Feuerwehrmann ist Vogelschlagbeauftragter am Flughafen Weeze

Christoph Reichelt ist Vogelschlag-Beauftragter am Flughafen in Weeze.
Christoph Reichelt ist Vogelschlag-Beauftragter am Flughafen in Weeze.
Foto: NRZ
Christoph Reichelt sorgt am Flughafen Weeze dafür, dass Vögel und Flugzeuge nicht zusammenstoßen. Denn Vögel im Triebwerk bilden eine große Gefahr.

Weeze. Als Feldlerche könnte man sich auch einen schöneren Brutplatz denken. Aber irgendwie scheint es den Vögeln im hohen Gras an der Flughafen-Startbahn zu gefallen. Mit einem ohrenbetäubenden Lärm donnert die RyanAir-Maschine über die Bahn zum Start in die Lüfte. Dazwischen hört man das Gezwitscher der zahlreichen Wiesenvögel. Was sich auf dem ersten Blick so nett anhört, ist für die Flugbranche eine echte Gefahr. Selbst kleine Vögel, die in Triebwerke landen, werden für die größten Maschinen zu einem Problem, das bis zum Absturz führen kann. Weltweit geben Flughäfen Unsummen für die Verbrämung von Vögel aus. In Weeze ist Christoph Reichelt dafür verantwortlich, dass der Flugverkehr nicht behindert wird.

14 Mann im Einsatz

Der 54-Jährige Feuerwehrmann arbeitet seit 2003 als so genannter Vogelschlagbeauftragter in Weeze. Mit allen möglichen Tricks versucht Reichelt, den zahlreichen Vogelarten auf dem Airport-Gelände das Leben schwer zu machen: „Wenn eine Gans in ein Triebwerk fliegt, dann ist das sehr gefährlich. Der Pilot merkt das sofort. So eine Kollision kann im schlimmsten Fall zum Ausfall eines Triebwerkes führen“, verdeutlicht Reichelt.

Gänse sind auf dem Flughafengelände in Weeze zum Glück nicht das ganz große Problem. Das sind eher die Wiesen- und Greifvögel. „Dohlen und Krähen sind sehr intelligent, die merken die Gefahr und verschwinden sofort, wenn ein Flugzeug startet. Entenvögel sind da gefährlicher. Die schalten bei Gefahr auf Angriff und fliegen auf die Flugzeuge zu“, erzählt Reichelt. Wenn sich Enten am Flughafen niederlassen, herrscht hier Alarmstufe rot. Auch Tauben sind für Piloten gefährlich – weil sie die Gefahr für sich oft nicht erkennen.

Christoph Reichelt muss nicht gleich das Gewehr zücken, um die Vögel zu verscheuchen. „Einen Abschuss machen wir nicht. Viele Vogelarten sind ja auch geschützt“, sagt Reichelt. Er versucht es eher auf die sanfte Tour: So wird das Gründlang nie tiefer als 20 Zentimeter gemäht, damit sich die Vögel nicht darin wohlfühlen. Auch Wasserlachen werden rund um den Flughafen sofort beseitigt.

Bei 10.000 Flugbewegungen zwei bis vier Kollisionen

Eine halbe Stunde vor dem Start machen sich Christoph Reichelt und seine insgesamt 13 Kollegen in Zwei-Mann-Schichten auf den Weg, um das 70 Hektar große Gelände zu kontrollieren. Mit Megafon und Autohupe werden die Tiere verscheucht. Wenn die Aufforderung deutlicher werden soll, dann greift Reichelt auch schon mal zur Signalpistole. Mit 178 dB (A) ist der Knall lauter als ein startendes Düsenflugzeug (120 dB (A)). „Allerdings kann man die Signalgeräte auch nicht immer einsetzen, sonst stellt sich bei den Tieren ein Gewöhnungseffekt ein“, sagt Reichelt.

Wenn ein Flugzeug von einem Vogel getroffen wird, meldet der Pilot den Vorfall an den Tower. Reichelt und seine Kollegen nehmen dann den Schaden auf und sprechen mit dem Piloten. Die Vogelschlagrate sei gering: „Bei 10.000 Flugbewegungen kommt es zu zwei bis vier Kollisionen mit einem Vogel“, so Reichelt. Sein bester Freund ist übrigens der Fuchs. „Der Fuchs ist ein natürlicher Feind und frist die Gelege der Bodenbrüter“, sagt Reichelt. Das sei auch in Ordnung so, denn das sei schließlich Natur: fressen und gefressen werden.

 
 

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