Ein verkorkster Abend

Für Peter Driessen stellt sich die Frage, welche Rückendeckung er noch hat. Silke Gorißen sah keine Kampfabstimmung

Bedburg-Hau. Für Peter Driessen war es von Beginn an ein verkorkster Abend. Die entscheidende Ratssitzung über die Abstimmung des Haushaltes und des Hallenbades hatte noch gar nicht begonnen, da musste der erste Bürger der Gemeinde sich schon bei seinen Bürgern entschuldigen. Es tue ihm leid, dass er sich in der vergangenen Woche nicht die Zeit genommen habe die Demonstranten für das Hallenbad persönlich zu begrüßen. „Das war ein schwerer Fehler.“

Irgendwie machte dieser Donnerstag seinem Namen alle Ehre und für Peter Driessen sollte es einfach nicht besser werden. Die entscheidende Abstimmung über das Hallenbad hatte er verloren und am Tag danach sieht er immer noch ziemlich ratlos aus. Einen Kranz zum Gedenken der Opfer der Nationalsozialisten legte er am Morgen mit dem Forensikarzt Jacques Kreutz auf dem Klinikgelände nieder. Tragischerweise jene Forensik, die ihm am Abend zuvor heftige Kritik von den Fraktionen einbrachte. Mit versteinerten Mienen trauerte man um die Toten. Selten passten Stimmung und Anlass so sehr überein.

Von den Bürgern gibt es noch Zuspruch. „Was man da mit dem Amt des Bürgermeister angestellt hat, ist beschämend“, gab ein namhafter Klever Politiker dem Bürgermeister als Unterstützung mit auf den Weg. So könne man nicht den ersten Bürger der Stadt vorführen, hieß es.

Keine Abstimmung über das Wirken des Bürgermeisters

Für Silke Gorißen, die Fraktionsvorsitzende der CDU, war die Abstimmung des Hallenbades keine Abstimmung über das Wirken des Bürgermeisters: „Man sollte da nicht mehr hinein interpretieren“, sagte sie gestern der NRZ auf Anfrage: „Es ging um die Entscheidung, ob wir das Hallenbad sanieren wollen. Es ging nicht um eine Kampfabstimmung.“

Trotzdem hakt es zwischen CDU und Bürgermeister: „Warum haben wir ihn denn vorgeführt?“, fragt Gorißen am Tag danach. Im Rahmen der Haushaltsberatungen habe man zufällig 800 000 Euro für eine Höherbelegung der Forensik gefunden, über die es keine Informationen gab. Überraschend habe man feststellen müssen, dass in der Forensik gut 100 Patienten mehr aufgenommen worden sind: 499 anstatt 384. „Das kam so plötzlich heraus. Es wäre besser gewesen, wenn der Bürgermeister uns darüber informiert hätte“, so Gorißen. Über eine so wichtige Frage, müsse die Politik entscheiden. „In dieser Form ist das nicht tragbar.“

Hat der parteilose Driessen noch politische Rückendeckung? Silke Gorißen: „Er ist Bürgermeister in Bedburg-Hau. Er ist kein CDU-Bürgermeister.“ Ob er künftig noch Mehrheiten haben werde, hänge auch von den Themen ab, sagte sie gegenüber der NRZ.

Als der SPD-Abgeordnete Wilhelm van Beek bei der Aussprache Silke Gorißen mit „Frau Bürgerm...“ ansprach und schnell seinen Freud’schen Versprecher zurückzog, da klatschte und lachte das Publikum. Denn es traf genau die Stimmung dieses Abends.

Hat Silke Gorißen Ambitionen auf das Bürgermeisteramt? „Darüber werden die Gremien beraten und entscheiden“, sagte sie gegenüber der NRZ. Dass in der Kandidatenfrage auch ihre Person als Partei- und Fraktionsvorsitzende in Bedburg-Hau eine Rolle spielen werde, liege auf der Hand, so Gorißen. Zurzeit sei diese Frage aber nicht aktuell: „Wir haben noch dreieinhalb Jahre bis zur nächsten Wahl. Wahlen stehen zurzeit nicht an“, so Gorißen. Driessen bleibe weiter Bürgermeister.

 
 

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