Ein Wirbelsturm über Weeze

Astrid Hoyer-Holderberg
Internationale Katastrophen-Übung Trimodex für Rettungskräfte:Gesetzt den Fall, ein Wirbelsturm würfelte Autos durcheinander und zerstückelte die Betondecke – wo will man anfangen mit der Hilfe?
Internationale Katastrophen-Übung Trimodex für Rettungskräfte:Gesetzt den Fall, ein Wirbelsturm würfelte Autos durcheinander und zerstückelte die Betondecke – wo will man anfangen mit der Hilfe?
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Noch bis Sonntag läuft die Europäische Großübung für Rettungskräfte. „Training Base“ am Airport. Professionell vorbereiten, damit die Retter improvisieren können

Weeze.  Quer durch Europa klingelten die speziellen Alarmhandys: Ein Hurricane hat in der Provinz X eine Parkgarage zerstört. Menschen sind verschüttet. Die Rettungskräfte vor Ort brauchen professionelle Hilfe. Polizisten, Rettungsteams, Katastrophenschützer und Suchhunde machten sich auf den Weg, teils auch im Flugzeug. Einige wussten es gleich, andere erfuhren erst vor Ort: Ausatmen, die Provinz X liegt im niederrheinischen Weeze und das hier ist eine Übung.

Aber immerhin verlangt sie den rund 100 Teilnehmern höchste Aufmerksamkeit im 72-Stunden-Training ab (1. bis 4. Oktober). Außerdem steigerte sich der Konflikt im Szenario noch: Angeblich gehörten Menschen vor Ort einem anderen Kulturkreis an, Männer machten es den Rettern schwer, den in Burkas verhüllten Frauen überlebenswichtiges Wasser zu reichen. Von 40 Beobachtern wurden die Retter auf Schritt und Tritt begutachtet, bekamen hinterher ihr Feedback, wie sie ihren Job erledigt haben. Und die Europäische Kommission als Auftraggeber bekam dazu Empfehlungen.

Das „Training Base Weeze“ als multidisziplinäres Ausbildungs- und Übungszentrum am Airport Weeze hatte sich bei der Europäischen Union als Ausrichter für die Großübung mit dem Titel „Trimodex“ beworben und den Zuschlag bekommen. „Mehrere Monate dauerte die Vorbereitung“, erzählt der Sales-Manager für Deutschland der Trainings-Base, Karl-Heinz Tolkamp. 35 Leute in der Planungsgruppe arbeiteten professionell, damit die Retter später improvisieren können. Für die vier Übungsszenarien in Weeze wurden Funkfrequenzen bei der Bundesnetzagentur erbeten und Anträge zur Erteilung einer Sondererlaubnis für das Fahren mit Großfahrzeugen an Sonntagen gestellt.

Es wurde extra eine sechs mal acht Meter große Betondecke angefertigt und zerstört, die das Dach einer Parkgarage darstellte. Unter diesem Trümmerfeld lägen Autos und Opfer, hieß es. Außerdem habe der Wirbelsturm ein Krankenhaus und Wohnhäuser in Mitleidenschaft gezogen. Gebucht waren Opfer-Darsteller, an gefährlichen Stellen lagen Puppen als Dummys.

Das Trainingsgelände am Flughafen ist 38 Hektar groß, eines der größten BOS-Ausbildungs- und Übungszentren in Europa. Der ehemalige Stützpunkt der Royal Air Force Germany bietet eine perfekte Infrastruktur für die Organisation und Durchführung von Sicherheits- und Brandschutzübungen, denn es sind nach wie vor Wohnhäuser, Schwimmbad, Schule, Bahngleise, Züge vorhanden für absolut realitätsnahe Szenarien.

Sogar, dass gestern die Sonne so herrlich schien, passte ins Bild. Denn „nach einem Hurricane ist es oft schönes Wetter, das habe ich schon erlebt“, erzählt Karl-Heinz Tolkamp.

Die Europäische Kommission, Direktorate General ECHO (Humanitarian Aid & Civil Protection) lud zur internationalen Übung die Urban Search & Rescue (USAR), die European Union Civil Protection Teams (EUCPT) und die Technical Assistance Support Teams (TAST). Einsatzkräfte aus England, Niederlanden, Litauen und Lettland kamen. Kollegen aus Österreich aber sagten ab: Wegen der Flüchtlingsversorgung werden vor Ort so viele Schutzkräfte gebraucht, dass niemand für Übungen frei gestellt wird.