Energiewende geschafft

Andreas Gebbink
Betriebsleiter Heinz Arntz und Dipl. Ing. Edith Wessels, die für den technischen Betrieb zuständig ist.
Betriebsleiter Heinz Arntz und Dipl. Ing. Edith Wessels, die für den technischen Betrieb zuständig ist.
Foto: NRZ
Zum ersten Mal wurde in der Kläranlage Kalkar-Hönnepel mehr Strom produziert als verbraucht. Im kommenden Jahr wird auch das Abwasser von Xanten-Vynen hier gereinigt

Kalkar-Hönnepel.  . An diesen Ort verirrt man sich nicht so schnell. Irgendwo zwischen Hönnepel und Niedermörmter, direkt am Rhein gelegen, das ist ziemlich weit ab vom Schuss. Und doch wird von der Öffentlichkeit fast unbemerkt hier eine der wichtigsten Aufgaben für das Zusammenleben in Kalkar gemeistert: Tausende Kubikmeter Abwasser und Schlamm werden jährlich in aufwändigen Verfahren gereinigt. Die Kläranlage von Hönnepel zieht selten die Aufmerksamkeit auf sich, doch in diesem Jahr ist hier etwas Außergewöhnliches gelungen.

In Hönnepel hat man die Energiewende geschafft! Klammheimlich und fast genauso unbemerkt wie hier täglich das Abwasser gereinigt wird, hat die Mannschaft von Betriebsleiter Heinz Arntz geschafft, mehr Energie mit der Reinigung von Abwässern zu produzieren als zu verbrauchen. „Es gibt nicht viele Kläranlagen in Deutschland, die das schaffen“, sagt Arntz und fügt hinzu: „Hier im Klärwerk kann man richtig Energie einsparen.“

Deutlich bessere Energiebilanz

Und das hat man in den vergangenen Jahren auch gemacht. Nach gezielten Investitionen in den Klärwerksbetrieb und in den Ausbau erneuerbarer Energien kann Arntz heute eine deutlich bessere Energiebilanz aufweisen: 1,2 Millionen Kilowattstunden Strom wurden 2013 verbraucht und 1,4 Millionen Kilowattstunden Strom wurden produziert. Für die Verbesserung des Betriebes wurden vor zwei Jahren die beiden Faulbehälter saniert, in die der Schlamm zur Ausfaulung geleitet wird. Mit neuen Aggregaten habe man für eine bessere energetische Auslastung sorgen können, sagt die technische Leiterin Edith Wessels.

Auch die Belüftung der Belebungsbecken für die Abwasserbehandlung habe man optimiert: „Gerade für die Belüftung benötigt man sehr viel Energie“, so Wessels. Durch die künstliche Belüftung der Belebungsbecken mit Sauerstoff werden die im Abwasser enthaltenen Bakterien dazu genutzt, Schmutzstoffe aufzunehmen und zum Teil in Kohlendioxid und Wasser zu verwandeln.

Energie wird mit einer Windkraftanlage und einem Blockheizkraftwerk produziert. Das Kraftwerk wird mit Gas befeuert, welches bei den Faulprozessen der Schlammverarbeitung entsteht. In den Faulbehältern zerlegen Bakterien den Schlamm und produzieren dabei Methangas.

Weitere Sanierungen stehen an

Auch in den kommenden Jahren wird die energetische Sanierung im Klärwerk weiter gehen. 2015 soll die mechanische Reinigung des Abwassers verbessert werden. Hier werden die Grobstoffe in einem Becken herausgesiebt. Mit einer neuen Mechanik könne man auch bei diesem Arbeitsvorgang Energie einsparen, so Arntz. „Ein Meilenstein“ für das Klärwerk sei ein neuer Verbund mit dem Abwasserverband Lineg. Im nächsten Jahr soll in Hönnepel auch das Abwasser von Xanten-Vynen gereinigt werden. Noch in dieser Woche soll ein Vertrag mit der Lineg unterzeichnet werden. Für die Einleitung der Xantener Abwässer muss noch eine sieben Kilometer lange Zuleitung gelegt werden. Mit dem Vertrag sorgt Betriebsleiter Arntz für eine bessere Auslastung in Kalkar. Auch damit könne man wirtschaftlicher arbeiten.