Er stieg ein, damit Visionen real wurden

Airport Weeze, Flughafen, Ludger van Bebber
Airport Weeze, Flughafen, Ludger van Bebber
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Ludger van Bebber: Die Öffentliche Hand hatte deutlich mehr Profit vom Flughafen als umgekehrt

Kreis Kleve / Weeze..  Als Kind wurde ihm beim Autofahren mulmig und anfangs beim Fliegen auch. Mittlerweile tut er’s gern. Morgens nach Berlin, mittags zurück. Konferenzen in Brüssel. Ludger van Bebber, Geschäftsführer des Flughafens Niederrhein in Weeze, arbeitet international. Und doch genießt er die kleinen Momente in Weeze, wenn er sieht, wie Kinder fassungslos staunen, dass Flugzeuge abheben. „Das technische Weltwunder seit Lindbergh. Kontinente und Kulturen überwinden. Beitragen, dass sich Menschen verstehen“, das ist für van Bebber die Fliegerei. „Vor 40 bis 50 Jahren elitär, heute normal.“

Ludger van Bebber hat dem Airport Niederrhein / Weeze den Schub gegeben. Den spannenden Aufbau der Kreis Klever Baugesellschaft (KKB) hatte er bewältigt und zehn Jahre begleitet, als ihn der Kreis 2004 bat, die Sturm- und Drangzeit im Aufbau eines privaten Flughafen zu übernehmen. Zunächst übergangsweise. Neben dem Flughafeninvestor wollte der Kreis einen Mann aus dem eigenen Haus an den Schalthebeln wissen, dann sollte er in die KKB zurück. Doch der private Investor Herman Buurman bat ihn, zu bleiben.

„Es gab Schmittmengen zu dem, was ich vorher gemacht habe“, große Bauwerke zu betreuen, Abläufe zu organisieren, fachlich gute Mitarbeiter zu führen. „Aber es ist genetisch anders, eine Infrastruktur-Einrichtung, ein öffentliches Unternehmen, von öffentlichem Interesse begleitet“. Van Bebber beschreibt die Pyramide der weltweiten Verknüpfungen: In der Nachbarschaft beginnt das Interesse von Ferien- und Businessfliegern pro Flughafen sowie der /Emissionsgegner contra Airport, die Gemeinde war in der Bauplanung beteiligt, der Kreis bei Themen Bauen und Umwelt, die Bezirksregierung bei der Luftrechtlichen Genehmigung („was viele Jahre durch Gerichtssäle getragen wurde“). Weiter ist das Land zuständig in Sachen Security und Flughafenplanung, der Bund bei Sicherheit und Terrorabwehr, die Europäische Union vereinheitlicht das große Regelwerk, die EKO als Seitenzweig der UN (Vereinte Nationen) begleitet Eissionshandel im Luftverkehr und Flughafenbau weltweit.

Ludger van Bebber hat Respekt vor der „Idee der Gründerväter Holzhauer, Gilleßen, Kersting 1993, der Region einen Impuls mit einem Zivilflughafen zu geben, wenn die Engländer aus Laarbruch abziehen. Als die Visionen real wurden, bin ich eingestiegen“. Es galt ein Miteinander, „Sagen, was sie tun, und tun, was sie sagen“. Van Bebber entschied sich für die Low-Cost-Branche, band Weeze an Ryanair, was dem Niederrheinairport 60 Flugziele bescherte und ihn in einem „stürmischen Jahrzehnt“, so van Bebber, zum drittgrößten Flughafen in NRW wachsen ließ.

Für den Manager kamen „Ausbildung, Fleiß und Glück“ zusammen, um das zu erreichen. „Die Ausbildung half, in technischen Dingen vernünftige Entscheidungen zu treffen“ bewertet er. Der gelernte Tischler aus Duisburg absolvierte am Berufskolleg Geldern die Fachoberschule Maschinenbau, studierte Wirtschaftsingenieurwesen, war drei Jahre im Maschinenbau-Produktmanagement tätig, bevor er in Kreis Klever Bauverwaltungs-Gmbh (KKB) und Flughafen die Geschicke lenkte.

„Das Engagement muss hoch sein, auch in der zweiten Führungsebene. Und alle Mitarbeiter müssen dahinter stehen. Sie sind das Blut in den Adern des Unternehmens.“ Van Bebber muss dabei die Kosten im Griff halten. „Wir ernten die Früchte, die wir gesät haben. Dass etwas vom Himmel fällt, ist selten.“ Aber wenn mit Beschlüssen, Anweisungen „ins Unternehmen hinein gefummelt wird“, sei das schon „ärgerlich“. Dann spielen Glück und Pech mit. „Es war Glück, als 2009 die Niederländer die Luftverkehrssteuer erhoben, wir wurden mit Passagieren überschüttet. Es war Pech, als die Niederländer das 2010 wieder abschafften, aber Deutschland die Steuer erhob.“

Der immer wieder schwelenden Kritik an den Flughafenfinanzen setzt er als Argument entgegen: „Ich glaube, die Öffentliche Hand hat deutlich mehr Profit vom Flughafen gehabt als der Flughafen von der Öffentlichen Hand. 1000 Arbeitsplätze wurden geschaffen, Millionen-Effekte hängen daran. 30 Millionen Luftverkehrssteuer hat der Airport dem Finanzamt geliefert, 1,3 Millionen Zinsen dem Kreis Kleve. Es ist das best-angelegte Geld für den Kreis und die Gemeinde Weeze“. Er sagt: „Ich bin ein Organ der Gesellschaft, die Stimme des Flughafens und will die Interessen genau dieses Unternehmens vertreten. Es wäre verrückt, wenn’s nicht so wäre“ .

In Zukunft habe die Digitalisierung eine enorme Auswirkung auf Weeze. 95 Prozent der Ryanair-Buchungen erfolgen online. Da will van Bebber auch ins online buchbare Park-System investieren.

Einmal am Tag lässt der Manager sich vom Internet kondensierte Infos nach Schlagwörtern liefern, denn er muss die Entwicklungen in aller Welt verfolgen. Wachsende Regionen setzen auf Luftverkehr. „Weeze wäre ohne europäische Integration nicht denkbar“.

Wohin er gerne fliegt? Kurztour in die „Stadt der Städte“ New York. An Istanbul mag er die Geschichte und das Pulsieren – „Dubai dagegen hat keine Seele“. Privat aber liebt er Mallorca. Glück bedeutet für den 51-Jährigen ein stabiles privates Umfeld im Haus mit Garten in Kalkar, gemeinsames Frühstück mit der engagierten Ehefrau (im Zonta Club) und den beiden jugendlichen Kindern.

 
 

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