Er besorgt das Geld für gute Ideen

Marcel Janssen ist bei der Stadt Kleve zuständig für die Akquise von Zuschüssen.
Marcel Janssen ist bei der Stadt Kleve zuständig für die Akquise von Zuschüssen.
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Kleve schuf eine Stabstelle, um mehr Zugriff auf Fördertöpfe zu bekommen. Marcel Janssen recherchiert intensiv

Kleve..  Das Risiko ging Marcel Janssen ein: Eine Festanstellung in Düsseldorf gab er auf, um in Kleve zu arbeiten. Erst mal auf zwei Jahre befristet, aber wenn er es schafft, dass sich danach sein Arbeitsplatz selbst finanziert, wird der auch gesichert. Welche Motivation. Dabei geht Marcel Janssen auch so mit richtig viel Spaß an seine Aufgabe: Geld besorgen für die Stadt. Im Rat gestern Abend stellte er sich vor, denn seine Stabstelle wurde extra geschaffen, politisch gewollt.

Zwar ist er ein Mann der Zahlen, aber dieser Job bedeutet mehr. In die unterschiedlichsten Projekte hat er Einblick, eignet sich Wissen über Planungen an, für die man vielleicht Förderungen loseisen kann, für Fachbereiche im Rathaus, für Vereine und Stiftungen. „Eine schöne Bandbreite. Das ist eine Herausforderung, sich in viele Thematiken einzuarbeiten, um die Inhalte erklären zu können,“ sagt er. Er nähert sich den Themen von beiden Seiten: Entweder ein Fachbereich stellt ihm eine Idee vor und er sucht, wie man sie finanziert, oder er entdeckt Fördertöpfe und macht sich Gedanken, für welche Fachabteilung die interessant sein könnten.

Dabei geht es aktuell um Summen von 450 Euro für einen heimatlichen Kulturverein in Kellen bis hin zu mehreren Millionen, auf die Kleve hofft für die Idee einer „E-Rad-Bahn“, eines Radschnellweges entlang der alten Bahnstrecke / Draisinenstrecke. Da stieg auch die Gemeinde Kranenburg zu den Klevern auf den Sattel und man bittet gemeinsam um Gelder im Wettbewerb „Klimaschutz im Radverkehr“. Der Antrag ist gestellt auf Bundesmittel. Und falls das nicht klappt, hält Marcel Janssen parallel auch beim Land Eisen ins Feuer. Um mittlere Summen geht es etwa für neue Unterstützungsdienstleistungen für das zdi-Zentrum „CleverMint“ / zur Zusammenarbeit Hochschule und lokaler Unternehmen (siehe Bericht Lokalseite 2).

Emsig tut sich Janssen momentan um, die Klever Schleuse zu retten und prüft auf EU-Ebene die Chance auf Millionen-Zuschüsse. „Das Fördervolumen der Europäischen Union ist enorm groß“. Es ist wahrlich ein Fulltime-Job, die Geldquellen zu finden. „Die Strukturen sind verflochten, da ist intensive Recherche nötig“, sagt der Klever. Themen rund um Flüchtlingshilfen etwa sind „sehr komplex, sehr speziell“.

Schon jetzt nutzt Kleve mehr Fördertöpfe als bis vor einem halben Jahr, bevor Marcel Janssen im Dezember seinen Dienst antrat und neben den „Erstmitteln“ aus dem Städtischen Etat Klever Projekte mit „Zweitmitteln“ (Landes- und Bundestöpfe) oder „Drittmitteln (Sponsoren, Privatleute, Stiftungen) voran zu bringen.

Der Klever hatte nach dem Abi auf dem Freiherr-vom-Stein erst eine Banklehre bei der Sparkasse Kleve absolviert, studierte Wirtschaft mit dem Schwerpunkt Marketing und Management an der FH Bocholt. Dann arbeitete er u.a. in Düsseldorf fürs Marketing IBM und für einen internationalen Messeveranstalter, für den er in den letzten drei Jahren das Controlling übernahm. Er wohnte aber immer im Kreis Kleve. Sein Hobby Kegeln – im Haus Ida gelernt – gab er allerdings auf. Weil er zu gut ist: Er spielte in der zweiten Bundesliga (Verein Kamp-Lintfort) und das hieß, jedes Wochenende nach Kassel, nach Wolfsburg... Da begleitet er heute doch lieber seinen Sohn zum Fußballplatz oder übt mit der Tochter Laufrad-Fahren.

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