Erinnerungen wachhalten

Andreas Daams
Marianne Broekmann berichtet über ihre Erlebnisse.
Marianne Broekmann berichtet über ihre Erlebnisse.
Foto: NRZ
Eine Gedenkveranstaltung am Kranenburger Rathaus erinnerte an das Schicksal zweier amerikanischer Soldaten. Ein SA-Mann erschoss sie vor dem Rathaus

Kranenburg.  Marianne Broeckmann war dabei. Damals, am 27. September 1944, war die beinahe 18-Jährige in der Kirche, als die Sirenen ertönten. Jede Menge Flugzeuge der Alliierten näherten sich der Gegend am Niederrhein. Die Operation „Market-Garden“ hatte begonnen. Amerikanische und britische Soldaten sprangen an Fallschirmen aus den Flugzeugen. Ihr Ziel: Den Vormarsch der alliierten Bodentruppen unterstützen.

Dramatische Ereignisse

Aber nicht alle Flugzeuge kamen unbeschadet davon. Eines musste in der Nähe von Groesbeek notlanden, wobei der Pilot ums Leben kam. Zwei Überlebende, George T. Harrison und William H. Armstrong, kamen in deutsche Kriegsgefangenschaft. „Jetzt wissen wir, was ihnen passierte“, sagte Gerrie Franken von der Stichting Groesbeek Airborne Vrienden bei der Gedenkveranstaltung vor dem Rathaus Kranenburg. Marianne Broeckmann: „Wir standen auf der Straße, als zwei junge Amerikaner mit erhobenen Händen abgeführt wurden. Plötzlich kam ein SA-Sturmbannführer aus dem Bürgermeisteramt, ließ sich eine Pistole geben und schoss den Soldaten ins Genick.“ Betrunken sei er gewesen. Die Leichen warf man über den Zaun, wo sie erstmal liegenblieben. „Viele Kranenburger gerieten daraufhin in Panik und verließen die Gemeinde noch am selben Tag.“

Marianne Broekmann erzählte diese Geschichte nicht zum ersten Mal. Bereits nach dem Krieg wurde sie als Zeugin des Geschehens von den Alliierten vernommen. Zuletzt bei der alliierten Gerichtsverhandlung 1947, bei der man den SA-Mann Ludwig Klüttgen schließlich zum Tode verurteilte. Am 29. September 1948 wurde er in Landsberg hingerichtet. Wer die beiden Soldaten gewesen waren, die er erschossen hatte, war allerdings lange unklar. Hier hat die Stichting Groesbeek Airborne Vrienden für Aufklärung gesorgt.

Jetzt erzählt eine Plakette am Denkmal „Hass tötet, Liebe versöhnt“ vor dem Rathaus die Geschichte. Mit Penny Moore und Blair Armstrong enthüllten zwei Angehörige der Opfer diese Erinnerung an eine barbarische Vergangenheit, die noch gar nicht so lange zurückliegt. „Der 17. September macht deutlich, zu welchen Unrechtstaten Menschen in der Lage waren“, sagte Bürgermeister Günter Steins. „Wir wollen die Erinnerungen wachhalten, damit wir und zukünftige Generationen nicht das gleiche Schicksal erleiden. Es liegt an jedem, dass diese Mahnung nicht ungehört verhallt.“ Auf die Gegenwart bezogen, bedeutete das für Steins: „Es ist ein Gebot der Nächstenliebe, das Asylrecht nicht infrage zu stellen.“ Man müsse sich gegen jede Form von Nationalismus zur Wehr setzen.

Den musikalischen Teil der Gedenkveranstaltung gestalteten der Musikverein Kranenburg und der Kirchenchor Wyler. Zahlreiche Gäste aus den Niederlanden und den USA waren gekommen, aber auch viele Kranenburger Bürgerinnen und Bürger nahmen an der feierlichen Zeremonie teil.