Erdenschwer wird himmelleicht

Janusz Grünspek hat einen Sinn fürs Filigrane.
Janusz Grünspek hat einen Sinn fürs Filigrane.
Foto: NRZ
Der Künstler Janusz Grünspek, bekannt aus der „Sendung mit der Maus“, hat sich etwas Neues ausgedacht: die Klever Cent-Knöpfe

Kleve..  Die Objekte sind leicht, federleicht. Ein Kronleuchter, ein Notebook, die WDR-Maus: zusammengebaut aus aneinandergeklebten Holzstäbchen. Janusz Grünspek hat diesen Sinn fürs Filigrane, fürs Entlegene, Absurde, aber auch für die verborgensten Zusammenhänge. Es gibt Künstler, die forsch auftreten, die eher Kommandeure ihrer vermeintlichen Sendung sind als Schöpfer eines Hintersinns. So ist Janusz Grünspek nicht. Er inszeniert nicht sich, sondern seinen besonderen Blick in und auf die Welt.

Früher hat er mal malocht, unter Tage, als Elektriker in einer Zeche. Priester hatte er werden sollen im katholischen Polen oder Architekt, wie sein Vater. Doch als der Vater starb, glaubte er, die Familie ernähren zu müssen. Da war er zwölf. Statt Gymnasium mit Schwerpunkt Kunst besuchte er eine Berufsschule, machte eine Lehre als Industrieelektriker und begann danach noch ein Technikum. Große Perspektiven sah er für sich nicht, im Gegenteil: Auf ihn wartete das polnische Militär, und dort wollte er nun wirklich nicht hin.

In jener Zeit – wir befinden uns Ende der 80er Jahre – reisten immer wieder Arbeitskollegen in den Westen aus. Wie war das möglich? Weil sie deutsche Vorfahren hatten. Die hatte Grünspek auch, nur war ihm das nie bewusst gewesen. Jetzt waren sie seine Brücke in den Westen. Seine Mutter, ursprünglich gegen seine Ausreisepläne, unterstützte ihn schließlich. Und so fuhr er eines Tages mit dem Bus nach Deutschland, mitten durch den Eisernen Vorhang, der ein paar Monate darauf lautlos zusammenstürzte.

Da war er schon in Krefeld. Musste lernen, den schrill-bunten Kapitalismus zu verstehen. Die deutsche Sprache zu beherrschen. Und scheiterte bei der Ankunft schon am Münzfernsprecher, der so ganz anders funktionierte als die polnischen Modelle. Heute erscheint ihm der 19-jährige Emigrant, der er einst war, wie eine anrührende, aber auch komische Figur. Grünspek kann prima über sich lachen. Längst spricht er ein besseres Deutsch als die meisten Muttersprachler. Er war im Fernsehen, in den großen Zeitungen. In Australien sind seine Filme ein Hit.

Aber bis es soweit war, arbeitete er wie besessen. An seinem Deutsch. Als Hilfsarbeiter in Großmärkten. Als Elektriker auf Baustellen. Und nebenbei an seiner Kunst. Einmal zog eine neue Bewohnerin in das Mehrfamilienhaus, in dem er wohnte. Sie stellte sich vor, sah seine Kunst und erzählte, dass oben im Haus auch einer Kunst mache. Sie schleppte ihn dorthin, schellte, und ließ die beiden Künstler allein. Der Künstler von oben kam aus Nütterden, wollte in Arnheim studieren und überredete ihn, die Hochschule auch mal zu besuchen. Die gefiel ihm prima, umgekehrt gefielen seine Arbeiten den Professoren, und so studierte er schließlich an der Arnheimer Kunsthochschule. Eine Wohnung suchte er in der Grenzregion – und fand sie zunächst in Mehr, dann in Kleve. Hier lebt und arbeitet er jetzt. „Ich habe viel Glück gehabt in meinem Leben und viele nette Menschen getroffen“, sagt er. Immer gab es Menschen, die seine Potenziale erkannt und ihn gefördert haben.

Sein neustes Projekt ist eine echte Klever Idee. Weil es hier ja den Ein- und Zwei-Cent-Münzen an den Kragen gehen soll, hat er sich gedacht, kann er die ja auch gleich zu edlen Knöpfen umfunktionieren. Also gibt es nun aufpoliertes Geld zum Herzeigen, gelöchert und nähfertig, fein verpackt und streng limitiert. Wer staunen, lachen und den Verstand benutzen will, sollte also im Internet www.januszgruenspek.de ansteuern.

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