fortbewegung auf einem Zweirad bekommen konnten“, erinnert sich der 69-Jährige.

Glücklicherweise kann er sich jederzeit auf die Hilfe der anwesenden Ehrenamtlichen aus Goch verlassen, zu denen beispielsweise Ingo Driever gehört, der sich mit seinen praktischen Fähigkeiten innerhalb dieses Projekts gerne einbringt. Am Rand des Parcours zieht er einen neuen Mantel auf das Hinterrad eines Kinderfahrrads und montiert anschließend alles sachgerecht, schließlich solle ein Fahrrad nicht nur funktionstüchtig, sondern auch sicher sein, so Driever.

Im deutschen Schilderwald

Nach dem praktischen folgt in der letzten Stunde noch ein theoretischer Teil innerhalb eines Klassenzimmers, welches der Hausmeister am Samstagvormittag extra für den Kurs aufgeschlossen und zur Verfügung gestellt hat. Heute, wo alle in der Lage sind, ihr Fahrrad zu beherrschen, steht noch die Schilderkunde auf dem Programm. Die Teilnehmerinnen sollen auch in der Bedeutung der Straßenbeschilderung geschult sein.

Doch der Höhepunkt steht noch bevor. Alle Flüchtlingsfrauen, die mindestens an fünf Kurseinheiten teilgenommen haben, bekommen unter begeistertem Applaus eine Urkunde von der Verkehrswacht Kleve ausgehändigt, die ihnen den Erfolg am Fahrradkurs zertifiziert. Voller Glück und Stolz betrachten sie ihre Bescheinigungen und freuen sich darauf, mit dem Fahrrad auf den Gocher Straßen zu fahren.

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