Feucht-fröhliche Rutschpartie

Manchmal ist eine wilde Wasserschlacht eben das beste Mittel gegen die Hitze.
Manchmal ist eine wilde Wasserschlacht eben das beste Mittel gegen die Hitze.
Foto: NRZ
Bei Temperaturen von 37 Grad tobten gestern die Kinder beim Ferienspaß Uedem auf dem Bauspielplatz in Kirsel – Hauptattraktion war eine große Wasserrutsche

Kleve..  „Die Sachen da werden gleich weggeräumt! Da liegt auch noch ganz viel Zeug rum“, weist Johannes van de Loo ein paar Kinder freundlich aber bestimmt zurecht. Ihr schmutziges Geschirr dürfen die Kleinen bitteschön ebenfalls selbst spülen. Bei der Ferienfreizeit in Uedem gelten eben alte Pfadfindertugenden: Gemeinsam Spaß haben, aber Verantwortung übernehmen. Die älteren passen auf die jüngeren Kinder auf. „Das funktioniert auch seit Jahren sehr gut“, sagt der Landwirt. „Einige sind früher als Kinder selbst mitgefahren und sind jetzt als Beteuer wieder dabei.“

Und die haben heute alle Hände voll zu tun – etwa mit Sonnenmilch verteilen, denn auf dem Bauspielplatz in Kirsel herrscht sengende Hitze. Wegen der extremen Wetterverhältnisse mussten van der Loo und seine Frau Lissy ein wenig improvisieren. „Eigentlich hatten wir für heute noch ein Ponyreiten geplant, aber das konnten wir auch den Tieren bei der Hitze nicht zumuten.“

Eine Alternative war schnell gefunden: So mieteten die Organisatoren kurzerhand eine knapp drei Meter hohe Wasserrutsche, die schnell alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ob rückwärts oder auf dem Bauch – im Sekundentakt flatscht ein Kind nach dem anderen fröhlich quiekend von der Rutschfläche ins Becken.

Einigen der jungen Teilnehmer macht die Hitze dennoch zu schaffen: „Mir ist ganz schlecht“, jammert ein Mädchen und fläzt sich auf eine Couch in der Scheune. Hier ist es ein paar Grad kühler, zwei Jungen spielen eine Partie Kicker. Draußen dröhnt ein Song von Justin Timberlake aus den Lautsprechern – der Onkel eines teilnehmenden Jungen hat großzügig seine Musikanlage zur Verfügung gestellt.

Selbstgebaute Hütten aus Holzpaletten

Und wer sich nicht im Wasser vergnügt, sucht sich ein schattiges Plätzchen in einer der Hütten, die die Kinder in den vergangenen Tagen aus alten Holzhütten selbst zusammengezimmert haben. Viele Unternehmen, darunter eine Gärtnerei, haben das ganze Jahr über das Baumaterial für die Kinder gesammelt und nun für den Ferienspaß zur Verfügung gestellt. Triefnass und in Handtücher gewickelt kauern Mia und Mette zwischen den Brettern. So viel Platz zum Versteckspielen. „Ich freue mich am meisten auf die Nachtwanderung“, meint Mette. „Da ist immer richtig was los.“

Möglich ist das alles nur, weil die gut 40 ehrenamtlichen Betreuer und andere Helfer an einem Strang ziehen, damit alles rund läuft. Einfach sei das nicht immer, sagt van der Loo. „Dieses Jahr sind knapp 200 Kinder dabei. Da kommen wir schon an unsere Grenzen.“ So sind die Teilnehmerzahlen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Dies ist zwar die beste Bestätigung für die Arbeit der van der Loos und ihrer Mitstreiter, doch sieht sich das Paar dadurch auch vor neue Herausforderungen gestellt.

Johannes van der Loos Idealismus trübt das indes nicht – der Ferienspaß soll kostenlos bleiben und allen Kindern ohne Anmeldung unbürokratisch offenstehen. Vor allem auch jenen, deren Eltern sich die Pauschalreise nach Mallorca nicht unbedingt leisten können. Obwohl der Ferienspaß in erster Linie für die Uedemer Kinder gedacht ist, nehmen hier und da auch deren Schulkameraden aus den umliegenden Ortschaften wie Goch, Kalkar oder Louisendorf teil. „Das kann man so strikt nicht trennen, ich finde das in Ordnung“, sagt van der Loo.

Budget knapp bemessen

Auch wenn der Etat für das Projekt jedes Jahr knapp bemessen ist, haben die van der Loos und ihr Team es bislang immer geschafft, ein üppiges Programm für die Dorfjugend auf die Beine zu stellen. Wenn der Ferienspaß zu Ende geht, packen auch die Eltern der Kinder bei den Aufräumarbeiten mit an und helfen etwa, die Holzhütten auf dem Hof wieder abzubauen. Auch pädagogisch ist Johannes van der Loo von dem Konzept überzeugt: „Die Kinder lernen hier fürs Leben. Da geht es auch schon mal etwas rauer zu.“

So besitzt das Gros der Uedemer im Hinblick auf ihre Sprösslinge wohl noch eine Fähigkeit, die so manchen Helikopter-Eltern unserer Zeit abhanden kommen ist: Einfach mal locker lassen. „Klar schlägt sich schon mal jemand ein Knie auf oder die Kinder haben untereinander Streitigkeiten“, sagt van der Loo. „Aber so lernen sie auch, Konflikte untereinander zu regeln. Das ist die beste Therapie.“

Was auch bedeutet, dass die Eltern keinen Anspruch auf eine intensive Einzelbetreuung ihres Kindes haben, betont der 44-Jährige. „Das können wir nicht leisten. Aber das ist den meisten Eltern auch klar.“

Unermüdliches Engagement

Im Winter besucht er mit seiner Frau gelegentlich Schulungen, um sich etwa über aktuelle Auflagen in der Jugendarbeit zu informieren. Mitunter werde viel bürokratischer Aufwand von den Betreuern verlangt, was die Freude an der ehrenamtlichen Arbeit mit Jugendlichen auch schmälern könne, kritisiert er. „Wir verlangen von unseren Helfern kein polizeiliches Führungszeugnis – dazu sind wir zum Glück auch noch nicht verpflichtet. Natürlich schauen wir uns die Leute, die hier mitarbeiten, vorher gut an, das ist letztlich auch eine Frage des Vertrauens.“

Und haben die Kinder tatsächlich mal Knies miteinander, schreiten die Älteren ein und schlichten. Die 15-jährige Lara Bergmann ist früher selbst beim Ferienspaß mitgefahren und hilft jetzt mit ihren Freundinnen Klara und Ellen als Betreuerinnen mit aus. „Meine Mutter war auch schon als Betreuerin dabei. Der Ferienspaß gehört bei uns in der Familie einfach dazu.“ An der Straße zwischen Bauspielplatz und Hof sitzen die Mädchen und passen auf, dass die Kinder auf vorbeifahrende Autos Acht geben. Trotz der Hitze können wohl alle abends gut schlafen – nach so vielen Wasserschlachten.

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